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Abenteuer Polen: Mit dem Velo von See zu See und von Dorf zu Dorf

Polen ist daran, Veloreiseland zu werden. Schlimm ist es nicht, dass in den Masuren noch nicht alle Routen radtauglich sind.
Karin Huber
Masuren sei «die Harfe und das Spiel der Winde», heisst es. Bild: Karin Huber

Masuren sei «die Harfe und das Spiel der Winde», heisst es. Bild: Karin Huber

Rauf und runter. Tag für Tag. Länger als ein paar hundert Meter bleibt es selten eben. Ab und an zwingen sandige Wege zum Abstieg vom Velo. Dann ist Schieben angesagt. Mit jedem Tag gewöhnt man sich etwas mehr an solche doch etwas ungewohnten und unerwarteten abenteuerlichen Situationen. Die Velowege in Masuren führen häufig über sandige Feldstrassen, Waldwege, über geteerte oder kopfsteingepflasterte Strassen.

Die Veranstalter dieser Veloreise weisen durchaus auf die abwechslungsreichen, nicht immer leicht zu befahrenden Velowege hin. Das täglich 55 bis 75 Kilometer dauernde Rauf und Runter auf den holprigen Wegen durch touristisch teils erst wenig erschlossene Gegenden sollte man sportlich nehmen. Genauso die nicht immer sichtbaren Velomarkierungen, welche ab und an einen Umweg provozieren.

Landschaftlich ist die Masurische Seenplatte ein Natureldorado, «ein Land ohne Eile», wie dies ein hiesiger Schriftsteller einst gesagt haben soll. «Masuren», besagt ein weiteres Zitat, «ist die Harfe und das Spiel der Winde.»

Auch hoch zu Ross wäre es hier schön

Die Gräfin Marion Dönhoff schreibt 1941 in ihrem Tagebuch «Ritt durch Masuren»:

«Es ist unsagbar schön, auf diesem sandigen Boden zu traben, das Laub raschelt unter den Hufen – Buche und Eiche wechseln ...»

Schön ist es in Masuren immer noch, grenzenlos der Horizont, eine unglaubliche Weite zum Durchatmen.

Seit der Teilung Ostpreussens 1945 ist die Seenplatte, die Pojezierze Mazurskie, mit rund 2700 Seen auf rund 1700 Quadratkilometern die grösste Seenlandschaft Polens, gelegen mitten im alten südlichen Teil von Ostpreussen.

Diese Veloreise beginnt in Giżycko – die Aussprache der polnischen Namen ist für Anderssprachige eher Glückssache. Oft verstehen die freundlichen Masowier ausserhalb der Touristenzentren darum nicht genau, was der Fremde wissen möchte. Unterwegs heisst es immer wieder, sich mit Händen, Füssen und der Landkarte zu verständigen.

Der erste Velotag führt von Giżycko aus rund um den Goldapgarsee, wie viele andere Seen auch ein Badesee. Wir kommen nach Kruklanki (einst Kruklanken), ein Dorf aus dem 16. Jahrhundert mit schöner Barockkirche. Auffällig: Die Dorfnamen sind heute alle auf Polnisch angeschrieben; die ehemaligen deutschen Bezeichnungen findet man meist nur noch auf den Landkarten.

Die Landschaft ist geprägt von den Seen, von Wäldern, Feldern, Wiesen, wundersamen grünen Alleen, wie in Eichendorffs Gedichten beschrieben, sowie kleinen Weilern mit alten Gehöften. Man fühlt sich in alte Zeiten zurückversetzt. Enten und Hühner auf den Wegen, alte Karren, irgendwie zeitlos, dieses Leben.

Nikolaiken ist ein Treffpunkt für Segler. Bild: Karin Huber

Nikolaiken ist ein Treffpunkt für Segler. Bild: Karin Huber

So wird die fünftägige Veloreise auch zu einer kleinen Reise durch die Geschichte Ostpreussens und sowie durch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges: Unterwegs findet man etliche Zeitzeugen. Etwa den Bunker von SS-Chef Heinrich Himmler (beim Dorf Pozezdrze), ein Kriegerdenkmal nahe von Pieczarki oder bei Parcz die Wolfsschanze, eine ehemalige Nazi-Bunkeranlage mit Hitlers Hauptquartier. Hier verübte Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 sein missglücktes Attentat auf Hitler.

Ohne GPS sind die Denkmäler gegen das Vergessen nicht immer auf Anhieb zu finden. Den Himmler-Bunker entdecken wir erst nach mehrmaligem Nachfragen. Am Folgetag pedalen wir Richtung Ketrzyn, passieren malerische Dörfer und verpassen die Abzweigung zur Wolfsschanze.

Ein ganz spezieller Übernachtungsort

Von Ketrzyn aus geht es auf einer holprigen Landstrasse ins Dörfchen Nakomiady, dorthin, wo wir im aufwendig renovierten Herrenhaus Eichmedien, dem Palac Nakomiady, übernachten werden. Die beiden Schweizer Jagd- und Schlosshunde Bazyl und Bankier stehen mit Piotr Ciszek Spalier. Er führt seine Gäste durch sein geschichtsträchtiges Haus. Haus und Park sind dank Piotr, seiner Frau Joanna und deren jahrelangen Renovationsarbeiten ein Bijou. Hier würde man gerne länger bleiben.

Ab Nakomiady erreicht man in knapp anderthalb Velostunden Ryn am Talter See. Aus der alten Ordensburg ist, wie aus vielen anderen Burgen auch, ein schönes Hotel geworden. Tagesziel ist jedoch Mikolajki (Nikolaiken), ein hübsches Städtchen, in dem sich sommers Segler aus ganz Polen einfinden. Von hier aus geht es mit dem Schiff zurück an den Ausgangsort Giżycko.

Gut zu wissen

Anreise
Mit Swiss oder der polnischen Fluggesellschaft LOT ab Zürich nach Warschau. Weiter mit dem Bus nach Giżycko, wo die Masuren-Radreise beginnt. www.swiss.ch; www.lot.pl.

Veranstalter
zum Beispiel MasurenRad.de. Auch kombinierte Reisen wie Rad und Schiff. Mietvelos (auch E-Bikes) erhältlich.

Unterkünfte
In Giżycko, Hotel St. Bruno, einer alten Ordensburg, www.hotelstbruno.pl; Palac Nakomiady in Nakomiady, nakomiady.pl; in Mikolajki ist die Auswahl an Hotels gross.

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