Ansteckungsrisiko durch Kinder: Hat der Deutsche Virologe recht - und trotzdem auch Daniel Koch?

Virologen weltweit haben sich die Augen gerieben über Daniel Kochs entschiedene Aussage, Kinder unter 10 Jahren würden sich seltener anstecken. Nun gibt ihm eine neue Studie recht. Doch wie häufig stecken die Kleinen andere an? 

Sabine Kuster
Drucken
Teilen

Gestern Abend noch twitterte der Deutsche Star-Virologe Christian Drosten, infizierte Kinder hätten gemäss seiner Studie eine genau gleich hohe Virenlast wie Erwachsene. Und der Schweizer Christian Althaus forderte das BAG postwendend auf, Daniel Kochs «irreführendes Statement» bezüglich der Infektiosität von Kindern zu korrigieren und ihre zukünftigen Einschätzungen auf wissenschaftliche Beweise abzustützen.

Zwei Virologen, zwei Haltungen: Christian Drosten von der Berliner Charité und Daniel Koch, Covid-19-Delegierter des BAG.

Zwei Virologen, zwei Haltungen: Christian Drosten von der Berliner Charité und Daniel Koch, Covid-19-Delegierter des BAG.

(Bild: KEY)

Nun wurde eine Studie aus China publiziert, die zumindest das Ansteckungsrisiko kleiner einschätzt. Die Studie besagt, dass Kinder bis 14 Jahren nur einen Drittel so hohes Risiko hätten wie Erwachsene, sich anzustecken. Hingegen haben Senioren ab 65 Jahren ein um fast die Hälfte höheres Risiko sich anzustecken als die mittlere Generation. Die chinesischen Forscher testeten dazu alle Kinder und Erwachsenen in der Provinz Hunan während 14 Tagen, von denen bekannt war, dass sie einen engen Kontakte mit an Covid-19-Erkrankten gehabt hatten.

Dieses Ergebnis relativiert laut den Forscher den Nutzen von Schulschliessungen. Allgemein striktes Social Distancing wie in den Chinesischen Städten praktiziert sei wirksamer.

In die selbe Richtung argumentiert am Donnerstag auch Daniel Koch vor den Medien in Zürich: «Die Studie hat keinen Einfluss auf die angekündigte Öffnung der Schulen.» Kinder seien selten infiziert und daher nicht Treiber des Virus. Laut Koch zeigt das auch ein Blick auf andere Länder, wo die Schulen nicht geschlossen wurden.

Diese Meinung vertrat Daniel Koch vom BAG seit längerem: Kinder steckten sich seltener an. Die Frage ist, ob sie, wenn sie erkrankt sind, das Virus auch seltener übertragen - und das Risiko deshalb vertretbar ist, wenn Grosseltern Kinder umarmen. Hier sieht Daniel Koch die Gefahr bei unter 10-Jährigen gleich null. Obwohl die Virenlast gemäss Drosten gleich gross ist? Es ist zumindest möglich, dass die Kinder ihre Viren weniger stark verbreiten, weil auch die Symptome schwächer sind: Sie husten seltener. 

Abgeschlossen ist die Diskussion nicht. Es wird noch eine Deutsche Studie aus Heidelberg zu diesem Thema erwartet. Und einige mehr werden folgen bis Klarheit herrscht.

Mehr zum Thema