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ZURICH FILM FESTIVAL: Enorm schnell oben angekommen

Alicia Vikander verzaubert mit einer Mischung aus körperlicher Energie und emotionaler ­Tiefe. In ihrer neuen Rolle als Produzentin setzt sie sich für das unabhängige europäische Kino ein.
Regina Grüter
Alicia Vikander präsentiert ihren Film «Euphoria» in Zürich. (Bild: Andreas Rentz/Getty (29. September 2017))

Alicia Vikander präsentiert ihren Film «Euphoria» in Zürich. (Bild: Andreas Rentz/Getty (29. September 2017))

Regina Grüter

Sie wirkt kurz ein bisschen angespannt, der Blick geht ins Leere. Sobald sie lächelt, ist das alles wie weggeblasen. Und man versteht, wie Alicia Vikander in nur zehn Jahren in Hollywoods Topliga angekommen ist. Sie ist jung, schön und unglaublich talentiert. Vor allem aber ist es ihre natürlich-ehrliche Ausstrahlung, eine Lockerheit gepaart mit Ernsthaftigkeit, die einen für sie einnimmt. Die schwedische Schauspielerin war am Freitag in Zürich, um ihren neuen Film «Euphoria» (siehe Kasten) zu präsentieren. Ein Film, der sie zurückführte zu ihren schauspielerischen Wurzeln und mit dem sie gleichzeitig einen Schritt weitergeht im Filmbusiness: Zum ersten Mal fungiert sie als Produzentin.

Die schwedische Regisseurin Lisa Langseth war es nämlich, die Vikander fürs Kino entdeckt hatte. Nach Auftritten in Fernsehserien und Kurzfilmen spielte sie in Langseths «Die innere Schönheit des Universums» mit 19 Jahren gleich die Hauptrolle und später auch in deren zweitem Film «Hotell». Es sind komplexe Frauenfiguren, die Langseth schreibt. Und davon gebe es nicht viele, so Vikander. Überhaupt seien gute Drehbücher selten.

Professionalität und ­physischer Ausdruck

«Ex Machina» (2014) von Alex Garland sei so eins gewesen. Über ihre Rolle zwar, die des Androiden Ava, habe nicht viel im Drehbuch gestanden. Sie habe versucht, der Figur etwas Physisches zu verleihen: «Sie sollte ein bisschen besser sein als wir Menschen.» Nach «A Royal Affair» und «Anna Karenina» empfahl sie sich damit einmal mehr für Hollywood. Ja, und dann kam der Oscar – nicht Kate Winslet bekam ihn, und auch nicht Rooney Mara. Mit ihrer Darstellung in «The Danish Girl» spielte sie selbst Filmpartner Eddie Redmayne an die Wand – und das will was heissen. Letztes Jahr sah man sie schliesslich neben Matt Damon im Blockbuster «Jason Bourne».

Alicia Vikander, 1988 in Göteborg geboren und aufgewachsen, ist ausgebildete Balletttänzerin; 2004 bis 2007 studierte sie an der Royal Swedish Ballet School in Stockholm. Bereits mit 16 Jahren ist die Tochter einer Theaterschauspielerin und eines Psychiaters von zu Hause weggegangen. Sechs Jahre lebte sie in Stockholm, danach zog sie mit Freundinnen, allesamt Musikerinnen, nach London. Dort lebt sie auch heute noch. Liiert ist sie seit den Dreharbeiten zu «The Light Between Oceans» mit dem grossartigen Schauspielkollegen Michael Fassbender. Viel Zeit verbringt sie jedoch nicht in der Stadt an der Themse.

Learning by doing, so hat Alicia Vikander ihren Beruf erlernt. «Lisa hat meine Hand gehalten, und ich fühlte mich immer sehr behütet», sagt Vikander über Langseth. In ihrer Funktion als Produzentin – zusammen mit ihrem Agenten Charles Collier hat sie die Produktionsfirma «Vikarious» gegründet – wollte sie, dass die Drehbuchautorin und Regisseurin Langseth über Schweden hinaus eine Stimme erhält. Die Filmindustrie in Schweden ist klein, und pro Jahr werden nur wenige Kinofilme realisiert. Erst Schauspielerin, jetzt Produzentin, wird Alicia Vikander nun auch das Regieheft in die Hand nehmen? «Das jagt mir am meisten Angst ein», gesteht sie. Doch: «Ich liebe das Filmemachen», erklärt sie mit Nachdruck, «und wollte unbedingt teilhaben am Prozess als Ganzem.» So schätzt sie es ungemein, wenn sie bereits in der Drehbuchphase in ein Projekt involviert oder in die Post Production, wie den Schnitt, miteinbezogen wird. Auszuschliessen ist es also nicht, aber eins nach dem anderen. Vorerst gibt sie in «Tomb Raider», der nächstes Jahr in die Kinos kommt, ihre erste Actionheldin und tritt damit an die Stelle von Angelina Jolie als Lara Croft.

Kampf für mehr Frauen ­ im Filmbusiness

Alicia Vikander ist mutig und unerschrocken. Nervös müsse sie ein Rollenangebot machen, ängstlich und aufgeregt. Am Anfang brauche es als Schauspielerin einfach Glück. So liegt ihr auch viel daran, ihrem jüngsten Film «Euphoria» einen guten Start zu ermöglichen. Zürich hat sie gestern Morgen bereits wieder verlassen – für die Arbeit, keine Zeit für Sightseeing. «Kämpft den Kampf weiter!» Damit schliesst Alicia Vikander, die sich wie Glenn Close oder Jessica Chastain für Frauen im Filmgeschäft einsetzt, die Gesprächsrunde am Zurich Film Festival. Man hofft, sie vergisst sich selbst nicht dabei. Am Dienstag hat sie Geburtstag; sie wird gerade mal 29 Jahre alt.

Hinweis

«Euphoria» am ZFF: heute, 17.45 Uhr; Dienstag, 15.15 Uhr. ­Tickets: www.zff.com

Alicia Vikander (links) und Eva Green spielen im Drama «Euphoria» zwei Schwestern, die sich langsam wieder annähern. (Bild: ZFF)

Alicia Vikander (links) und Eva Green spielen im Drama «Euphoria» zwei Schwestern, die sich langsam wieder annähern. (Bild: ZFF)

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