125 Jahre Jubiläum
Es begann auf zwei Rädern: Wie sich der TCS zu einer Schweizer Institution entwickelte

Der TCS ist viel mehr als nur ein Pannendienst. Jetzt feiert er sein 125-jähriges Bestehen.

Philipp Aeberli
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Der TCS wurde 1896 in Genf gegründet.

Der TCS wurde 1896 in Genf gegründet.

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Jeder kennt den TCS. Doch die Vereinigung gab es schon, bevor sich das Automobil flächendeckend durchgesetzt hatte. Am 1. September 1896 fanden sich in Genf 205 Radfahrer zusammen und gründeten den Touring-Club Suisse. Ziel war, die Mobilität in Form des Radtourismus zu fördern und sicherer zu machen; denn Radfahren, so schreibt der TCS, war damals noch ein echtes Abenteuer. Von Beginn weg setzte sich der TCS also für die Sicherheit auf den Strassen ein – und forderte beispielsweise 1908 vom Bundesrat einen obligatorischen Verkehrsunterricht.

Die Automobilsektion wurde schliesslich 1911 auf Begehren der noch wenigen Automobilisten gegründet. Beim ersten Autosalon in Genf 1923 war der Club mit einem Stand vertreten – und zählte schon 10 000 Mitglieder.

Mit wachsendem Autoverkehr baute der Verein sein Angebot für Automobilisten aus: 1929 richtete der TCS die ersten Hilfsposten an verschie­denen Grenzübergängen ein. Zum ­Beispiel in Basel oder Chiasso waren ­Mechaniker in Holzchalets stationiert. Zu den Hauptreisezeiten waren die TCS-Agenten mit Motorrad und Seitenwagen auf den Hauptstrassen unterwegs, ausgerüstet mit Ersatzteilen und Sanitätsmaterial, um bei Unfällen und Pannen zu helfen. Seit 1936 ist die Pannenhilfe rund um die Uhr schweizweit im Einsatz.

1936 war der TCS-Pannendienst noch mit Motorrad und Seitenwagen unterwegs.

1936 war der TCS-Pannendienst noch mit Motorrad und Seitenwagen unterwegs.

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Mehr Verkehr – mehr Engagement

1952 waren in der Schweiz knapp 400 000 Motorfahrzeuge unterwegs. Im Vergleich zum heutigen Motorfahrzeugbestand von rund 6,2 Millionen mag das bescheiden klingen. Doch während heute weniger als 200 Verkehrstote pro Jahr zu beklagen sind, waren es damals über 900. Um dem entgegenzuwirken, setzte sich der TCS immer stärker für die Verkehrssicherheit ein und forderte bessere Ausbildung an Schulen und für Lenker, unterstützt durch Broschüren und Schülerpatrouillen für mehr Sicherheit auf dem Schulweg.

Nach und nach baute der Touring-Club seine Aktivitäten aus und bot immer mehr Dienstleistungen an; von Versicherungen über Strasseninformationen bis hin zu Konsumentenschutz und -information. 1973 wurde zusammen mit internationalen Partnern der erste Reifentest durchgeführt. Der technische Dienst des TCS untersuchte und testete fortan fast alles rund um den Strassenverkehr: Treibstoffe, Feuerlöscher oder Sicherheitsgurte wurden auf Wirksamkeit, Preis/Leistung und Qualität geprüft; seit 1988 werden auch eigene Crashtests durchgeführt.

Katalysator-Test im Jahr 1985.

Katalysator-Test im Jahr 1985.

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Mit dem immer grösser werdenden Angebot kamen auch immer mehr Mitglieder; 1983 knackte der TCS die Millionenmarke. Die immer breitere Verankerung in der Bevölkerung nutzt der Verein auch, um sich politisches Gehör zu ­verschaffen. Umweltschutz und die Reduktion von schädlichen Abgasen wurden Mitte der 1980er-Jahre zum Thema. Die aufkommende Katalysatortechnik stiess aber auch auf Skeptiker. Der technische Dienst des TCS führt Langzeittests mit Katalysator-Autos durch, ­womit man sich für den Umweltschutz und die neue Technologie starkmachte.

Vernetzung wird wichtiger

Zum 100-jährigen Bestehen 1996 zählte der TCS 1,3 Millionen Mitglieder und 900 Mitarbeitende. Mit dem Jubiläumsjahr wollte sich der Verband auch neu orientieren – und sich für eine bessere Vernetzung von Strassen-, Schienen- und Luftverkehr einsetzen; als Zeichen dafür wurde eine SBB-Lokomotive mit dem Verbandslogo bemalt.

