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ATLANTIK: Savoir-vivre auf Guernsey

Die Kanalinseln sehen sich als die vergessenen Paradiese Europas. Das gilt vor allem für das beschauliche Guernsey und das noch viel ländlichere Sark nebenan. Tagsüber laden schroffe Küsten zum Wandern ein, abends kann man mit ein wenig Tombola-Glück einen fangfrischen Hummer vom Pub mit nach Hause nehmen.
Grüne Küsten, blühende Pflanzen und ein klares Meer prägen das Bild von der Kanalinsel Guernsey im Frühling. (Bild: Matthias Hafen)

Grüne Küsten, blühende Pflanzen und ein klares Meer prägen das Bild von der Kanalinsel Guernsey im Frühling. (Bild: Matthias Hafen)

Text und Bilder Matthias Hafen

Weshalb mögen die Einwohner von Jersey Sonnenuntergänge so sehr? Weil es dann immer so aussieht, als stünde Guernsey in Flammen. Mit diesem Witz ist schon viel über die Beziehung zwischen den zwei grössten Kanalinseln erzählt. Die Einwohner von Jersey und Guernsey lieben und hassen sich. Sie nehmen sich gegenseitig hoch, sind aber gemeinsam stolz, selbstverwaltet zu sein. Beide Inseln sind direkt der britischen Krone unterstellt, gehören jedoch weder zum Vereinigten Königreich noch zur EU. Die Selbstverwaltung macht vor allem Guernsey zu einem Steuerparadies – und damit zu einem der weltweit führenden Bankenplätze. Auf den Strassen der Hauptstadt St. Peter Port sind Bentleys, Range Rovers und BMWs keine Seltenheit. Wer hier lebt, ist entweder reich oder mit wenig zufrieden.

Nur eine Stadt auf Guernsey

Guernsey, mit 78 Quadratkilometern nicht einmal halb so gross wie der Kanton Appenzell Innerrhoden, gilt als die natürlichere der beiden grossen Kanalinseln. St. Peter Port ist die einzige Stadt auf der Insel, mit ihren schmucken Altstadtgassen allerdings sehr überschaubar. Das wenig überbaute Hügelland der Insel mit diversen Steilküsten eignet sich vor allem für Viehzucht und Gartenbau. Die Lage im Ärmelkanal begünstigt auch die Fischerei. Das ­Eiland ist ein beliebtes Touristenziel für Natur- und Vogelliebhaber. Die Bevölkerung ist heterogen. Das zeigt sich beim Besuch in einem der zahlreichen Pubs. Gut gekleidete Banker sind hier ebenso zugegen wie einfache Bauern und Fischer. Entsprechend mannigfaltig ist auch das kulinarische Angebot auf der Insel. Abends werden nebst den Pubs vor allem die erstaunlich zahlreichen Feinschmeckerlokale frequentiert, tagsüber stehen die gleichen Kunden Schlange am Fish&Chips-Stand. Wer auf Guernsey weilt, merkt schnell, dass hier auf gutes Essen Wert gelegt wird – und das in jeder Preisklasse. Mit besonderem Stolz weisen die Restaurants jeweils auf ihre fangfrischen Fische und Meeresfrüchte hin.

Kirche und Pub nebeneinander

Die geografische Nähe zu Frankreich und die geschichtliche Abstammung von England machen aus Guernsey einen spannenden Schmelztiegel. Das Savoir-vivre haben die Insulaner zweifellos von den Franzosen, den Humor unverkennbar von den Engländern. So ist zum Beispiel im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen, dass sich auf Guernsey Kirche und Pub näher sind als irgendwo sonst in Grossbritannien. Tatsächlich trennt das Gotteshaus von St. Peter Port und die Albion House Tavern nur eine Handbreite.

Siegerfoto mit gestohlenem Fisch

Die Einwohner von Guernsey sind distanziert, aber nicht versnobt, auf jeden Fall aber unterhaltsam. Angeln ist hier die Sportart Nummer eins. Wer beim alljährlichen Wettbewerb den grössten Fisch an Land zieht, gewinnt über 1000 Franken Preisgeld und ist der Held der ganzen Insel. Das brachte den Einheimischen Matthew Clark dazu, die Hauptattraktion, einen über 6 Kilogramm schweren Wolfsbarsch, aus dem lokalen Aquarium zu stehlen, mit ihm zu posieren und ihn schliesslich an ­einen Fischhändler zu verkaufen. Aufgrund des Siegerfotos in der Zeitung wurde der Dieb und Schwindler aber kurz darauf überführt. Clark bekam vom Gericht 100 Stunden gemeinnützige Arbeit aufgedonnert, ist dafür aber heute noch in aller Munde.

Dass Leute mit einem lebendigen Hummer, einer Riesenkrabbe oder einem rohen Stück Fleisch aus dem Pub laufen, ist auf Guernsey nichts Aussergewöhnliches. Jeden Freitag findet in einem Pub der «Meat Draw» statt, eine Tombola mit Fisch, Fleisch, Meeresfrüchten als Preise. Die britische Tradition ist keine Exklusivität der Kanalinsel, doch wird sie angeblich nirgendwo so leidenschaftlich ausgelebt wie hier.

