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Film: Die Kunstwelt von ihrer perversen Seite

Der Dokumentarfilm «The Price of Everything» zeigt, wie Sammler Millionen für Kunst ausgeben. Visarte-Präsident Josef Felix Müller, weiss, dass nur wenige Künstler vom Geldsegen profitieren.
Christina Genova
Jeff Koons kennt keine Berührungsängste mit dem Markt. (Bild: Look now)

Jeff Koons kennt keine Berührungsängste mit dem Markt. (Bild: Look now)

«Kunst und Geld gehen seit jeher Hand in Hand», sagt der Basler Starauktionator Simon de Pury zu Beginn von Nathaniel Kahns neuem Dokfilm «The Price of Every­thing». Darin lässt der ameri­kanische Filmemacher unter ­anderem Künstler, Kunsthistorikerinnen und Sammler über den Wert von Kunst und den Kunstmarkt nachdenken.

Josef Felix Müller hat sich den Film angeschaut. Er hatte in der Kunstwelt schon verschiedene Rollen inne. In jungen Jahren war er Galerist und Mitbegründer der Kunsthalle St. Gallen. Der 63-jährige Künstler gibt ausserdem in seinem Vexer-Verlag Künstler­bücher heraus. Und er ist seit 2014 Präsident von Visarte Schweiz, dem Berufsverband für visuelle Kunst.

Viele Künstler leben am Existenzminimum

Künstler und Verleger Josef Felix Müller. (Bild: Hanspeter Schiess)

Künstler und Verleger Josef Felix Müller. (Bild: Hanspeter Schiess)

Spannend und entlarvend, lautet Müllers Urteil über «The Price of Everything». Der Film umfasse jedoch nur einen kleinen Aspekt, die perverseste Seite des Kunstmarktes: «Er zeigt eine zuge­spitzte und sehr amerikanische Sicht.» Man bekomme darin das Gefühl, es gehe in der Kunst nur um das Kapital. Doch Künstler wollten die Welt analysieren, sich mit existenziellen Fragen beschäftigen, sagt Müller. Die schwindelerregenden Millionenbeträge, die an Auktionen für bestimmte Werke geboten werden, betreffen nur eine kleine Anzahl von Künstlerinnen und Künstlern: «Für 99 Prozent von ihnen ist es ein harter Kampf. Viele leben am Existenzminimum», sagt Müller.

Im Film ist man unter anderem bei den Vorbereitungen für eine Auktion bei Sotheby’s dabei. Dort hat sich eine Abteilung auf eine betuchte Kundschaft spezialisiert, die Kunst als Wertanlage betrachtet. Solche Investoren bevorzugten eine ganz bestimmte Art von Werken, sagt Müller. Repräsentative Kunst mit hohem Wiedererkennungswert, vor allem Malerei und Skulpturen, seien gefragt. Dieser Kunstbegriff sei sehr eng, denn es gebe ja auch noch Performance-, Video- und Konzeptkunst.

Spekulationsmafia treibt Preise in die Höhe

Jeff Koons ist einer der Künstler, die im Film auftreten. Berührungsängste mit dem Markt kennt er keine: Über hundert Assistenten arbeiten in einer ehemaligen Fabrikhalle für ihn. Josef Felix Müller gefällt, dass er seine Haltung transparent macht: «Er ist ein Marktstratege und schämt sich nicht dafür.»

Koons Antipode im Film ist Larry Poons. Der Künstler hatte in den 1960ern beachtlichen Erfolg mit seinen Op-Art-Punktgemälden. Trotzdem wandte er sich der abstrakten Malerei zu und zog sich jahrelang vom Kunstmarkt zurück. «Poons hatte den Mut, sein Werk weiterzutreiben, und nicht zur Marke zu werden», sagt Josef Felix Müller.

Was der Künstler im Film vermisst, sind die Hintergründe der teilweise astronomischen Preise für Kunst. Denn es gebe eine eigentliche Spekulationsmafia: Sammler, die mit anderen Sammlern zusammenspannten, um die Preise in die Höhe zu treiben: «In diesem Markt gibt es viel kriminelle, manipulative, kapitalistisch bedingte Energie.»

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