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Aids, Ekstase, Waffen und Spiegel: Was das Kunstjahr 2019 bietet

Pablo Picasso und William Turner sollen die Massen dieses Jahr in die Schweizer Museen locken. Aber auch 50 Jahre Mondlandung, die Aids-Krise, Art brut oder Segantini werden in spannenden thematischen Schauen aufbereitet.
Christina Genova

Welche Ausstellungen sind 2019 für Kunstinteressierte ein Muss? Zwei Schauen stechen nach der Sichtung der Programme 2019 der Schweizer Kunstmuseen heraus. Anfang Februar eröffnet die Fondation Beyeler in Riehen die bisher aufwendigste und kostspieligste Ausstellung ihrer Geschichte. Sie zeigt rund 80 Werke aus der Blauen und Rosa Periode des jungen Pablo Picasso. Die melancholischen Werke der Blauen Periode sind geprägt von der Trauer um seinen Freund Carlos Casagemas, der Selbstmord beging. Als der Künstler Fernande Olivier kennen lernt, seine neue Liebe, werden die Werke wieder optimistischer.

Auch Luzern geizt nicht mit Superlativen: Für den Juli ist «das bedeutendste Vorhaben in der Geschichte des Kunstmuseums Luzern» angekündigt: Die Ausstellung «Turner. Das Meer und die Alpen» entstand in enger Zusammenarbeit mit der Tate London, der wichtigsten Leihgeberin. Das Werk des britischen Künstlers William Turnerist eng mit der Zentralschweiz verbunden, die er mehrfach bereiste. Er skizzierte die Rigi direkt von seinem Hotelzimmer in Luzern aus, auch der Vierwaldstättersee und die Gotthardregion gehörten zu seinen bevorzugten Motiven. Nach beinahe 200 Jahren kehren rund 30 Werke zurück an den Ort ihrer Entstehung.

100 Jahre Bauhaus und 50 Jahre Mondlandung

Geburtstage und Jubiläen sind willkommene Anlässe für Ausstellungen, das zeigt sich auch 2019. Die Eröffnung des Bauhauses in Weimar jährt sich am 12. April zum hundertsten Mal. Die von Walter Gropius gegründete neuartige Schule hatte grossen Einfluss auf das ­Design und die Architektur des 20. Jahrhunderts. Der Schweizer Johannes Itten war dort eine der schillerndsten und ­umstrittensten Persönlichkeiten. Das Kunstmuseum Bern widmet ihm ab ­August eine grosse Ausstellung; im Zentrum stehen seine neu erforschten Tage- und Skizzenbücher. Das Zentrum Paul Klee in Bern hingegen konzentriert sich in der Schau «bauhaus imaginista» auf die internationale Ausstrahlung des Bauhauses. Die erste Mondlandung vor 50 Jahren ist für gleich drei Schweizer Museen ausstellungswürdig: Das Kunstmuseum Bern zeigt unter dem Titel «Clair de lune» Mondbilder aus der hauseigenen grafischen Sammlung. Das Zürcher Kunsthaus präsentiert «Fly me to the moon», ein Streifzug durch die Geschichte künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Mond, und die Foto­stiftung Schweiz in Winterthur zeigt «Mondsüchtig – Fotografische Erkundungen». Die Schweizer Künstlerin mit dem prominentesten Auftritt 2019 ist Miriam Cahn. Ausdrucksstark und farbmächtig bezieht die Baslerin in ihren Werken Stellung gegen Krieg und Gewalt und für den Menschen. Als Geschenk zu ihrem 70. Geburtstag erhält sie gleich vier Ausstellungen. Ab Ende Februar stellt sie im Kunstmuseum Bern aus. Später wandert die Soloshow nach München und Warschau. Unabhängig davon werden ihre Werke auch in der Reina Sofia in Madrid und im Kunsthaus Bregenz ­gezeigt. Franz Gertsch wird zwar erst nächstes Jahr 90 Jahre alt. Der Berner Künstler lässt es sich aber nicht nehmen, schon ab Mai im Masi in Lugano eine Ausstellung zu kuratieren, in welcher er seine eigenen grossformatigen Holzschnitte mit jenen von Paul Gauguin und Edvard Munch kombiniert.

Aus der Klinik ins Museum

Vor 120 Jahren starb Giovanni Segan­tini. Gleich zwei Ausstellungen widmen sich dem Schaffen des Wahlengadiners: Das Kunstmuseum St. Gallen stellt es in den Dialog mit zeitgenössischer Kunst, im Masi in Lugano wird sein berühmter Alpentriptychon gezeigt.

Ein wichtiges Thema in Schweizer Museen ist 2019 die Art brut – Kunst, die fern des offiziellen Kunstbetriebs geschaffen wurde. Im Aargauer Kunsthaus ist die Collection de l’Art Brut aus Lausanne zu Gast. Im Kunstmuseum Thun hingegen wird ein besonderes Projekt vorgestellt: Die Zürcher Hochschule der Künste erforschte erstmals alle Werke, die um 1900 in den kantonalen Kliniken der Schweiz entstanden sind. Eine Auswahl davon ist ab Februar in der Ausstellung «Extraordinaire!» zu sehen.

Schliesslich sind einige bemerkenswerte thematische Ausstellungen zu erwähnen. «United by Aids» im Migros- Museum in Zürich widmet sich der Aids-Krise, welche die Kunstwelt politisierte und die Grenzen zwischen Kunstproduktion und Aktivismus verschwimmen liess. Wie werden rauschhafte Zustände in der Kunst dargestellt? Dies untersucht die Schau «Ekstase» im Zentrum Paul Klee in Bern. Voraussichtlich im Mai findet die Abstimmung zum verschärften Waffenrecht statt. Mit der Ausstellung «Im Visier: Die Schusswaffe in Kunst und Design» liefert das Forum Schlossplatz in Aarau schon ab März die passende Ausstellung dazu und rückt ein Objekt in den Fokus, welches wie kein anderes polarisiert. Der acht Jahrtausende alten Geschichte des Spiegels widmet sich das Zürcher Museum Rietberg, in einer Ausstellung mit 200 Kunstwerken aus der ganzen Welt.

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