2019, was machen wir mit dir?

Es ist Januar und das heisst Neustart. Was ist mir wichtig und wie sehr will ich es? Das fragt sich unsere Sonntagskolumnistin Claudia Lässer.

Claudia Lässer
Drucken
Teilen
Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Nach dem Jahr mit der schönen Zahl 2018 sind wir nun im optisch etwas ungelenk anmutenden 2019, das zudem noch den Blick bereits auf das fast schon mythische, aus Science-Fiction-Film «Opener» entstammende 2020 richtet. 2020, stellen Sie sich mal vor. Aber halt, erst wollen wir 2019 abarbeiten. Beide Zahlen muten, für mich zumindest, futuristisch an. Ich selbst bin ja 19-hundert-irgendwas geboren und je weiter die Zeit fortschreitet, desto mehr verschmilzt dieses 19-hundert mit den 18-hundert und 17-hundert aus den Geschichtsbüchern, die mir als Kind so weit weg schienen. Und jetzt bin ich hier mit dir, 2019.

Es gibt ja immer was zu verbessern

Es ist Januar und das heisst Neustart. Früher hiess das mal Vorsätze fürs neue Jahr. Aber das ist uncool. Wer Vorsätze macht, arbeitet ja nicht kon­stant an sich selbst, optimiert nur im Jahresrhythmus. Furchtbar. Dabei gibt es ja immer was zu tun und zu verbessern. Die Fitness, die Ernährung, die Karriere, Arbeitsabläufe, das Umweltbewusstsein, den Umgang mit den Mitmenschen, das Konsumverhalten, die Beziehung, das politische Engagement und das Sammeln von PET-­Flaschen, die ich eigentlich gar nicht gekauft haben sollte.

Meine Güte, warum hab’ ich das bloss alles aufgezählt, ich glaub’, ich leg’ mich gleich wieder ins Bett.

War das letztes Jahr schon so und hab ich darum während des letzten Jahreswechsels so viele «Hättes» und «Solltes»aufgezählt?

Schliesslich läuft das mit den Vorsätzen, Zielen, Plänen und Werten doch auf die eine Frage hinaus – Was machen wir mit unserer Zeit. Die Tage lassen sich nicht verlängern und wann man gehen muss, weiss man nicht.

Wäre es wichtig genug, fände man Zeit

Was ist mir wichtig? Und wie sehr will ich es? Hat man diese Fragen für die verschiedenen Lebensbereiche beantwortet, kann man Prioritäten setzen. Ein einfaches Beispiel: Eine Bekannte sagt ein Treffen ab? Ihr ist es nicht wichtig genug. Wäre es das, fände man Zeit. Die Entscheidungsfindung nach dem Wichtigen kann noch erweitert werden, indem man nicht nur für sich selber denkt, sondern davon ausgeht, das andere das auch durchmachen und man von deren Entscheidungen beeinflusst wird.

Man kann zum Beispiel sagen, mir ist Reisen wichtig. Das heisst aber in den meisten Fällen, ich würde viel fliegen. Und fliegen ist, wir wissen es, schlecht für die Umwelt. Soll ich nun zu meinem Wohl handeln oder zum Wohle aller verzichten? Keine einfachen Frage. Schaut man aber in sich hinein, ist sie am Schluss doch ganz einfach zu beantworten.

Die Umsetzung wird nicht ohne Veränderungen möglich sein oder ohne Liebgewonnenes loszulassen.

Hat man sich jedoch die Fragen «Was ist mir wichtig?» und «Wie sehr will ich es?» beantwortet, lassen sich die nächsten Schritte, oder von mir aus Vorsätze, leicht ableiten. Das werde ich 2019 tun. Schritt für Schritt überlegen, was mir wichtig ist und was ich mit meiner Zeit anfange.

Damit ich mir ab 2020 nie mehr kleine, aufreibende Vorsätze fassen muss, die ein Schuldgefühl überdecken sollen, sondern einfach in ein Leben einlenke, hinter dem ich – nicht zuletzt auch meiner Tochter gegenüber – stehen kann.