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Jazz Festival Willisau: Zwei ganz verschiedene Brückenschläge

Ein Konzert für den Kopf, das andere für das Herz: Am Donnerstag zeigte das Jazz Festival Willisau neue Kontraste.
Pirmin Bossart
Albin Brun mit seinem Schwyzerörgeli. (Bild: Marcel Meier/Jazz Festival Willisau)

Albin Brun mit seinem Schwyzerörgeli. (Bild: Marcel Meier/Jazz Festival Willisau)

Die zwei interkontinentalen Projekte am Donnerstag waren nicht nur stilmässig sehr unterschiedlich, sondern zeigten auch inhaltlich-musikalisch ein grosses Gefälle. Hier das zeitgenössische Zürich-New-York-Projekt des Pianisten und Komponisten Chris Wiesendanger, das in wenig dringlichen Interaktionen verdimmte. Dort das schweizerisch-ägyptische Projekt Ala Fekra der Zuger Akkordeonistin und Komponistin Patricia Draeger, dessen Energie und Musikalität von einem ganz anderen Kaliber waren.

Ob es noch ein Hardcore-Jazz-Publikum gibt, das ein Projekt wie Ala Fekra als unpassend für ein Jazz Festival taxiert? Ganz sicher hätte diese Band einen Logenplatz am Festival Alpentöne, wo volksmusikalische Fusionen aufgekocht oder neu erfunden werden. Anders als im zeitgenössisch-mitteleuropäischen Jazz der «folklore imaginaire», abstrahierte das Sextett keine klassischen Jazz-Roots und ging relativ konventionell mit dem volksmusikalischen Material um. Doch die Formation stiess beim Willisauer Publikum in der vollen Festhalle auf eine grosse Resonanz.

Alpin-orientalische Verschmelzungen

Ihre Musik war von der Sehnsuchtsmelodik orientalischer Skalen getrieben, hatte Schmalz und Herzschmerz, Rhythmus und Lebensfreude. Wir hörten Soli, lyrische Zusammenklänge in unterschiedlichen Konstellationen, aber auch dichte Gesamtbilder, die melancholisch bis tänzerisch vorbereitet wurden und sich zyklisch intensivierten. Als herausragende Akkordeonistin konnte die Bandleaderin ihr Instrument improvisatorisch weit ins Morgenland führen.

Patricia Draeger hatte die ägyptischen Musiker Yamen Abdallah (Qanun) und Amr Darwish (Violine) bei einem Atelier-Aufenthalt in Kairo kennen gelernt und in der Folge dieses Austauschprojekt lanciert. Mit Albin Brun (Schwyzerörgeli, Sopransaxofon), André Pousaz (Bass) und Samuel Baur (Perkussion) standen auch auf einheimischer Seite kompetente Musiker auf der Bühne. Brun stiess mit seinen Sopransax-Soli am weitesten in Jazzgefilde vor. Seine berührendste Handschrift zeigte er am Schwyzerörgeli und mit der innigen Melodik seiner Kompositionen.

Der Jazzanteil in dieser Trans-Volksmusik war organisch und diskret und fast nicht zu spüren. Er wirkte eher als Spielhaltung für die Begegnung zweier musikalischer Welten, die Grenzen überwinden und Emotionen freisetzen wollte. Der Formation gelangen einige gute alpin-orientalische Verschmelzungen, die auch bewusst machten, wie nah sich volksmusikalische Welten sind, wenn man sie musizieren lässt.

Manchmal liebäugelten die Arrangements mit freien Formen, aber der Fokus lag auf dem inneren Groove der Volksmusik. Das Ensemble fand die gemeinsame Spur, weitete sie und schlug mit seiner frohen Musikalität und sympathischen Aura die kulturelle Brücke auch zum Publikum.

Zu behutsam oder zu routiniert

Selbst wenn man unnötigerweise davon ausginge, dass eine Band wie Ala Fekra eher an ein Festival wie Alpentöne als nach Willisau gehörte: Sie hätte dennoch die «Jazz-Band» dieses Abends musikalisch überschienen. So viel zu Kategorien und Grenzen, wie sie Festivalleiter Arno Troxler mit seinem Programm ja bewusst zu verwischen versucht. Es war nicht nur die Spielfreude, es war auch der musikalische Gehalt, der die beiden Konzerte unterschied. Chris Wiesendanger ist ein ausgezeichneter Pianist und verdienter Komponist, aber dieses neue Projekt vermochte nicht abzuheben.

Bei allen guten Einzelaktionen klang die Musik entweder behutsam oder routiniert. Die Band blieb eher ein Projekt. Das Gemeinte wurde zu wenig energetisiert, verwandelt oder überraschend gespielt. Wiesendanger gefiel mit differenziertem Akkordspiel und fleissig gesetzten Akzenten. Altsaxofonist Tapiwa Svosve blies verhalten und blieb zu wenig spürbar, die beiden New Yorker John Hébert und Gerald Cleaver (Drums) machten als versierte Instrumentalisten ihre Sache. Mit diesem Quartett ist das letzte Wort zum zeitgenössischen «Jazz» am Festival noch nicht gesprochen.

Hinweis

www.jazzfestivalwillisau.ch

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