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AOSTATAL: Bergwelt im Dreiländereck

Die kleinste Region Italiens liegt eingebettet zwischen Viertausendern. Das ­abgeschiedene Tal wartet mit geschichtsträchtigen Orten und Köstlichkeiten auf. Hier vermischt sich Italianità mit französischem Flair.
Text und Bilder: Esther Wyss
Wandern im Nationalpark vor dem Gran-Paradiso-Massiv. (Bild: Getty)

Wandern im Nationalpark vor dem Gran-Paradiso-Massiv. (Bild: Getty)

Text und Bilder: Esther Wyss

Vom Süden kommend biegt man im Aostatal beim Ponte Sankt-Martin ins Gressoney-Tal ein. Es ist das einzige der 13 Seitentäler, in dem Deutsch gesprochen wird. Nicola, der Reiseleiter, lacht übers ganze Gesicht, als die Gäste das Rezept für die berühmten «Chnefflene saltati mit Speck» (Walser Gnocchetti)wissen wollen. «Da miest mer de Wirt frage», sagt er in «Gresuneititsch». Der Weg zum Maiensäss Alpenzu Grande führt in steilem Zickzack neben dem Wasserfall durch schattigen Fichtenwald und Blumenwiesen auf 1700 m hinauf. Nach eineinhalb Stunden Aufstieg ist das Ziel erreicht. Von hier oben sieht man wie von einem Balkon zum Monte-Rosa-Massiv und ins Tal auf die grauen Steindächer von Gressoney-Saint-Jean.

Ackerbau und Viehzucht auf Alpenzu

Danila Laurent empfängt die Gäste im Refugio Alpenzu. Sie erzählt, dass die Walser von Zermatt her über den Theodulpass auf der Suche nach neuen Lebensräumen das Tal schon im 12. Jahrhundert besiedelt hatten. Ihre Familie hat noch bis in die Sechzigerjahre ganzjährig auf Alpenzu Grande gewohnt. Als Selbstversorger betrieben sie Viehzucht und Ackerbau und pflanzten Gemüse an. Die Kinder gingen das ganze Jahr täglich ins Dorf hinunter zur Schule. Vor über 20 Jahren baute Danila die Baita, die sie vom Vater geerbt hatte, zu einem Refugio aus. Sie vermietet heimelige Zimmer mit Dusche und WC, denn seit 15 Jahren ist das Refugio an die Kanalisation angeschlossen. Danila bietet den Gästen verschiedene traditionelle Spezialitäten an. Dazu gehören Chnefflene, Polenta, Mucetta (Trockenfleisch), Lard d’Arnad und Toma di Gressoney (Käse).

Auf dem Walser Höhenweg erreicht man zu Fuss Alpenzu Piccolo. Ein Mann spült am Brunnen Geschirr. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er als Deutscher mit vier einheimischen Maurern einen Stadel saniert. Die Arbeiter nehmen täglich den beschwerlichen Weg unter die Füsse, wie früher die Schulkinder. Die Sprache ist dabei kein Problem, denn auch sie sprechen «Gresuneititsch».

Das sehenswerte Öko-Museum von Gressoney-La-Trinité vermittelt einen guten Einblick in das Leben der Walser von damals. Im typischen Wohngade trennte nur eine halbhohe Holzwand den Tierunterstand und die Wohnstätte. Auf diese Weise machten sich die Bewohner die Tierwärme zunutze. Wenige Kilometer von Gressoney-Saint-Jean entfernt befindet sich das Schloss, das Königin Margherita von Savoyen vom Architekten Emilio Stramucci im neugotischen Stil erbauen liess. In der frischen, kühlen Bergluft verbrachte die Königin bis zu ihrem Tod 1925 die Sommermonate. Der Weg vom Parkplatz zum Schloss führt durch einen alpinen botanischen Garten.

Wer durch das Aostatal fährt, sieht sich an der engsten Stelle des Tales unvermittelt der gigantischen Festung Bard gegenüber. Schon in der Antike wurde an diesem strategisch wichtigen Punkt ein Bollwerk gegen Invasoren errichtet. Die heutige Anlage, die auf das Mittel­alter zurückgeht, wurde 2006 vollständig renoviert und mit drei Glasliften erschlossen, von denen man einen ausgezeichneten Blick auf den hübschen Ort Bard hat. Die Festung beherbergt das sehenswerte Alpenmuseum. Es gibt temporäre Kunstausstellungen, und im Innenhof werden Konzerte veranstaltet.

