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Zwingli vs. Luther: «Die rechte Teutzsche Sprache»

Mit dem «Zwingli»-Film tritt auch dessen«Zürcher Bibel» wieder ins Licht. Was wenig bekannt ist: Sie gilt als älteste protestantische Übersetzung der gesamten Bibel. Ein Grund für die Übersetzung der Bibel ins Alemannische war ein Sprachenstreit zwischen Zwingli und Luther.
Mario Andreotti
Max Simonischek als Film-Zwingli: Dessen Zürcher Bibel gilt als älteste protestantische Übersetzung der gesamten Bibel. (Bild: Elite)

Max Simonischek als Film-Zwingli: Dessen Zürcher Bibel gilt als älteste protestantische Übersetzung der gesamten Bibel. (Bild: Elite)

Unter dem Motto «Allein die Schrift» kam es während der Reformation zu einer Wiederentdeckung der Bibel. Kein Wunder, war es auch die hohe Zeit der Bibelübersetzungen. Als der grosse Bibelübersetzer und Sprachschöpfer, dessen «Neues Testament Deutsch» schon 1522 erscheint, gilt dabei Martin Luther.

Weniger bekannt ist, dass auch der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli die Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen ins Deutsche übersetzt hat: eine Übersetzung, die als «Zürcher Bibel» in die Theologie­geschichte eingegangen ist. Man kennt Zwingli als Reformator, als Politiker, der sich vor allem gegen das Reislaufen gewandt hat, und nicht zuletzt als Soldaten im Zweiten Kappelerkrieg, in dem er 1531 gefallen ist – aber kaum als Übersetzer der Bibel.

Der Eisenhelm in der Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums soll das Haupt des sterbenden Ulrich Zwingli (1484-1531) geschützt haben. Belege für die tatsächliche Herkunft dieser Trophäe gibt es aber nicht. (Bild: Schweizerisches Nationalmuseum)

Der Eisenhelm in der Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums soll das Haupt des sterbenden Ulrich Zwingli (1484-1531) geschützt haben. Belege für die tatsächliche Herkunft dieser Trophäe gibt es aber nicht. (Bild: Schweizerisches Nationalmuseum)

Im Spätherbst 1522 erschien Luthers «Neues Testament» in Basel als Raubdruck. Zwingli erwarb diese Übersetzung und erklärte am 29. Januar 1523 bei der Eröffnung der Ersten Zürcher Disputation:

«Yetzund ist durch die gnaden Gottes das heilig ­euangelium und göttlich gschrifft in die welt und an das liecht kummen, das man das in latin und tütsch findt.»

Doch Luthers Ostmitteldeutsch bereitete den Lesern im schwäbisch-bairischen, aber vor allem im schweizerisch-alemannischen Raum etliche Mühe. Dazu kommt, dass Zwingli sprachlich Luthers Ablehnung erfuhr. Seine unverständliche Mundart gefalle dem Schweizer besser als dem Storch sein Klappern; «einer möchte schwitzen, ehe ers verstehet», so Luther.

Das dürfte einer der Gründe sein, warum Zwingli zwischen 1524 und 1529 mit seinem Übersetzerkreis eine eigenständige, alemannische Übersetzung der Bibel in Angriff nahm. Ein anderer Grund liegt wohl in den theologischen Differenzen, vor allem in Bezug auf das Abendmahl, zwischen Luther und Zwingli, die auch zu Differenzen in der Übersetzung des biblischen Wortes geführt ­haben.

Trotz Angleichung bleibt ein nationaler Widerstand

Mit seiner «Zürcher Bibel» verfolgte Zwingli drei Ziele: Zum ­einen sollte sich die deutsche Übersetzung möglichst dicht an den hebräischen und griechischen Urtext anlehnen. Zum andern sollte der Text für das «Volk» gleichwohl verständlich sein; daher das Beharren auf einer eigenständigen, alemannischen Schriftsprache, während zur gleichen Zeit das Neuhochdeutsche schon tiefgreifende lautliche Veränderungen mitgemacht hatte.

"Ein Schwitzer bin ich und den Schwitzern bezüge ich Christum", soll Zwingli (im Bild Schauspieler Max Simonischek) auf Luthers Vorwurf geantwortet haben. (Bild: Elite)

"Ein Schwitzer bin ich und den Schwitzern bezüge ich Christum", soll Zwingli (im Bild Schauspieler Max Simonischek) auf Luthers Vorwurf geantwortet haben. (Bild: Elite)

Vergleicht man die verschiedenen Auflagen der Zürcher Bibel zwischen 1524 und 1531, so lässt sich eine etappenweise Angleichung des schweizerischen Alemannisch an das Neuhochdeutsche Luthers und des Ostmitteldeutschen feststellen. Trotzdem bleibt ein nationaler Widerstand, der bei Zwingli selber besonders spürbar ist. Als Luther ihm am Marburger Religionsgespräch 1529 vorwirft, er rede und schreibe nicht «die rechte Teutzsche Sprache», hält ihm Zwingli selbstbewusst entgegen: «Ein Schwitzer bin ich und den Schwitzern bezüge ich Christum.»

Zwinglis Zürcher Bibel, fünf Jahre vor Luthers deutscher Vollbibel von 1534 abgeschlossen, darf als älteste protestantische Übersetzung der gesamten Bibel gelten. Sie fand 1531 mit der «Froschauer Bibel» ihren krönenden Abschluss. 1984 gab die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Zürich eine Neuübersetzung in Auftrag, die 2006 abgeschlossen wurde. Sie mag erneut an das Wort Zwinglis über dem Portal des Zürcher Grossmünsters erinnern: «Verschaffend dass das göttlich Wort by üch gepredigt werde.»

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