Alleine im Paradies der Pärchen

Die Malediven sind eines der beliebtesten Hochzeitsreiseziele. Aber auch Alleinreisende kommen auf den Inseln auf ihre Kosten.

Andreas bättig
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Die Sterne funkeln in dieser Nacht so hell, wie ich es noch nirgends sonst auf der Welt gesehen habe. Keine hellen Lichter im Umkreis von 200 Metern verblenden die Sicht. Hunderttausend Punkte sind am Himmel, und wer genau hinschaut, sieht sogar die Milchstrasse. Es ist meine erste Nacht auf der Malediveninsel Iru Fushi. Ich spaziere gegen Mitternacht einem langen Holzsteg entlang. Dieser führt 150 Meter aufs Meer hinaus und ist am Rand dezent beleuchtet. Die Nacht ist warm, eine leichte Brise zieht durch Hemd und Haare, die Luft riecht nach Salz.

Vor mir der Indische Ozean, die Wellen rauschen hypnotisch, und hinter mir sind klein die Lichter der Insel zu sehen. Zwei Stunden zuvor hatte mir eine Masseurin eine Ayurveda-Massage gegeben. Ich lag auf einem Holzbrett, und während 30 Minuten lief mir warmes Öl auf die Stirn, exakt zwischen die Augen. Somit sollte mein drittes Auge geöffnet werden. Mein Chakra, sagte die Masseurin.

Und nun stehe ich da, auf diesem Steg. Das Chakra ist nun also geöffnet, bereit, die Energien der Welt einzufangen, und für einen Moment ist alles ruhig und perfekt.

Schneeweisse Strände

Ich bin alleine. Alleine in einem Paradies, das eigentlich auf Paare ausgerichtet ist. Meistens ist das Gegenüber die Person, mit der man den Rest seines Lebens verbringen will. Ich bin alleine, aber nicht einsam. Denn die Malediven betören mit ihren schneeweissen Stränden, mit ihren Riffen, mit ihren Einheimischen. Du brauchst kein Buch, du brauchst kein Handy, du brauchst nur dich, deine Gedanken und die Insel.

Rückblende. Nach einem überraschenden Upgrade beim Boarding in die Business-Class setzte ich mich in den bequemen Ledersessel der Edelweiss- Air-Maschine. Die Airline fliegt die Malediven direkt an, der Flug dauert knapp zehn Stunden. In Malé, der Hauptstadt der Malediven, angekommen, empfing mich ein Reisleiter, um mich zu einem Wasserflugzeug zu bringen. Unsere Maschine stammte aus den Fünfzigern, war rot und sah eigentlich ganz robust aus. Trotzdem ratterte und knatterte es beim Start erheblich. Wir gewannen zum Glück schnell an Höhe. Ich machte es mir an einem Fenster bequem. Vom Flugzeug aus sah man all die kleinen und grossen Atolle, die Inseln der Malediven. Sie sind kreisförmig, in der Mitte dunkelblau und mit einem türkisfarbenen Ring umrandet. Der dunkelblaue Ozean sieht wie ein blauer Käse aus, dessen Löcher die Atolle waren.

Als wir nach zwei Zwischenstopps auf der Insel Iru Fushi ankamen, war ausser mir nur noch ein ägyptisches Pärchen an Bord. Nach der Landung und einem Apéro begab ich mich in meinen Bungalow. Das Haus war riesig, auch - oder gerade - für einen Alleinreisenden. Die Räume sind mit massiven Holzmöbeln ausgestattet. Durch eine Tür gelangt man in einen kleinen Hintergarten. Dort befinden sich eine Whirlpool-Badewanne, zwei Duschen, Waschbecken, WC - alles unter freiem Himmel. Ein wenig erschöpft von der Reise liess ich das Nachtessen sausen und legte mich auf das King-Size-Bett. Jemand hatte mit dünnen Pflanzenblättern «Welcome» auf die Decke geschrieben und rote Blüten aufs Bett gelegt. Ich beobachtete noch eine Weile fünf Eidechsen, die an der Decke flink umherwieselten, um Mücken zu fangen.

Die Flucht vor Europa

Ich verbrachte drei Tage auf Iru Fushi. 200 weitere Feriengäste teilten mit mir die Insel. Die bekam ich aber nur selten zu sehen. Ich hatte manchmal das Gefühl, komplett alleine auf der Insel zu sein.