Ein italienischer Viertausender

Das Aostatal ist weit verzweigt. An Obstplantagen und Rebbergen vorbei erreicht man Cogne, das im gleichnamigen Tal liegt. Am Rande der hübschen Ortschaft, die sich als heimliche «Hauptstadt» des Nationalparks Gran Paradiso versteht, erstreckt sich die grosse Wiese Saint Ours. Sie zählt zu den ausgedehntesten Bergweiden Europas. Hinter der Weide erhebt sich majestätisch die senkrecht abfallende Felswand des Gran Paradiso. Es ist der einzige Viertausender (4061 Meter), der ganz zu Italien gehört. Der ewige Schnee und die Gletscher leuchten in der Sonne. Bis in die Siebzigerjahre wurde in Cogne ein Eisenbergwerk betrieben. Im Zentrum steht ein eiserner, symbolträchtiger Brunnen. Der Wasserstrahl steht für das Leben, die Verzierungen symbolisieren das wohlgefällige Leben oder den Müssiggang der Bergwerksleute.

Bei der Klöpplerin und den Wasserfällen

Cogne gilt als Ort der traditionellen Musik. Das wichtigste Instrument ist das «Tamburo di Cogne», ein Schellentamburin, dem durch Reiben und Schlagen originelle Klänge entlockt werden. Im Spitzenmuseum ist eine Klöpplerin am Werk. Flink bewegt sie die Klöppel übereinander, hin und her, von links nach rechts und umgekehrt. Die Reihenfolge kennt sie auswendig. Für zehn Zentimeter der berühmten Spitzen «Les Dentellières de Cogne» braucht sie dreieinhalb Stunden.

Wenige Kilometer von Cogne entfernt, zu Fuss oder mit dem E-Bike gut erreichbar, befinden sich die imposanten Wasserfälle von Lillaz. Gewaltige Wassermassen stürzen schäumend und tosend in drei Stufen über steile Felswände. An heissen Tagen ist der Sprühregen eine angenehme Abkühlung.

Die Hauptstadt Aosta wurde von den Römern gegründet, und noch heute gibt es überall Zeugen der einstigen römischen Stadt. Hier sollte man sich Zeit für Besichtigungen nehmen. Besonders eindrücklich sind die Ruinen des römischen Theaters, die Stadttore und die gut erhaltene Stadtmauer, aber auch die Stifts­kirche mit dem angrenzenden Kreuzgang. In der Altstadt laden Restaurants, kleine Bars und Gelaterias zum Verweilen ein. Es gibt Boutiquen; Souvenir­läden, und Delikatessengeschäfte bieten einheimische Spezialitäten und eine grosse Auswahl an Weinen aus dem Aostatal an.

Wer Ferien im Aostatal verbringt, sollte sich eine Fahrt mit dem Skyway nicht entgehen lassen. Von Courmayeur führt eine moderne Seilbahn auf den Hellbronn. Auf 3500 Metern weht ein scharfer Wind. Die 360-Grad-Aussicht von der Aussichtsplattform auf die Viertausender, den Mont Blanc, das Monte-Rosa-Massiv, das Matterhorn und den Grand Paradiso ist überwältigend.

Die Reportage entstand nach einer Pressereise, zu der Aostatal Tourismus eingeladen hatte. www.lovevda.it/de

Blick von der Festung Bard auf die gleichnamige Ortschaft am Fluss Dora Baltea. (Bild: Esther Wyss)

Blick von der Festung Bard auf die gleichnamige Ortschaft am Fluss Dora Baltea. (Bild: Esther Wyss)

Im Spitzenmuseum kann man einer flinken Klöpplerin zuschauen. (Bild: Esther Wyss)

Im Spitzenmuseum kann man einer flinken Klöpplerin zuschauen. (Bild: Esther Wyss)

Auch im Hochsommer ist der Grosse-Sankt-Bernhard-Pass noch schneebedeckt, und auf dem See schwimmen Eisschollen. Er verbindet das Wallis mit dem Aostatal. (Bild: Esther Wyss)

Auch im Hochsommer ist der Grosse-Sankt-Bernhard-Pass noch schneebedeckt, und auf dem See schwimmen Eisschollen. Er verbindet das Wallis mit dem Aostatal. (Bild: Esther Wyss)

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