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Andi Rohrer: SRF-Mann mit grossem Indie-Herz

Andi Rohrer war zu Beginn seiner Tätigkeit beim SRF der Prügelknabe des «Blick». Tempi passati. Als «Sounds!»-Moderator ist der Wittenbacher der richtige Mann am richtigen Ort und entdeckt für die SRF-3-Hörer die neuste Musik fernab des Mainstreams.
Andreas Ditaranto
Moderator Andi Rohrer "hinter den Kulissen" am Open Air. (Bild: Sabrina Stübi)

Moderator Andi Rohrer "hinter den Kulissen" am Open Air. (Bild: Sabrina Stübi)

Letztlich hat alles dazu geführt, dass ich bei «Sounds!» gelandet bin.

Ein Café in der Innenstadt, Donnerstagnachmittag, Auftakt zum
St. Galler Open Air - Andi Rohrer ist «back in town». Ein angenehmer und authentischer Gesprächspartner. Der musikaffine 36-Jährige übernimmt im Sittertobel die Anmoderationen, derweil «sein» Sender SRF 3 auf Festivaltour ist und live überträgt. Der Ostschweizer Moderator freut sich auf das Heimspiel, auf Freunde und Bekannte. Rohrer ist angekommen – auch im Job: Mit der Sendung «Sounds!» ist für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen. Der richtige Mann am richtigen Ort – der Weg dahin war bisweilen aber steinig und kam ab und an einem Spiessrutenlauf gleich. Rückblickend stellt er fest: «Letztlich hat alles dazu geführt, dass ich bei ‹Sounds!› gelandet bin.»

Die «Eskapaden» des Andi R.

Was musste er in seinen ersten Jahren beim SRF alles erdulden, nachdem der erfahrene Radiomacher («die Zeit bei Toxic.FM war enorm prägend») und studierte Anglist (Geschichte und Publizistik in den Nebenfächern) ab Februar 2012 regelmässig als Moderator im Schweizer Radio und Fernsehen zu sehen und zu hören war. Teils ungerechtfertigt, teils «unberechenbar» einem Sende­konzept folgend, geriet Andi Rohrer in die Schusslinie von selbsternannten Sittenwächtern, Moralaposteln und des «Blicks» (was zuweilen auf das Gleiche hinausläuft). Das Boulevardblatt zeichnete ein Bild des Säufers und Grabschers und labte sich an vermeintlichen Eskapaden.

Was war geschehen? Auf Virus TV schenkten Andi Rohrer und Moderationskollegin Anic Lautenschlager den Gästen Alkohol aus, und im Rahmen der Live-Übertragung des Berner Gurtenfestivals 2013 wurde Rohrer von Redaktionskollegen auf Busenmessung geschickt, um das TV-Strassenquiz «Don’t say it – bring it!» zu bewerben. Klar, eine fragwürdige Aktion – auch wenn sie freilich nicht ernst gemeint war. Aber es war sicherlich kein so grosser Skandal, als dass ein aufstrebender Moderator aus der Ostschweiz, der einst von SRF-Programmentwickler Martin Schilt als «Riesentalent» bezeichnet wurde, gleich zum Abschuss hätte freigegeben werden müssen. Der vom «Blick» heraufbeschworene Sturm der Entrüstung entpuppte sich in der Gesamtbetrachtung eher als laues Lüftchen.

«Das war schon heftig»

Sah sich üblen Attacken ausgesetzt: Andi Rohrer.

Sah sich üblen Attacken ausgesetzt: Andi Rohrer.

Jedoch ging die Sache nicht spurlos an Andi Rohrer vorbei – ein reflektierter Mensch, der sein Tun selber immer wieder kritisch hinterfragt. «Das war schon heftig, auch weil meine Eltern auf der Strasse darauf angesprochen wurden.» Der «Blick» hatte sich mittlerweile auf den Wittenbacher eingeschossen: «Andi Rohrer trinkt sich hoch!» stand in grossen Lettern – Anlass: Rohrers eigene Show am Samstag auf Radio SRF 3. Nun bekam er auch zu spüren, was es heisst, wenn ein St. Galler Moderator schon am Morgen zu einer nationalen Hörerschaft mit bekannter Abneigung gegenüber dem hiesigen Akzent und Dialekt spricht. «Man glaubt kaum, wie viel Hass sich da bei manchen Leuten allein aufgrund einer nicht ‹genehmen› Sprache oder Stimme entlädt», sagt Rohrer. Man merkt, wie nachdenklich ihn solche Angriffe stimmen. Ihn, der von vorgefertigten, festgefahrenen Denkmustern absolut nichts hält.

«Man glaubt kaum, wie viel Hass sich bei manchen Leuten allein aufgrund einer nicht ‹genehmen› Sprache oder Stimme entlädt.»

Ein intaktes privates Umfeld ist für den feinfühligen Moderator mit den markanten Tattoos und dem ebenso markanten Bart deshalb umso wichtiger. Abschalten kann der Oldtimer-Fan auch bei der Ausübung seines Hobbys: Andi Rohrer liebt es, alte Autos und Töffs zu restaurieren und auszufahren (einen Chevrolet Greenbrier aus den 1960ern hat er gar zum Camper ausgebaut und ist damit nach Biarritz ans Meer und zurück ge­fahren). Eines war sich der Ostschweizer die ganze Zeit über bewusst: Man kann nie allen gefallen. Oder um es in den Worten seines ehemaligen Moderationskollegen zu sagen: Vom ersten Moment an werden dich 50 Prozent hassen und 50 Prozent lieben – und es wird sich nie ändern.

Herzblut und professionelle Einstellung

Auch nach all den Breitseiten gegen ihn blieb Rohrer beim SRF. Er moderierte unter anderem mit Anic Lautenschlager drei Staffeln der Sendung «Virus Voyage», war ferner zweimal als «Sidekick» bei den Swiss Music Awards engagiert und kutschierte nationale Showbiz-Grössen fürs SRF 3-Beifahrer-Karaoke herum. Vielleicht nicht immer von der Originalität eines Konzept überzeugt, aber Andi Rohrer ist stets mit Herzblut und professioneller Ein­stellung bei der Sache.

Zurück hinter das Radiomikrofon

Seit April 2017 moderiert Andi Rohrer im Wechsel mit Matthias Erb «Sounds!» auf SRF 3.

Seit April 2017 moderiert Andi Rohrer im Wechsel mit Matthias Erb «Sounds!» auf SRF 3.

«Nach vier intensiven Jahren» beim Schweizer Radio und Fernsehen, sagte der Moderator Anfang 2016 «Tschüss» – schon länger hatte er ­einen Roadtrip durch die USA geplant und machte sich auf die rund einjährige Reise durch Nordamerika. «Ich genoss es, lebte vor mich hin – frei von Konventionen oder Erwartungen, auch dahingehend, dass man immer nach Erfolg streben müsse – und merkte, dass das gesünder ist für mich.» Zurück in der Schweiz, zog es Andi Rohrer wieder hinter das Radiomikrofon: Seit April 2017 moderiert er im Wechsel mit Matthias Erb die Sendung «Sounds!» auf SRF 3. Mehrmals in der Woche ist Rohrer «late night» von 22 bis 24 Uhr zu hören. Hier fühlt sich der Wittenbacher wohl – und auch die «Sounds!»-Hörerinnen und -Hörer wissen es sehr zu schätzen, wenn der Moderator mit dem grossen Indie-Herz für sie die neuste Musik abseits des Mainstreams entdeckt.

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