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Die Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann schlüpft in Cleopatra-Rollen

Die international bekannte Luzerner Sopranistin fächerte erstmals in der Schweiz live zusammen mit dem fabelhaften Barockorchester La Folia die vielen Facetten der historischen Figur Cleopatra auf. Standing Ovations waren die folgerichtige Reaktion des Heimpublikums.
Fritz Schaub
Regula Mühlemann (33) bei ihrem Auftritt am Donnerstag im KKL Luzern. Bild: Ingo Höhn (Luzern, 25. April 2019)

Regula Mühlemann (33) bei ihrem Auftritt am Donnerstag im KKL Luzern.
Bild: Ingo Höhn (Luzern, 25. April 2019)

Nicht erst seit heute werden Programme, vor allem wenn man mit ihnen auf Tournee geht, im Voraus auf CD eingespielt. Man weiss dann ziemlich genau, was auf einen zukommt und was man erwarten kann. So auch im Fall der aus Adligenswil stammenden Regula Mühlemann, deren preisgekrönte CD «Cleopatra» bereits seit 2017 auf dem Plattenmarkt ist.

Seither ist ihre Reputation, vor allem nachdem sie erstmals in einer Opernhauptrolle (Gounods «Romeo et Juliette» im Luzerner Theater) erfolgreich debütiert hat, noch gewachsen. Hat man sie kürzlich an den Salzburger Osterfestspielen unter Mariss Jansons mit der Staatskapelle Dresden gehört, so wird klar, dass sie es endgültig in die oberste Liga geschafft hat.

Sängerin und Orchester sind eins

Auch beim Auftritt am Donnerstag im zwar nicht ausverkauften, aber bis in den vierten Rang dicht besetzten KKL-Konzertsaal bestätigten sich alle die Qualitäten, die man ihr nicht erst seit ihrer «Cleopatra»-CD nachrühmt: bezaubernde Natürlichkeit, virtuose und hochpräzise Koloraturtechnik, kristallklare Intonation, beseelte und lang ausgehaltene Phrasierungen, silbrig schimmernde Obertöne und dergleichen mehr. Was beim Liveauftritt hinzukam: Es war nicht bloss ein von einem x-Orchester begleiteter Starauftritt, sondern ein Gemeinschaftswerk, ja man möchte sagen angesichts des Kostümwandels und der Gesänge von verschiedenen Punkten des Saals aus, eine halbszenische Inszenierung mit einem gleichberechtigten Orchester.

Das historisch informierte Barockorchester La Folia mit dem hervorragenden Geiger und Leiter Robin Peter Müller aus Dresden leitete jeweils einzelne Arien ein. Mit einer Sinfonia (das heisst mit einer Ouvertüre) zum Beispiel die hochvirtuose, bereits mit vollem Risiko dargebotene Eröffnungsarie (aus C.H. Grauns «Cesare e Cleopatra»).

Gleich mehrere Cleopatras

Oder eine Scarlatti-Arie wurde mit den vom Publikum spontan bejubelten Sätzen des grossartigen Violinkonzerts «Il grosso mogul» von Antonio Vivaldi umrahmt. So wurden die Gesangsnummern sinnvoll eingebettet in ein ganzes Cleopatra-Umfeld.

Indem sie in zwei verschiedenen Roben, einmal in Olivgrün, ein andermal ganz in Gold auftrat, deutete Regula Mühlemann an, dass es nicht nur eine Cleopatra gibt, also Cleopatra VII, sondern gleich deren mehrere. So wird in dem aus einer Cleopatra-Oper erhaltenen Mittelstück «La virtu trionfante» von Antonio Vivaldi von einer zwangsverheirateten Cleopatra gesungen. Wie Regula Mühlemann in der Arie «Squarcami pure il seno» den beinahe bis zum Wahnsinn gesteigerten Affekt zum Ausdruck brachte, so furios und handkehrum herzbewegend innig, zeigte den weit fortgeschrittenen Reifeprozess und das gesteigerte Selbstbewusstsein der Künstlerin. Dieser Vortrag, der den ersten Teil abschloss, war einer der Höhepunkte insgesamt.

Historische Partner

Befanden sich im ersten Teil vor allem die Arien mit Julius Caesar, dem ersten Partner der letzten Königin Ägyptens, so kam im zweiten Teil, der Farbe des Gewands entsprechend, die goldene Ära der Cleopatra-Vertonungen zu Gehör, dies meist mit Antonius, dem zweiten historischen Partner, der wie sie den Freitod wählte: von Johann Adolf Hasse (1699–1783) mit zwei Arien aus der Oper «Marc’Antonio e Cleopatra», und von Georg Friedrich Händel (1685–1762) Rezitativ und Arie «Che sento?» aus «Giulio Cesare in Egitto». Dazu erschien die gertenschlanke Künstlerin in einem langen schwarzen Rock mit ärmellosem Oberkleid. Cleopatra war wieder Regula Mühlemann geworden. Nach dem letzten Werk des regulären Programms, dem sich noch zwei Zugaben anschlossen, erhob sich das ganze Haus wie ein Mann zu Standing Ovations.

Regula Mühlemann: Cleopatra. Barockarien. La Folia Barockorchester mit Robin Peter Müller. Sony Classical, 1 CD

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