«Disney in Concert» im KKL: Zwei Stunden lang Törtchen schlemmen

Das Konzert des 21st Century im KKL Luzern setzt auf bunte Disney-Sequenzen und eine Orgie an Farben. Zum Glück holen die Künstler diese in die Wirklichkeit.

Roman Kühne
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Sabrina Weckerlin sorgte für gesangliche Höhepunkte.

Sabrina Weckerlin sorgte für gesangliche Höhepunkte.

Bild Janine Kühn

Das erste Stück des 21st Century Orchestra & Chorus an diesem Donnerstagabend im KKL bringt gut auf den Punkt, was den Zuhörer erwartet. Die «Disney Classic Ouverture» ist eine schnelle Abfolge buntester Bilder aus unzähligen seiner Welterfolge. Jumbo, Arielle, Alice im Wunderland, Robin Hood, Pinocchio, Peter Pan, Mickey Mouse – you name it. Ein Knallbonbon an Farbeffekten, Glitzer und Glamour. Die Musik wechselt unbeschwert zwischen beschwingt und heiter, pompös und saftig, Drama und Feier.

Auf der Leinwand hüpfen die Sensationen. Wild wird aufs Grellste gekleckst. Ein Dessert, das nie zu enden scheint. Am Schluss dieser Einleitung erscheinen auch noch Bilder aus den diversen Disneylands. Fehlt nur noch die Präsentation passender Weihnachtsgeschenke. Marketing lässt grüssen. Bei der «Eiskönigin 2» – aktuell frisch im Kino – wird der Verkauf von Begleitartikeln wohl auch dieses Mal locker die Einspielergebnisse übertreffen.

Doch zum Glück ist dieser plakative Kommerz nur die eine Seite dieses vorweihnachtlichen Spektakels. Zwar setzten die Macher, vor allem im ersten Teil, auf eine irrsinnige Bilderflut. Wenn im Medley «Arielle, die Meerjungfrau» der ganze Film im Zeitraffer abläuft, während das Krabbenorchester «Unter dem Meer» singt, macht dies wenig Sinn.

Gut, wenn mehr Ruhe herrscht

Oder warum lässt man beim «Ich bin bereit» aus «Vaiana» nicht einfach die ganze Sequenz laufen, statt dem Publikum buntscheckige Häppchen zu servieren? Lässt man den Kommerz und die Erschütterungen aus emotionellen Explosionen – alle zwei Minuten ein Höhepunkt – etwas auf der Seite, dann ist da noch die Musik. Und hier lohnt sich der Abend.

Denn was die diversen Komponisten, vom Deutschen Klaus Badelt («Fluch der Karibik») bis hin zu Hans Zimmer und Elton John («König der Löwen») liefern, ist grosse Filmmusikkunst. Packend ist das Konzert in den Momenten, wo die Musik genau zum Film passt oder der Bilderorkan wenigstens etwas gezähmt wird. Dies ist vornehmlich im zweiten Teil der Fall. Bei «Die Schöne und das Biest» wird das Tafellied «Sei hier Gast» fast ganz mit der zugehörigen Szene begleitet. Auch «Der Feuervogel» (Fantasia) ist direkt mit dem Originalmaterial verknüpft. Hier kommt das Filmfeeling auf, das man vom 21st Century Orchestra und seinen Aufführungen ganzer Streifen kennt. Im Publikum sind ähnliche Meinungen zu hören. Seraina, 26, aus Ballwil findet das Setting zwar interessant, findet jedoch die Aufführung ganzer Filme besser. Für Rahel, 27, aus Dietwil ist es teils «zu lebhaft».

Auch für das 21st Century Orchestra und seinen Chor sind unter der Leitung des Wieners Gottfried Rabl die schnell wechselnden Stücke eine Herausforderung. Die Musiker meistern dies aber grösstenteils souverän. Immer wieder setzten Solos Akzente, zum Beispiel das Fagott und das Waldhorn im «Feuervogel».

Höhepunkte im Gesang

Die grossen Auftritte des Abends gehören jedoch den beiden Gastsolisten. Sabrina Weckerlin singt mit grossem Volumen, elegantem Bogen und der richtigen Dramatik die Vaiana oder den Schlusssong «Wo noch niemand war» aus «Die Eiskönigin 2». Veit Schäfermeiner ist ein würdiger Duettpartner und hat seinen Moment in der Rolle des Dschinni in «Aladdin». Fazit: ein vergnüglicher Abend für die ganze Familie. Momentan gibt es für alle Vorstellungen noch genügend Tickets.

21st Century Orchestra, Disney in Concert, Fr. 29. November, Sa. 30. November, Mo. 16. Dezember, und Di. 17. Dezember, jeweils 19.30 Uhr, KKL Luzern. 
www.kkl-luzern.ch