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Nachruf auf Werner Bucher: Schriftsteller, Poet, Verleger

Zeitlebens fühlte sich Werner ­Bucher eng mit der sanften ­Hügelwelt des Appenzeller Vorderlandes verbunden.
Peter Eggenberger
Literaturfreund Werner Bucher (1938–2019). (Bild: PD)

Literaturfreund Werner Bucher (1938–2019). (Bild: PD)

Hier fühlte er sich wohl, hier fand er Inspiration und Momente der Musse, und hier konnte er die Schwere des Lebens immer wieder abstreifen und zu neuem schöpferischen Tun aufbrechen. Seinem fruchtbaren, oft auch von Zweifeln begleiteten Wirken aber setzte eine schwere Erkrankung in den letzten drei Jahren immer ­engere Grenzen. Am 15. Januar fand seine Leidenszeit ein Ende.

Früher als Sportjournalist tätig

Als Luzerner am 19. August 1938 in Zürich geboren und aufgewachsen, war er nach seinen Ausbildungs- und Wanderjahren für verschiedene Medien als Kulturredaktor und Sportjournalist tätig. Seine grosse Liebe aber galt der Literatur und ihren namhaften Exponenten, und schon früh arbeitete und experimentierte er selber mit der deutschen Sprache. Tiefgründige Gedichte und Romane waren die Folge, und gleichzeitig begann auch eine intensive verlegerische Tätigkeit.

Er gründete den Orte-Verlag

Leuchttürme in seinem Schaffen waren die Gründung des Orte-Verlags, die Kreation der Poesie Agenda und sein grosser, die Zürcher Jugendunruhen dokumentierender Roman «Unruhen», der 1998 von der Schweizerischen Schillerstiftung ausgezeichnet und mit weiteren Literaturpreisen bedacht wurde.

Den Rücken frei gehalten hat ihm Lebenspartnerin Irene Bosshart Bucher, die Werner nach Möglichkeit von den oft mühseligen Querelen des Alltags bewahrte und ihm so das kreative Schaffen ermöglichte. Gemeinsam übernahm das Paar 1989 die Führung des Restaurants Kreuz in Wolfhalden, das rasch zum Treffpunkt von Literaturfreunden und Schreibenden aus dem ganzen deutschsprachigen Raum wurde. Hier war auch der Orte-Buchverlag domiziliert, und hier entstand die gleichnamige, von Bucher ­bereits in den 1970er-Jahren gegründete Schweizer Literaturzeitschrift. Gleichenorts wurden Bücher geschrieben und unzählige Manuskripte etablierter, aber auch junger Autoren geprüft.

Wer ist der Krimiautor Jon Durschei?

Ebenfalls vielbeachtet war die vom Orte-Verlag publizierte ­Serie der Kriminalromane des Bündners Jon Durschei («Mord auf Meldegg», «Mord in Luzern», «Mord im Zürcher Oberland»), dessen Identität bis zuletzt ein Geheimnis geblieben ist. Und mit dem süffig zu Papier gebrachten, mehrmals aufgelegten und stetig aktualisierten Ostschweizer Beizenführer «Urwaldhaus, Tierhag, Ochsenhütte & Co.» ist dem Verstorbenen ein weiterer grosser Wurf gelungen.

Der Traum vom eigenen Beizlein

Der Traum vom eigenen Beizlein verwirklichte das Verleger-Ehepaar 2006 mit dem Kauf und dem stilgerechten Umbau der Wirtschaft Rütegg in Oberegg. Auch hier erwies sich die Kombination von gemütlicher Einkehr und dem Eintauchen in die Welt der Bücher als Erfolgsmodell. Gleichzeitig fand die bereits im «Kreuz» gepflegte Tradition der Literaturfestivals im nahen «Hirschen» in Wald AR eine geschätzte Fortsetzung. Die sich immer stärker manifestierende chronische Erkrankung von Werner ­Bucher führte 2015 zum Verkauf des Orte-Verlags an den Appenzeller Verlag. Mehr und mehr zog er sich in eine eigene Welt zurück, zu der der Zugang immer schwerer zu finden war. Eine grosse Trauergemeinde verabschiedete sich am 22. Januar in der Oberegger Kirche von Werner Bucher, der die Schweizer Literaturszene markant, eigenwillig und dauerhaft bereichert hat.

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