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ALPEN: Vor den Monumenten der Natur

Das Unesco-Welterbe Jungfrau-Aletsch lässt sich in fünf Tagen fast umrunden: auf der Via Alpina von Rosenlaui nach Wengen und auf dem Aletsch-Panoramaweg von der Belalp zur Fiescheralp. Swiss Trails sorgt für den Gepäcktransport.
Text und Bilder Peter Hummel
Per Postauto gehts nach Rosenlaui, dem Ausgangspunkt für die fünftägige Wandertour. Hier steht das gleichnamige Hotel Rosenlaui, wo seit 1779 Gäste beherbergt werden. (Bild: Peter Hummel)

Per Postauto gehts nach Rosenlaui, dem Ausgangspunkt für die fünftägige Wandertour. Hier steht das gleichnamige Hotel Rosenlaui, wo seit 1779 Gäste beherbergt werden. (Bild: Peter Hummel)

Text und Bilder Peter Hummel

Der Einstieg in Rosenlaui ist eine Zeitreise: Hier steht eines der besterhaltenen Belle-Epoque-Hotels aus der Pionierzeit des Bergtourismus. Und wenig weiter oben lockt gleich eines der Natur-Highlights der ersten Etappe: die Rosenlaui-Gletscherschlucht mit ihren überhängenden Felswänden und tosenden Gletschermühlen.

Zur Einstimmung unserer Wanderferien ist die Steigung via Schwarzwaldalp und Schwandboden ganz angenehm. Auf der Grossen Scheidegg eröffnet sich ein Berner Alpenpanorama und der scheinbar liebliche Abstieg zum Tagesziel Grindelwald. Doch die fast 1000 Höhenmeter über den alten Saumpfad sind nicht ohne – am ersten Tag sind wir uns nicht zu schade, auf halbem Weg den im Stundentakt fahrenden Bus zu nehmen.

Im Angesicht der Eigernordwand

Ebenso erlauben wir uns am nächsten Tag eine kleine Anschubhilfe mit der Wengernalpbahn bis Alpiglen. Der Aufstieg im Angesicht der Eigernordwand ist besonders eindrücklich. Auf der Kleinen Scheidegg wähnt sich ein Schweizer als Fremder im eigenen Land – hier steht man mitten im Epizentrum des internationalen Tourismus. Das imposante Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau bringt aber auch Einheimische zum Staunen. Im Gegensatz zum Vortag ist der Abstieg nach Wengen angenehm sanft. Irgendwie kommt uns die Landschaft bekannt vor – wir kreuzen die Strecke des Lauberhornrennens. Ohne Skibetrieb wirkt Wengen beschaulich; die klassischen Hotelbauten verströmen immer noch den Pioniergeist von einst.

Historisches Hotel

Nach einem erstaunlich raschen Bahntransfer ins Wallis wartet zur Tourmitte ein unbekanntes, aber umso überraschenderes Verbindungsstück: der historische Saumweg von Naters über Blatten zur Belalp. Auf dem Stationenweg von Moos nach Mehlbaum wähnt man sich mindestens ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzt. Und genauso bei der Ankunft im historischen Berghotel Belalp, das 1858 am Aletschbord, einem genialen Aussichtspunkt auf 2130 Metern Höhe, errichtet wurde: Im Nordosten haben wir den Aletschgletscher im Blick und im Südwesten die Stadt Brig sowie die Dufourspitze und das Matterhorn. Ein unvergesslicher Übernachtungsort.

Nervenkitzel auf der Brücke

Vierter Tag – wir sind gut eingelaufen für die Königsetappe, den ersten Teil des Aletsch-Panoramawegs. Gleich der Beginn ist schon imposant: Über den Viehpfad Steigle, einen authentisch restaurierten Zeitzeugen aus Trockenmauern, hinunter zur abgelegenen Alp Aletschji. Kurz vor der Hängebrücke ein kleiner Abstecher zum «Gletschertor» – ein Aussichtspunkt, bei dem man ermessen kann, wie weit und hoch hier der Aletschgletscher einst herunterkam. Auf dem Gletscherschliff steigen wir die letzten 100 Höhenmeter ab zum Höhepunkt (oder genauer gesagt, mit exakt 1599 Metern, Tiefpunkt des Tages): zur Brücke, welche die jetzige Verbindung Belalp–Rieder-/Bettmeralp seit 2008 erst möglich macht. Das kühne, 124 Meter lange Bauwerk verursacht Nervenkitzel: Jedenfalls kann es Schwindel erregend sein, über den Gitterrost zu wanken, 80 Meter über der tosenden Massa.

