ABENTEUERLUST: Dem Biederen abgewandt

Jeep Wrangler und Grand Cherokee SRT – das ist wie der Naturbursche und sein böser Bruder.

Jürg Weber
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Der Jeep Cherokee Hemi ist leistungsmässig so kräftig, wie sein bulliges Äusseres es vermuten lässt. (Bild: JW)

Der Jeep Cherokee Hemi ist leistungsmässig so kräftig, wie sein bulliges Äusseres es vermuten lässt. (Bild: JW)

Jürg Weber
 

 

Wem das Pferd für den Weg zur Arbeit etwa zu umständlich ist, der Sinn aber trotzdem nach einer Spur täglichem Abenteuer steht, dem bietet der Autobauer Jeep eine probate Lösung in der Form des Jeep Wrangler. Dieses Urgestein von einem Naturburschen zeigt schon mit seinem kantigen Äusseren, dass er immun ist gegen jegliche modische Erscheinung und seinen Urahn ­Willy immer noch in bester Erinnerung trägt. Schon der Einstieg, oder besser der Aufstieg in den Jeep lässt den Alltag vergessen. Man befindet sich nun praktisch auf Augenhöhe mit Bus- und LKW-­Fahrern und thront vor einem etwas derb geratenen und an die Ghettoblaster der Achtzigerjahre erinnernden Plastikgesamtkunstwerk namens Armaturenbrett. Alles wirkt etwas handgestrickt, von den lose eingehängten Türen bis zum angekletteten Haltegriff, und vermittelt den Eindruck, dass man auch noch am letzten Zipfel der Erde im Notfall gleich alles selber wieder in Ordnung bringen kann. Und in der Tat kann man mit wenigen Handgriffen die Türen aushängen und das dreiteilige Hardtop entfernen. Abenteuerlust von A bis Z.

Kraftakt Geländefahrt

Erstaunlich ist, wie ruhig der 2,8 Liter Diesel seine Arbeit aufnimmt, unaufgeregt, aber kräftig genug. Erstaunlich auch, wie leise sich der doch nicht so ganz windschlüpfrige Wrangler auf der Autobahn bewegt, auch wenn das garantiert nicht sein Lieblingsrevier ist. Er giert vielmehr nach Gelände. Und auch das fordert wieder den abenteuerlustigen Fahrer. Was bei anderen Geländewagen automatisch oder auf leichten Tastendruck vonstattengeht, fordert beim Jeep Wrangler fast die letzten Kräfte eines Bürolisten, wenn er versucht, den Hebel vom Zwei- zum Vierradantrieb zu wuchten. Ein Wrangler-fahrender Kollege hat mir verraten, weshalb er Wrangler fährt: schlicht und einfach, weil ihm die modernen Autos zu langweilig sind. Ein überzeugendes Kauf­argument. Mit 50000 Franken bis 60000 Franken kauft man sich definitiv ein Stück Abenteuer und setzt sich wohlwollend ab vom automobilen Einheitsbrei der Moderne.

Jeep Cherokee als elegante Alternative

Wem der Wrangler dann doch etwas zu burschikos ist und wer nach höherer Leistung strebt, dem kann Jeep noch einen anderen, ebenso besonderen Leckerbissen bieten: einen Jeep Cherokee Hemi mit einem schlichten 6,4-Liter-/V8-Motor, ein reiner Sauger ohne jeglichen Turbo- oder Kompressoren-Firlefanz, ein Big Block mit 468 PS und einem satten Drehmoment von 624 NW. Hemi steht übrigens für Hemisphärische Brennräume und ist für Kenner die Sahne des klassischen Motorenbaus. Das Ganze ist liebevoll eingepackt in eine ­noble, wenn auch recht ausladende ­Karosserie.

