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Als die Wikinger kamen, war es um Islands Walrosse geschehen

Die Nordmänner haben den Meeressäuger aus kommerziellem Interesse ausgerottet, der zuvor ungestört 7500 Jahre auf Island gelebt hat.
Niels Anner aus Kopenhagen
Das Elfenbein der Walross-Stosszähne war begehrt.Bild: HOGP/Key

Das Elfenbein der Walross-Stosszähne war begehrt.Bild: HOGP/Key

Auf Island gibt es heute keine Walrosse mehr. Dabei war die Vulkaninsel lange ein natürlicher Lebensraum für die bulligen Meeressäuger gewesen. Als jedoch die Wikinger ab 850 n. Chr. von Norwegen nach Island segelten und sich dort niederliessen, sorgten sie rasch für die Ausrottung der zu den Robben gehörenden Art.

Dies haben dänische und isländische Forscher in einer neuen Studie festgestellt. Bisher war unklar, wann die Walrosse auf Island verschwanden – und warum. Die Wissenschafter haben sich dabei, wie generell bei der Forschung über die Wikinger, vor allem auf archäologische Funde sowie auf Ortsnamen abstützen müssen. Denn schriftliche Quellen von den nordischen Seefahrern gibt es abgesehen von den kurzen Runeninschriften keine, und in diesen kommen auch keine Walrosse vor.

Geschrieben wurde über die Wikinger in den altisländischen Sagas, allerdings entstanden diese erst Jahrhunderte nach der Besiedlung der Insel; die Texte sind von den mittelalterlichen Autoren gefärbt, und nur bedingt als historische Quelle brauchbar. Was bis heute von den Walrossen übrig geblieben ist, sind alte Knochen. Diese haben die Forscher mit der Radiokarbonmethode untersucht und dabei herausgefunden, dass die Tiere Island mindestens 7500 Jahre bewohnt haben, bevor die Wikinger ankamen.

Der Bestand bildete eine genetisch einzigartige Untergruppe der Walrosse, und diese isländische Variante hat sich auch nicht in andere arktische Gegenden verbreitet, etwa nach Grönland. Eine andere Quelle sind Ortsnamen, die heute noch vom Vorkommen grosser Walross-Gruppen berichten, etwa Rosmhvalanes (Walrosshalbinsel) oder Rostunga (Walrossbucht). Die Wikinger sahen die Meeressäuger, die auf Altisländisch hrosshvalr hiessen, also in grösserer Zahl, was bisher umstritten war – und sie jagten die Tiere, die vorher keinen Kontakt zu Menschen gehabt hatten.

Einige Jahrhunderte später, zwischen 1200 und 1400, waren sie von der Atlantikinsel verschwunden. Vulkanausbrüche und ein wärmeres Klima haben nur eine geringe Rolle gespielt haben können. «Wir sehen damit eines der frühesten Beispiele für die lokale Ausrottung eines Meerestieres durch Überjagung durch den Menschen», sagte Morten Olsen, Assistenzprofessor für Entwicklungsgenetik an der Universität Kopenhagen. Für die Auswirkungen der Jagd haben die Wissenschafter gute Belege gefunden.

Das Elfenbein der langen Stosszähne der Walrosse war in Europa eine begehrte Handelsware, etwa zur Herstellung von Schmuck oder Spielsteinen, und die Wikinger hatten zu diesem Zeitpunkt das Monopol für Walrossprodukte. Doch aus den Tieren wurde auch anderes hergestellt, erklärt der norwegische Wikinger-Experte Björn Bandlien: Aus der Walrosshaut produzierte man starke Schiffstaue. Aus dem Fett wurde Öl gewonnen und das Fleisch gegessen.

Bandlien ist der Ansicht, einige Skandinavier seien wegen der Walrossjagd überhaupt erst nach Island gesegelt und auch die Weiterfahrt nach Grönland sei zu einem gewissen Grad dadurch motiviert gewesen. Die Studie zeige, sagt Mitautorin Xénia Keighley, dass bereits in der Wikingerzeit kommerzielle Jagd und Handelnetzwerke starken Druck auf Ökosysteme ausübten, die sich danach nicht mehr erholten.

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