Für die Automobilisten setzte der TCS zum Jahrtausendwechsel den nächsten Meilenstein: In Stockental bei Thun wurde das erste eigene Fahrsicherheitszentrum eröffnet. Hier bot der Verband fortan Fahrtrainings an. Mit immer breiter werdendem Angebot und immer längerer Tradition wurde beim TCS auch die Zukunft immer stärker zum Thema.

Seit 2008 macht der Club in seiner Mobilitätsakademie ­Mobilitätstrends der Zukunft ausfindig. In den Folgejahren brachte der Verein eine eigene App mit Verkehrsinformationen und Notruffunktion heraus, 2015 eine Sharing-Plattform für elektrische Lastenfahrräder, welche inzwischen in 75 Gemeinden präsent ist und von mehr als 22 000 Personen regelmässig genutzt wird.

Heute veranstaltet der TCS auch im Winter Fahrtrainings.

Heute veranstaltet der TCS auch im Winter Fahrtrainings.

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Zum Jubiläum gibt’s ein neues Bürogebäude

Was vor einigen Jahren Zukunftsmusik war, wird nun ein immer bedeutenderer Teil unseres Strassenverkehrs: Der Marktanteil von Elektroautos wächst beständig. Um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden, hält der TCS seine Strassenpatrouille mit neuen Werkzeugen und passender Aus­bildung fit.

Für Mitglieder bietet der Verein zudem die Möglichkeit, E-Auto-Ladestationen direkt zu Hause zu installieren. Ende 2021 wird der TCS, pünktlich zum Jubiläumsjahr, ein neues Büro­gebäude in Ostermundigen beziehen. Rund ein Drittel der 1700 Mitarbeiter werden am neuen Standort arbeiten.

Nachgefragt: «Wir wollen nicht abschleppen»

Jürg WittwerGeneraldirektor Touring Club Schweiz

Jürg Wittwer
Generaldirektor Touring Club Schweiz

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Die Geschichte begann mit 205 Radfahrern; was tut der TCS heute für Radfahrer?

Jürg Wittwer: Die Gründungsmitglieder des TCS waren leidenschaftliche Velofahrer und haben als Erstes einen Führer für Velotouren herausgegeben. Allerdings galten Velofahrer damals als Raser. Während die Geschwindigkeit der Autos auf 8 km/h begrenzt wurde, durften Velofahrer so schnell fahren, wie es ging. Nicht selten wurden ihnen darum Tomaten nachgeworfen. Das Velo hat heute ein viel positiveres Image. Wir fördern das Velofahren, setzen uns zum Beispiel für den Ausbau von Velowegen ein und haben den einzigen Pannendienst für Velos und E-Bikes. Zudem bieten wir E-Bike-Fahrkurse an. Unsere Technikabteilung beobachtet die Entwicklung beim E-Bike, testet und informiert unabhängig.

Der Marktanteil von «Steckerfahrzeugen» wächst; wie hält der TCS mit?

Unsere Marktforschung zeigt, dass sich die Hälfte der Schweiz mit dem Kauf eines E-Autos befasst. Es ist Aufgabe des TCS, die Mobilität der Mitglieder zu schützen und zu erleichtern.

Wie sieht dieses Engagement konkret aus?

Wir waren als politischer Wegbereiter am Aufbau des Ladenetzes beteiligt und unterzeichneten 2019 die Road Map Elektromobilität. Mitglieder haben über die «eCharge App» Zugriff auf 35000 Ladestationen in Europa. Unsere Patrouilleure sind ausgebildet für die Entpannung von E-Autos, wir haben sogar einen Anhänger zum schnellen Laden der Akkus.

Auch Autohersteller bieten Fahrkurse und Pannenhilfe an; warum braucht es den TCS noch?

Der TCS leistet alle 55 Sekunden einen Einsatz; wir wollen nicht abschleppen, sondern das Auto wieder flottmachen. Das gelingt in über 80 Prozent der Pannen, was den TCS unersetzlich macht. Zu den Fahrtrainings: Je mehr Trainings absolviert werden, desto sicherer wird der Verkehr. Darum unterstützen wir Trainings der Hersteller, welche übrigens oft in einem unserer Trainingszentren stattfinden.

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