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Auf dem jüdischen Kulturweg im aargauischen Surbtal

Urs Bader
Die Synagoge von Endingen, erbaut 1852. (Bild: Urs Bader)

Die Synagoge von Endingen, erbaut 1852. (Bild: Urs Bader)

«Beim Haus nebenan, das eigentlich dasselbe Haus war, durch keine Brandmauer abgetrennt, und doch ein anderes, weil das Gesetz es so verlangte, beim anderen Eingang des Hauses also, wurde plötzlich an die Tür gehämmert ... Es war keine Zeit, zu der man in Endingen noch Besuch bekam, weder bei Juden noch bei Goijim.» Ganz am Anfang seiner jüdischen Familiensaga «Melnitz» beschreibt Charles Lewinsky eine Besonderheit des Zusammenlebens zwischen Juden und Nichtjuden (Goijim), die man in Endigen noch heute sehen kann: Häuser mit Doppeltüren, weil Juden und Christen nicht im gleichen Haus wohnen durften. Die Leute behalfen sich, auch bei horizontal geteilten Häusern, mit dieser Lösung.

Juden in der Schweiz durften von 1776 bis 1866 nur in Endingen und in der Nachbargemeinde Lengnau im Surbtal wohnen.

Erstmals hatte die Eidgenössische Tagsatzung 1653 jüdischen Familien im Surbtal das Aufenthaltsrecht ­garantiert. Sie hatten sich hier nieder­gelassen, weil sie aus Städten vertrieben worden waren. Das mit den besonderen Häusern hatte noch einen anderen Grund, den Informationsblätter zum jüdischen Kulturweg Endingen–Lengnau erläutern. Da die jüdische Bevölkerung schnell zunahm, benötigte sie im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr Wohnraum. Jedoch durften Juden damals weder Land noch Häuser besitzen. Sie boten sich deshalb bauwilligen Christen als Geldgeber an und bewohnten danach einen Hausteil.

Aus jener Zeit existieren in den beiden Gemeinden noch zahlreiche bauliche Zeugen der jüdischen Kultur. Dazu gehören insbesondere die beiden Synagogen. Sie stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Während jene in Endingen etwas versteckt an einer Hinterhofgasse steht, wo es bereits einen kleineren Vorgängerbau gab, dominiert die Synagoge in Lengnau mit ihrer Schaufront den beschaulichen, mit Platanen bestückten Dorfplatz. Dazu gehören aber auch die beiden kleinen Badhäuser für das rituelle Tauchbad, die Mikwen, die aber nicht mehr genutzt werden. Beim Bad in Lengnau kann man durch eine Scheibe ins Innere sehen, Schau­tafeln erläutern dessen Nutzung.

Der älteste jüdische Friedhof der Schweiz

Zwischen den beiden Gemeinden gibt es den jüdischen Kulturweg. Er führt von Endigen zunächst der Surb und einem ehemaligen Mühlenkanal entlang etwas in die Höhe, sodass man auch einen Teil des landschaftlich attraktiven Surbtals überblicken kann. Etwa in der Mitte zwischen den beiden Dörfern gibt es seit 1750 einen jüdischen Friedhof, den ältesten in der Schweiz. Zuvor mussten die Toten auf einer Rheininsel bei Koblenz bestattet werden – gewissermassen im Niemandsland. Der Friedhof umfasst rund 2700 Gräber, und es werden immer noch Verstorbene hier bestattet. Gemäss der jüdischen Begräbniskultur ruhen die Verstorbenen bis zum Tag der Auferstehung, weshalb die Gräber auch nie aufgehoben werden. Nach dem Friedhof empfiehlt es sich, nicht den Weg geradeaus zu nehmen – er führt als Veloweg entlang der Hauptstrasse – , sondern etwas in die Höhe zu steigen und auf Flur­wegen parallel zur Hauptstrasse nach Lengnau zu laufen.

Ein Besuch im Surbtal ermöglicht es also, ein eher unbekanntes Stück Schweizer Geschichte kennen zu lernen und über Ausgrenzung, aber auch religiöse Toleranz nachzudenken.

Bei anderer Gelegenheit ist man den landschaftlichen Reizen des Tals gefolgt– auf dem Wein-Wanderweg, der von Endingen über Tegerfelden nach Döttingen oder Klingnau im unteren Aaretal führt. Der rund elf Kilometer lange Weg führt auf der Sonnenseite des Tals über den Dörfern durch die Reben, über Wiesen und entlang von Wäldern. Immer wieder eröffnen sich von Aussichtspunkten und Rastplätzen aus schöne Ausblicke. Schliesslich im Aaretal dann auch auf den Klingnauer Stausee, ein Vogelparadies, und in der Ferne auf die Höhenzüge des Jura und des Schwarzwaldes.

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