Meine Tage auf Iru Fushi verstrichen schnell und sahen meistens so aus: Am Morgen ass ich vom üppigen Buffet. Danach ging es zur Tauchstation, um zu schnorcheln. Das Hausriff der Insel ist zwar artenreich, noch besser ist es aber, einen Bootsausflug zu buchen und weit vor der Küste schnorcheln zu gehen. Wenn man Glück hat, kann man Schildkröten sehen - leider bekam ich keine zu Gesicht. Den frühen Abend verbrachte ich meistens am Pool, direkt am Strand. Die Sonne glitzerte dann auf der Wasseroberfläche des Meeres, ich lag auf dem Liegestuhl, trank meinen Mojito und schaute auf den Horizont. Ich versuchte, jeden dieser Momente in mich hineinzusaugen. Denn ich wusste, in einigen Tagen erwartet mich das kalte Europa.

Am vierten Tag wartete das Wasserflugzeug, um mich für drei weitere Tage auf eine andere Insel zu bringen. Unser Zielort war das «Conrad Hilton» auf Rangali Island.

Schnorcheln im Aquarium

Kaum angekommen, brachte man mich zu meiner Overwater-Villa. Vom Bett aus sah ich direkt aufs Meer. Es gab eine kleine Terrasse, darauf befand sich ein grosser Whirlpool, und weil ich gleich neben dem Spa-Bereich des Resorts gastierte, gab es einen Extraraum mit zwei Massageliegen.

Das «Conrad» ist eines der luxuriösesten Resorts auf den Malediven. Deshalb machen hier auch Stars wie Paul McCartney Ferien. Auch Roger Federer soll hier schon gesichtet worden sein. Grund dafür ist wohl auch das Hausriff des «Conrads». Durch eine 50 Meter lange Schneise im Korallenriff kann man in Richtung offenes Meer hinausschwimmen. Plötzlich fällt das Riff einige Dutzend Meter weit runter. Ich schwebte die meiste Zeit an der Kante dieser Schlucht. Das Wasser war kristallklar, Dutzende gelb schimmernde Fischschwärme zischten nur wenige Meter entfernt an mir vorbei. Im Wasser waren Hunderte verschiedene Arten. Ich war mitten in einem riesigen Aquarium.

Barfuss zu den Mantas

Wer denkt, dass man in einem Luxus- Resort edle Schuhe anziehen muss, der irrt. Im «Conrad» läuft man barfuss. Die Bar, die Réception, das Restaurant, alles ist komplett offen und in Sand gebaut. Es fühlt sich gut an, ständig barfuss unterwegs zu sein. Das Conrad-Resort besteht aus zwei Inseln, welche durch eine lange Brücke miteinander verbunden sind. In der Nacht schlenderte ich jeweils diese Brücke entlang. An den Seiten im Wasser leuchteten helle Lampen ins Meer hinaus. Sie sollten vor allem eines anziehen: riesige Mantarochen. Ich stand dann eine Weile auf der Brücke und beobachtete das Wasser. Und wie aus dem Nichts glitt eines dieser Ungetüme durchs Wasser. Die Flügelspanne des Rochens war ungefähr 2 Meter. Gemächlich schwebte er durch den Ozean, gross, majestätisch und verschwand schliesslich im schwarzen Ozean.

Ich schaute aufs Meer. Auf den Malediven, dem Hochzeitsreiseparadies, braucht man in der Tat kein Buch und kein Handy. Vielleicht nicht einmal eine Liebste. Denn die Insel selbst verzückt mit Hunderten atemberaubenden Bildern und zieht dich komplett in ihren Bann.

Luxusresort «Conrad»

Das «Conrad Maldives» auf Rangali Island ist sicher eines der luxuriösesten Hotels der Malediven. Das Hotel bietet unter anderem ein spezielles Spa-Konzept an. So kann man sowohl seine Spa-Behandlungen als auch sein Essen aufeinander abstimmen.

Die Preise für eine Beach-Villa bewegen sich pro Nacht für zwei Personen zwischen 1050 Dollar (7. 1. bis 28. 2.) und 490 Dollar (22. 8. bis 30. 9.). Für eine Water-Villa bewegen die Preise zwischen 1235 Dollar (7. 1. bis 28. 2.) und 620 Dollar (22. 8. bis 30. 9.).

Für Familien: «Hilton Iru Fushi»

Wer mit seiner Familie auf die Malediven will, ist im «Iru Fushi» gut aufgehoben. Denn es gibt einen grossen Kinderhort, in dem die Kinder betreut werden. Noch bis Ende Jahr bietet das Hotel zudem auf Beach-und Wasser-Villas pro Nacht für zwei Personen 50 Prozent Rabatt. So kostet eine Beach-Villa 208 Dollar (anstatt 415 Dollar), eine Water-Villa 240 Dollar (anstatt 480 Dollar) pro Nacht.

Die beste Reisezeit für die Malediven ist von Dezember bis April. Reist man jedoch ausserhalb dieser Zeit, sind die Hotelpreise günstiger.

Mehr Infos unter www.hilton.com

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