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Streit unter Kleinkindern: Eltern sollen eingreifen, bevor es kracht

Kinder brauchen gleichaltrige Kinder, um sich sozial entwickeln zu können. Doch wie sollen Eltern reagieren, wenn es immer wieder zu Streit kommt, und wie wird das in Kindertagesstätten gehandhabt?
Sarah Coppola-Weber
Wenn Gewalt im Spiel ist, sollten Eltern eingreifen, rät die Entwicklungspsychologin Sonja Perren. (Bild: Getty)

Wenn Gewalt im Spiel ist, sollten Eltern eingreifen, rät die Entwicklungspsychologin Sonja Perren. (Bild: Getty)

Luis und Sophia sind beide acht Monate alt. Sie beobachten sich gegenseitig, tauschen Blicke, berühren sich. Als Sophia mit einem Teddybär zu spielen beginnt, krabbelt Luis los und holt sich auch einen. «Den anderen zu imitieren ist eine Art, um miteinander in Kontakt zu treten», sagt Sonja Perren, Professorin für Entwicklung und Bildung in der frühen Kindheit an der Universität Konstanz. «Eine Studie brachte zutage, dass die Hälfte aller Interaktionen von acht Monate alten Kindern mit anderen Kindern verläuft – so denn ihnen solche Kontakte möglich sind. Doch es genügt nicht, das Kleinkind in den Sandkasten zu stecken und zu sagen, so, jetzt spiel mal», sagt Perren. Erwachsene müssen die Kinder bei der Kontaktaufnahme begleiten.

Schon bei kleinen Kindern gibt es Mobbing

Auch Streitereien können kleinere Kinder nicht unbedingt alleine ausbaden. Erst ab dem Schulalter kann man dies von ihnen erwarten: «Erwachsene sollen heftige Streitereien von Vorschulkindern nicht einfach laufen lassen, bis es kracht. Sondern zuerst in Erfahrung bringen, was passiert ist und das Alter der Kinder berücksichtigen», sagt Sonja Perren. Es brauche jemanden, der die Konfliktlösung moderiere und, falls Aggressivität im Spiel sei, auch Grenzen setze. «Wenn immer die gleichen Kinder zu kurz kommen, ist es Mobbing.» Nadine Hoch, Geschäftsleiterin vom Verband Kinderbetreuung Schweiz – kibesuisse – unterstützt die Aussage von Sonja Perren: «Gerade bei kleinen Kindern ist es wichtig, sie in ihren Interaktionen aufmerksam und einfühlsam zu begleiten.»

Die soziale Kompetenz entwickelt sich zwischen dem zweiten und dem fünften Lebensjahr. Im besten aller Fälle verhalten sich Kinder in diesem Alter sozial, kooperativ und nicht aggressiv. In vielen Fällen ist dem aber nicht (nur) so, wovon nicht nur Kindergärtnerinnen und Krippenleiterinnen ein Lied singen können.«Die Art, wie jemand auf andere zugeht, ist Teil der Persönlichkeit und bleibt bis ins Erwachsenenalter erhalten», sagt die Fachfrau. Aus der Forschung wisse man, dass Kinder mit schlechter Emotionsregulation eher ausgeschlossen und gemobbt werden. So fehlen ihnen viele Möglichkeiten, die sozialen Kompetenzen zu üben, und sie geraten in einen Teufelskreis, der nur mit Hilfe der Erwachsenen durchbrochen werden kann.

Buben nehmen anders Kontakt auf als Mädchen

Ramona Plüss, Hausleiterin der Kindertagesstätte «Calimero», stellt Unterschiede zwischen Buben und Mädchen fest: «Während die Mädchen zuerst miteinander besprechen, was sie spielen wollen, beginnt bei den Buben meistens einer mit dem Spiel und die anderen gesellen sich nach und nach dazu.»

Auf zwei Aspekte sollen laut Nadine Hoch Krippenpersonal und auch Eltern Wert legen: Die Sprachförderung und das freie Spiel. Kinder müssen zuerst lernen, ihre Wünsche zu formulieren, zu sagen, wann und wieso ihnen etwas nicht passt. «Dank der Sprachförderung können sich Kinder besser in die Gruppe integrieren, finden eher Spielkameraden, wer sagen kann, was er will, der muss nicht schlagen und beissen.» Das freie Spiel indes unterstütze die Kinder darin, Konflikte zu erproben, Ideen auszutauschen und andere Kinder zu beobachten.

Kinder brauchen Kinder – da stellt sich eine Frage: Sind Nicht-Kitakinder in Bezug auf Kontakte mit Gleichaltrigen im Nachteil? «Nein, wenn es genug Möglichkeiten gibt, mit anderen Kindern zu interagieren», sagt Sonja Perren. Nadine Hoch ergänzt: «Sind zu Hause wenige Erfahrungen mit anderen Kindern möglich, bieten sich Spielgruppe, Krabbelgruppen oder Treffen auf dem Spielplatz an.» Denn überall, wo Kinder aufeinander treffen, ist der Grundstein für die Sozialisierung gelegt.

Sofort eingreifen, friedliche Lösungen einüben

Im Alter von zwei Jahren weiss ein Kind noch nicht, dass sich jemand anderer schlecht fühlt, wenn es ihm etwa an den Haaren zerrt. Hauen, Treten, Beissen sind also für bis zu zweijährige Kinder durchaus altersgerechtes Verhalten. Trotzdem muss das Kind lernen, dass das nicht erlaubt ist. Also ruhig bleiben, das Beissen oder Hauen sofort unterbrechen, eine Auszeit setzen. Nicht die Kinder den Konflikt austragen lassen. In ruhigem Ton erklären, warum das so nicht geht und unbedingt Alternativen aufzeigen. «Wenn du das Auto willst, dann frag den Bub zuerst.» «Sag Nein, statt zu hauen.» Und verpassen Sie keine Gelegenheit, Ihrem Kind ihre Freude zu zeigen, wenn es friedlich mit anderen spielt. Das stärkt das Selbstvertrauen.

Bei älteren Kindern führen oft Überforderung im Kontakt mit anderen Kindern zu Handgreiflichkeiten. Wenn Eltern nun ihrerseits sofort laut werden und schimpfen, zeigen sie ihren Kindern keine guten Alternativen. Besser die Streithähne ruhig voneinander trennen und fragen, was los ist. Dabei nicht den oder die Schuldigen suchen, sondern Lösungen. Das geht am besten, wenn die Erwachsenen die Gefühle der Kinder spiegeln und das Problem zusammenfassen. Danach die Kinder selbst nach Lösungen suchen lassen. (kaf)

Buchtipp Katharina Saalfrank: Was unsere Kinder brauchen. GU, Fr. 34.–

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