Tatsächlich ist der Pub des Imperial Hotel an diesem Abend proppenvoll. Der Losverkäufer bahnt sich mit seinem Bauchladen den Weg durch die Gäste. Ein Pfund kostet ein Nummernlos, die Gewinnchancen bei dem üppigen Gabentempel sind hoch. Sind alle Lose verkauft, beginnt ein Spektakel, das eine Mischung aus Bingo und Stand-up-Comedy ist. Und auch wenn nicht alle mit einem Gewinn nach Hause gehen, fühlen sich am Schluss alle als Gewinner.

Mildes Klima im Winter

Entstanden ist der «Meat Draw» als Entschuldigung der Männer, weil sie oft länger im Pub blieben als ursprünglich angekündigt und ihre Frauen zu Hause warten liessen. Mit einem Hummer oder einigen Steaks unter dem Arm sollten die verärgerten Frauen zumindest teilweise wieder versöhnt werden. Heute ist das Ganze jedoch mehr ein Volksfest, das sich auch die Frauen ungern entgehen lassen. Beschaulicher geht es auf den zahlreichen Wanderwegen entlang des Meeres zu. Die Szenerie erinnert stark an die Bretagne. Das Wasser ist fast rundum sichtbar, die Küste wild. Nur wenige Strände sind feinsandig und laden zum Baden ein. Sowieso wird das Wasser im Ärmelkanal kaum je wärmer als 20 Grad. Dafür herrscht selbst im Winter ein mildes Klima.

Zeitreise nach Sark

Guernsey allein wäre schon ein Wanderparadies. Doch die nahe gelegene Insel Sark übertrifft noch einmal alles. Sie ist wohl die ursprünglichste der Kanalinseln. Nur 500 Menschen bewohnen das Eiland. Besucher fühlen sich in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt. Als Verkehrsmittel stehen einzig Pferdekutschen, Velos und Traktoren zur Verfügung, wobei das Zweirad die Erkundung der Insel auf individuellste Weise zulässt. Der schmale Pfad hinüber zur Halbinsel Little Sark ist eines der berühmtesten Sujets der Kanalinseln – und vor Ort noch schöner als auf jedem Bild. Zwar regnet es hier immer mal wieder, doch verzieht sich das schlechte Wetter so schnell wieder, wie es gekommen ist. Naturliebhaber fühlen sich auf Sark zu Hause. Der Besuch der Insel unterstreicht das Savoir-vivre der Kanalinseln.

Hinweis

Diese Reportage entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Visit Guernsey und Rolf Meier Reisen eingeladen haben.

Guernsey und Sark: Geheimtipps im Ärmelkanal

Bild: oas

Bild: oas

Anreise Rolf Meier Reisen, Spezialist für Ferien auf den Kanalinseln, fliegt zwischen 7. Mai und 3. September 2016 exklusiv jeden Samstag mit einer 46-plätzigen ATR-42-Turboprop-Maschine der Blue Islands Airline von Zürich nach Jersey – mit Anschlussverbindungen nach Guernsey. Vom 16. April bis 15. Oktober sind zudem jeden Samstag Linienflüge mit SkyWork von Bern-Belp nach Jersey im Flugplan. Weitere Optionen bieten sich via Düsseldorf oder London. Zwischen Guernsey und Sark bestehen täglich mehrere Fährverbindungen.

Hinweis
Allgemeine Infos unter www.flyedelweiss.com, www.flytap.com, www.swiss.com

Guernseys Hauptort St. Peter Port ist die einzige Stadt auf der Insel. Ihr Charakter ist von Frankreich und England gleichermassen geprägt. (Bild: Matthias Hafen)

Guernseys Hauptort St. Peter Port ist die einzige Stadt auf der Insel. Ihr Charakter ist von Frankreich und England gleichermassen geprägt. (Bild: Matthias Hafen)

Sark lässt sich am besten per Velo erkunden. Der Regen zieht oft innert Minuten weiter. (Bild: Matthias Hafen)

Sark lässt sich am besten per Velo erkunden. Der Regen zieht oft innert Minuten weiter. (Bild: Matthias Hafen)

Auf der Insel Sark wird beim Übergang nach Little Sark zweisprachig vor steilen Klippen gewarnt. (Bild: Matthias Hafen)

Auf der Insel Sark wird beim Übergang nach Little Sark zweisprachig vor steilen Klippen gewarnt. (Bild: Matthias Hafen)

Der Gabentempel beim sogenannten «Meat Draw» ist üppig. (Bild: Matthias Hafen)

Der Gabentempel beim sogenannten «Meat Draw» ist üppig. (Bild: Matthias Hafen)

Losglück? Der «Meat Draw» im Pub ist ein kleines Volksfest. (Bild: Matthias Hafen)

Losglück? Der «Meat Draw» im Pub ist ein kleines Volksfest. (Bild: Matthias Hafen)

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