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Nach St.Gallen inszeniert auch Zürich das Lehrerdrama «Versetzung»

Die Inszenierung von «Versetzung» im Theater St.Gallen war ein grosser Publikumserfolg. Das packende Drama um einen manisch-depressiven Lehrer ist nun auch im Schauspielhaus Zürich zu sehen. Im Keller des Schauspielhauses wird es zum klaustrophoben Verhör.
Hansruedi Kugler
Wenn der Rektor Lehrer Rupp zum Gespräch bittet, wirkt das im Bunker wie ein Verhör. (Foto: Toni Suter / T+T Fotografie)

Wenn der Rektor Lehrer Rupp zum Gespräch bittet, wirkt das im Bunker wie ein Verhör. (Foto: Toni Suter / T+T Fotografie)

In St. Gallen hiess es zuletzt nur noch: Sorry, ausverkauft. Vertröstet wurde man mit der vagen Aussicht auf eine Wiederaufnahme. Man hätte den Absturz des manisch-depressiven Lehrers Ronald Rupp noch etliche Male vor ausverkauften Rängen spielen können. Wer das Stück gesehen hat, weiss warum: Ein brillanter Text, kombiniert mit einem dramatischen Sog, der bestens funktioniert als heutiges Schicksals- und Sozialdrama.

Zürich verlegt das Stück in einen Folterkeller

Unterschiedlich der Stellenwert, den die beiden Theater dem Stück beimessen: In St. Gallen inszenierte der Schauspiel­direktor Jonas Knecht selbst, in Zürich übergab man die Leitung einer Regieassistentin. 1:0 für die Ostschweizer Spürnasen, muss man sagen. In St. Gallen spielte das Psychodrama auf leergeräumter Bühne im weissen Halbkreis. Das Schauspielhaus Zürich verlegt die Szenerie in den Keller. Wenn der Rektor (Gottried ­Breitfuss) Lehrer Rupp (Christian Baumbach) zum Gespräch über Verdächtigungen und Vorwürfe lädt, wird das im Betonbunker der Schauspielhaus-Kammer zum Verhör im Folterkeller. Gefoltert fühlt sich auch Rupp: Vom quälenden Pfeiffton seiner Wahnvorstellungen und von der bösartigen Ausgrenzung durch die Kollegen.

Die St.Galler Inszenierung fand im weissen Halbkreis auf ausgeräumter Bühne in der Lokremise statt. (Foto: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie)

Die St.Galler Inszenierung fand im weissen Halbkreis auf ausgeräumter Bühne in der Lokremise statt. (Foto: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie)

Fiese, pfeilschnelle Dialoge prägen die Inszenierung

Die Herausforderung jeder Inszenierung: zu zeigen, dass das Pathologische und der soziale Terror sich gegenseitig hochschaukeln – bis es keine Rückkehr mehr gibt. Das wird sowohl in St. Gallen wie in Zürich absolut deutlich. Dialoge sind hier im Keller noch fiesere, pfeilschnelle Duelle. Überhaupt legt die Zürcher Inszenierung den Fokus auf das Motto: «Die Welt ist, was das Wort ist.» Das leuchtet ein. Rupp belehrt zu Beginn die Schüler über das Niederträchtige des Schimpfwortes «Opfer» und wird am Ende nur noch ein rasendes, dadaistisches Sprachchaos über die Lippen bringen. In der St. Galler Inszenierung lag Rupp am Ende erschöpft und schweissnass gekrümmt am Boden und röchelte den resignierten gesellschaftskritischen Satz: «Jetzt habt ihr ihn wieder, euren ewigen Juden.» In Zürich hockt Rupp am Ende allein auf einem Stuhl in der Bunkerecke – ins kühle hellgrüne Neonlicht getaucht – und stottert wie einst Büchners Woyzeck, in trostloser metaphysischer Faselei: «Schichten. Scham.»

Hinweis
Vorstellungen bis 28. Februar, Schauspielhaus Zürich, Kammer

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