Im Innern findet Plastik praktisch nicht mehr statt und wird durch fein genähtes Leder und Karboneinlagen ersetzt. Das Cockpit fällt mit seiner roten und blauen Armaturen­beleuchtung zwar etwas gar bunt aus, ist aber sehr übersichtlich. Dankbar ist man vor allem für die digitale Geschwindigkeitsanzeige, weil ein analoger Tacho mit 330-km/h-Angabe für schweizerische Geschwindigkeitslimiten nur suboptimal skaliert ist. Die Skala scheint dann auch etwas hochzustapeln, auch wenn man die in den Verkaufsunterlagen angegebene Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h gerne für bare Münze nimmt. Einmal mit dem roten Startknopf angelassen, donnert der Cherokee ungestüm nach vorn und lässt den Asphalt mit seinen 2,5 Tonnen Leergewicht zum müden Statisten verkommen. Mittels Launch Control schafft man sogar die angegebenen 5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, aber auch beim normalen Gasgeben drückt die grollende Kraft des Big Blocks den Fahrer mächtig in die schön geformten Ledersitze. Mit seinem Gewicht ist der Grand Cherokee zwar kein Kurvenkünstler, trotz seiner Höhe schwankt er aber erstaunlich wenig und lässt sich durchaus flink durch die Kurven wedeln.

Der Jeep ist mit seiner Grösse der Platzhirsch im amerikanischen Markt, in der engeren Schweiz tut er sich manchmal etwas schwer mit seinem Platzbedarf, vor allem, wenn die Strassen eng werden oder wenn er sich haarscharf in die Waschanlage einpasst. Trotz seiner äusseren Grösse ist der Innenraum je nach Standpunkt eher etwas eingeengt oder eben recht cosy. Das amerikanische Design legt dem Fahrer ein etwas wulstiges Lenkrad und einen ebenso wulstigen Schalthebel in die Hände. Aber der Gesamteindruck passt. Hier kommt man quasi als Kapitän der Landstrasse mit etwas Wuchtigem ­daher.

Auch ist der Cherokee mit einer Mischung von Windgeräuschen, einem sonoren, wenn auch nicht unangenehmen Brummen des Motors und den Abroll­geräuschen der riesig dimensionierten (Winter-)Pneus erstaunlich laut unterwegs. Jeep-Fahrer dürften sich wohl nur allzu schnell für die Weltpolitik und insbesondere für die Beschlüsse der Opec-Staaten interessieren. Der Verbrauch ist sowohl beim braven Bruder mit 11 Litern Diesel und insbesondere beim bösen Bruder erheblich. Bei moderater Fahrweise sind rund 14 bis 15 Liter fällig, bei etwas nervöserem Gasfuss rauschen aber durchaus mal 17 Liter Benzin durch die Leitungen. Wen wunderts bei dieser Leistung. «Was läuft, das säuft», meinte der Garagist nicht ohne Stolz bei der ­Wagenübergabe und trifft damit wohl den Nagel auf den Kopf. Mit seinem Einstandspreis von rund Fr. 100 000 ist der Cherokee angesichts seiner Leistung aber ein durchaus attraktives Preis-Leistungs-Paket.

Natürlich darf man jetzt noch die obligate Frage nach dem Sinn eines so leistungsstarken SUV stellen. Die Antwort fällt leicht: Es macht wenig Sinn, aber durchaus Spass. Immerhin kann man sich mit dem Hemi Big Block noch ein Stück des amerikanischen Traums, der durch den neuen Präsidenten etwas angekratzt ist, erfüllen. Und das Pferd kann man beruhigt zu Hause im Stall lassen.

Hinweis
Preise und Sonderaktionen: www.jeep.ch

Mit dem Wrangler hält Jeep die DNA – mindestens was das Design betrifft – gegenüber dem Ur-Jeep Willy praktisch unverändert. (Bild: PD)

Mit dem Wrangler hält Jeep die DNA – mindestens was das Design betrifft – gegenüber dem Ur-Jeep Willy praktisch unverändert. (Bild: PD)