In der Umgebung hat es mehrere einladende Picknickplätze, entweder vor der Brücke oder kurz danach am Grünsee, einem biotopartigen Kleinod, das nach dem Gletscherrückzug übrig geblieben ist. Auf dieser Tour muss man sich gut mit Proviant eindecken – es gibt keine Einkehrmöglichkeit und auch kaum Wasser.

700-jährige Arven und Föhren

Der Aufstieg durch den berühmten Aletschwald zeigt anschaulich die Moränen- und Vegetationsentwicklung: unten die Jungmoräne und der «Jungwald» mit Birken und Lärchen, oben die 11 000 Jahre alte Moräne mit dem Altbestand von bis zu 700-jährigen Arven und Föhren. Im Herbst blühen Alpenrosen und reifen Heidelbeeren. Allmählich locken die ersten Ausblicke auf den Aletschgletscher. Für das eigentliche Postkartensujet muss man allerdings bis zur Alten Stafel hochsteigen auf über 2200 Metern. Erst beim Schlussabstieg zur Bettmeralp werden wir gewahr, dass wir schon bald sieben Stunden Marschzeit hinter uns haben.

Am letzten Tag leisten wir uns für den Aufstieg die Gondelbahn aufs Bettmerhorn. Hier gibt die attraktive Multivisionsshow «Faszination Aletschgletscher» eine gute Einführung in die Geschichte des Gletschers. Draussen eröffnet sich nach wenigen Schritten ein überwältigendes Live-Panorama über einen Grossteil des grössten Gletschers der Alpen und macht dem Namen Panoramaweg alle Ehre. Wohl nirgends in der Schweiz bekommt man ein eindrücklicheres Gletschererlebnis, ohne sich auf eine hochalpine Tour begeben zu müssen. Über Platten und Blockfelder nähert man sich dem Eisstrom, und zunehmend weht einem ein eisiges Lüftchen entgegen.

Blaues Eis statt Eisberge

Dann eine grössere Biegung, und der Märjelensee wird erstmals sichtbar. Wir nehmen hier die einzige markierte Abstiegsmöglichkeit, die es überhaupt zum Gletscher gibt – und erleben einen Wow-Effekt: blaues Eis! Allerdings kommt auch eine kleine Enttäuschung auf – keine Spur mehr vom erwarteten Gletschersee. Die berühmten Bilder vom Märjelensee, auf dem die Eisschollen treiben, sind heute also nur noch eine Mär.

Immerhin dient ein früherer Entlastungsstollen für den einst gewaltigen Gletschersee heute als Wanderwegabkürzung. Bei schönem Wetter lohnt sich allerdings die ordentliche Route um den Tälligrat herum, der einen zweiten Gletscher ins Blickfeld rückt: den Fieschergletscher. Eine knappe Stunde später ist aber auch unser Ziel in Sicht, die Fiescheralp, von wo uns die Seilbahn wieder jäh in die Realität der Zivilisation zurückführt.

Fünf Tage im Weltnaturerbe

red.Dank des täglichen Gepäcktransports durch Swiss Trails ist die Teilumrundung des Unesco-Welterbes Jungfrau-Aletsch von Rosenlaui zur Fiescheralp zwar nicht mühelos, aber um einiges leichter zu bewältigen, insbesondere für Familien.

Die täglichen Wanderzeiten betragen 3½ bis 7 Stunden (mit Abkürzungsmöglichkeiten per Bus oder Bahn, abgesehen von der «Königsetappe» Belalp–Bettmeralp). Und der Service überzeugt: Selbst zur 2130 Meter hohen Belalp hat der Kurier das Gepäck zeitig geliefert.

Preis: 737 Franken. Inbegriffen 5 Wanderetappen mit Gepäcktransport, 5 Übernachtungen (Kat. Standard) im DZ mit Frühstück; Routenführer und Karten. Buchbar täglich bis 15. Oktober: Tel. 043 422 60 22; www.swisstrails.ch (h+h.)

Die Kulisse zum Staunen auf der Kleinen Scheidegg. (Bild: Peter Hummel)

Die Kulisse zum Staunen auf der Kleinen Scheidegg. (Bild: Peter Hummel)

Die Alp Aletschji erreicht man von Belalp her kommend auf dem Aletsch-Panoramaweg. (Bild: Peter Hummel)

Die Alp Aletschji erreicht man von Belalp her kommend auf dem Aletsch-Panoramaweg. (Bild: Peter Hummel)

Tosen und Schäumen in der Gletscherschlucht Rosenlaui. (Bild: Peter Hummel)

Tosen und Schäumen in der Gletscherschlucht Rosenlaui. (Bild: Peter Hummel)

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