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AUF DER HAUTE ROUTE VON CHAMONIX NACH ZERMATT: Noch einmal Pulverschnee

Die Haute Route über die Walliser Gletscher verlangt vollen Einsatz. Dafür geizt sie nicht mit Sinnesfreuden.
Sonne und Schnee locken scharenweise Tourengänger in die Berge: Aufstieg über den Col du Brenay. (Bild: Fabian Fellmann)

Sonne und Schnee locken scharenweise Tourengänger in die Berge: Aufstieg über den Col du Brenay. (Bild: Fabian Fellmann)

Unser Vorhaben klingt etwas verrückt: In vier Tagen wollen wir auf Tourenski von Argentière in Frankreich über Gletscher, Pässe und Gipfel nach Arolla im Walliser Val d’Hérens wandern. Das ist Teil der Haute Route von Chamonix nach Zermatt, der Königsroute unter den Schweizer Skitouren. Der warme Frühlingswind in Martigny lässt kaum glauben, dass über 3000 Meter noch jene Pulverhänge auf uns warten, die Bergführer François Perraudin in Aussicht stellt. Der Blick auf die Karte lässt erahnen, dass sich die Gruppe von Journalisten die Abfahrten hart erarbeiten wird.

Los geht es gemächlich: Mit Taxi und Bergbahn erreichen wir die Aiguilles des Grands Montets. Doch nach einer Abfahrt über den Argentière-Gletscher erweist sich die Ahnung das erste Mal als berechtigt. Wir befestigen Felle an den Ski, um den Schneehang hochzusteigen. Als es dafür zu steil wird, zurren wir die Bretter am Rucksack fest und klettern mit Steigeisen an den Schuhen und dem Eispickel in der Hand hoch zum Col du Passon. Einem Journalistenkollegen aus Frankreich ist das zu viel, er fährt zurück ins Tal.

Technisch fordern uns die Berge nicht übermässig heraus, wir geniessen strahlenden Sonnenschein, der Schnee ist gut. Doch die Haute Route ist nichts für Anfänger: Gute Kondition und sicheres Skifahren in Steilhängen sind zwingend, Erfahrung mit Hochtouren von Vorteil. Der Verzicht auf den Bergführer ist nur für Orts- und Bergkundige möglich.

Wunderwelt aus Eis und Fels

Wir überqueren einen weiteren Gletscher, steigen auf den Col du Tour, überschreiten die Grenze zur Schweiz, ziehen das erste Mal frische Spuren in un­berührten Pulverschnee, vergessen für ­einen Moment die Müdigkeit. Und auf einmal befinden wir uns mitten in jener Walliser Wunderwelt aus Eis und Fels, die sich ins Herz meisselt, wie die Walliser Tourismusbranche wirbt. Noch ein Pässchen zum Abgewöhnen und dann eine lange Abfahrt durch stets schwereren Schnee – eine Freude für Sulzliebhaber, die aber die Oberschenkel schmerzhaft aufflackern lässt: Sie haben schon mehr als 1000 Höhenmeter bewältigt. Ein Taxi bringt uns nach Châble ins nach Lärche duftende Hotel A Lârze, wie der Nadelbaum im Walliser Patois heisst. Wir schätzen, dass Walliser Unterkünfte für Skifahrer eingerichtet sind – mit Skiräumen, grosszügigem Frühstück und Lunch­säcklein für den nächsten Tag.

Von diesem Komfort heisst es nun Abschied nehmen. Die nächsten zwei Nächte werden wir in SAC-Hütten schlafen, Duschen gibt es nicht, Handyempfang ist Glückssache. Entsprechend sind wir ausgerüstet: Merinowäsche soll uns mehrere Tage lang warm halten, ohne uns zu olfaktorischen Übeltätern zu machen. Hinzu kommen Wärmejacke und wasserdichte Jacke, Handschuhe, Mütze, Sonnenschutz, Dörrfrüchte, Tee – fertig wäre das leichte Gepäck.

Hart büsst, wer sich nicht beschränken kann. Jedes Gramm tragen wir mehrmals auf über 3000 Meter. Auch bei der Ausrüstung lohnt sich eine gute Auswahl: Eine schwere Skibindung etwa fordert die Beine. «Viel zu schwer», lautet das Verdikt des Bergführers. Die Oberschenkel stimmen ihm nach wenigen Schritten in den neuen Tag zu. Ungerührt mahnt Perraudin zur Eile, damit wir vor Mittag den Rosablanche erreichen. So sind wir die ersten, die in der Cabane de Pra­fleuri eintreffen. Felle und Schuhe trocknen, Kleider lüften, dann: die warme Sonne geniessen, die Seele baumeln lassen, Apéro mit Walliser Weisswein.

Die Haute Route geizt nicht mit Sinnesfreuden. Es geht munter zu und her auf den Terrassen. April ist Hochsaison auf der Strecke, die Tourengänger aus der Schweiz, ganz Europa und den USA anzieht, Reservation ist Pflicht.

Lange lassen wir die Nacht nicht werden. Um 6.30 Uhr geht es wieder los, in einer Holperpartie durch Eisabbrüche zum Lac des Dix. Dann ist es nicht mehr weit zur gleichnamigen Cabane. Doch die Beine wollen am verflixten dritten Tag nicht mehr, die Sonne brennt, der mickrige Schlusshang wird zur Tortur. Es kommt nicht in Frage, die drei Kollegen auf ihrer Nachmittagstour zu begleiten. Die Stimmung hebt sich erst bei einer Portion guten Walliser Raclettes.

«Sie wollen eine Herausforderung meistern»

Die Abendsonne lässt draussen den Montblanc de Cheilon orange leuchten, drinnen wird über die Haute Route philosophiert. «Die Leute wollen weg von ihrem Alltag und eine Herausforderung meistern», sagt der Bergführer. Seine Worte hallen wider, als wir am Morgen den Pigne d’Arolla in Angriff nehmen. Bei unserer Ankunft schiessen auf dem 3790 Meter hohen Gipfel schon Dutzende Alpinisten Selfies.

Das Gedränge verhindert einen privaten Moment nicht: Der Gefühlssturm nach Tagen der Anstrengung und der Müdigkeit erreicht den Höhepunkt, vor Freude, Stolz und Erleichterung schiessen Tränen in die Augen. Doch die sind schnell weggewischt, um die Aussicht auf die Walliser Bergwelt nicht zu lang zu verschleiern. Mit Blick auf das Matterhorn nehmen wir die Schlussabfahrt in Angriff. Und schon bereuen wir, die restlichen Berge bis nach Zermatt nicht auch noch meistern zu können.

Fabian Fellmann

Die Tour wurde ermöglicht von Valais/Wallis Promotion, die Standortförderung für den Kanton Wallis.

Gipfelfoto auf der Pigne d’Arolla, im Hintergrund das Matterhorn. (Bild: PD)

Gipfelfoto auf der Pigne d’Arolla, im Hintergrund das Matterhorn. (Bild: PD)

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