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«35 Prozent der Tagfalter stehen auf der Roten Liste»

Viele Schmetterlingsarten in der Schweiz sind bedroht. Ihnen zu helfen, ist jedoch nicht ganz einfach, sagt Urs Tester, Abteilungsleiter bei Pro Natura, im Interview.
Interview: Valeria Heintges
Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope und Arten, Pro Natura

Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope und Arten, Pro Natura

Urs Tester, man kann den Eindruck gewinnen, es ginge den Schmetterlingen in der Schweiz relativ gut. Ist das so?

Nein. Gewisse Arten sind in der Schweiz häufiger als etwa im Norden, weil sie als südliche Arten häufiger vertreten sind. Tatsächlich stehen 35 Prozent der einheimischen Tagfalter und Widderchen auf der Roten Liste. Weitere 20 Prozent sind potenziell gefährdet, also seltener geworden.

Ziehen sich Schmetterlinge in die Höhe zurück, weil sie dort unbehelligt sind?

In den tieferen Lagen müsste es eigentlich mehr Arten geben. Weil dort intensive Landwirtschaft betrieben wird, hat es dort mittlerweile deutlich weniger Arten als in den höheren Lagen.

Was braucht es?

Mehr Magerwiesen, insbesondere in tiefen Lagen, mit Korridoren dazwischen. Mehr Feuchtgebietsflächen, mehr lichte Wälder, in denen das Licht bis auf den Boden fallen kann. Und mehr Spezialstandorte, etwa Trockenstandorte oder kiesgrubenartige Lebensräume, weil dort Spezialarten ihren Lebensraum finden. Und diese Flächen müssen sich vergrössern, ihre Qualität sich verbessern.

Merken Sie, dass die Projekte den Schmetterlingen helfen?

Es gibt viele Projekte, die vor allem die hoch gefährdeten Tagfalter schützen. Beispielsweise verzeichnen wir wieder mehr Moor-Bläulinge im Berner Oberland. Dank eines Pro Natura Projekts verschieben die Landwirte den Schnittzeitpunkt auf ihren Wiesen. Dadurch werden weniger Raupen zerschnitten. Ein anderes Projekt beschäftigt sich mit dem Leinkraut-Scheckenfalter, der auf das italienische Leinkraut angewiesen ist, das in den Rebflächen im Kanton Wallis wächst. Auch das hilft den Tieren.

Ist es besonders schwer, den Schmetterlingen zu helfen, weil so viele Arten so spezifische Bedürfnisse haben?

Das ist grundsätzlich so. Manche Tagfalter-Raupen fressen nur eine bestimmte Futterpflanze. Der geschlüpfte Schmetterling braucht eine Nektarpflanze und einen Eiablageort. Und manche Arten überwintern als erwachsene Tiere, manche im Puppenstadium, manche im Eistadium. Wir hatten in einem Gebiet zwei Arten auf geschütztem halbtrockenem Rasen. Der einen ging es gut, der anderen nicht. Da stellte sich heraus: Bei der einen Art frisst die Raupe nachts und versteckt sich tagsüber in Bodennähe. Bei der anderen frisst die Raupe auch tagsüber. Diese Art hatte Probleme, weil tagsüber gemäht und dabei Raupen getötet wurden.

Dann kann man kaum was für die ganze Ordnung der Schmetterlinge tun, sondern immer nur für einzelne ­Arten?

Gesamthaft kann man sagen: Alle Schmetterlinge brauchen passende Lebensräume, und die sind eher gut gesonnt, feucht oder trocken und vor allem in den meisten Fällen mager.

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