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Wie Meghan Markle das Königshaus verändert

Nach der Traumhochzeit beginnt für Meghan Markle und Prinz Harry der Alltag. Für Gesprächsstoff sorgt bereits die neue Website der frischgebackenen Herzogin.
Sebastian Borger, London
Ein Schnappschuss des offiziellen Hochzeitsfotografen: Prinz Harry und Meghan Markle im Schloss Windsor. (Bild: EPA/Alexi Lubomirski/Kensington Palace (Windsor, 19. Mai 2)

Ein Schnappschuss des offiziellen Hochzeitsfotografen: Prinz Harry und Meghan Markle im Schloss Windsor. (Bild: EPA/Alexi Lubomirski/Kensington Palace (Windsor, 19. Mai 2)

Sie werde gleich voll loslegen in ihrer neuen Aufgabe, hatte Meghan Markle vorab verlauten lassen. Gesagt, getan: Heute will die frischgebackene Herzogin von Sussex an der Seite ihres Mannes Prinz Harry einer Gartenparty im Park des Buckingham-Palasts zusätzlichen Glamour verleihen. Eingeladen sind Angehörige jener Wohltätigkeitsorganisationen, denen Meghans Schwiegervater Prinz Charles als Schirmherr royale Unterstützung gewährt.

Bis dahin dürften sich die Frischgetrauten von ihrem anstrengenden Hochzeitstag am Samstag erholt haben. Bis tief in die Nacht feierte das junge Paar mit Prominenten wie Tennis-Star Serena Williams (in Turnschuhen) und dem Schauspieler-Anwaltspaar George und Amal Clooney. Dass dort Cocktails mit einem Ingwer-Rum-Gemisch kredenzt wurden, der Schauspieler Idris Elba als DJ fungierte und Harrys Bruder William eine Rede gespickt mit riskanten Anspielungen auf das Vorleben des Bräutigams hielt – darüber herrschte in den Londoner Boulevardzeitungen Einigkeit. Nur die Frage des ersten Tanzes spaltete die Gazetten: Schwangen Meghan und Harry das Tanzbein zu Whitney Houstons «I wanna dance with somebody» – oder etwa doch zu «Land of a thousand dances»?

Für die 36-Jährige, an neugierige Journalisten ja durchaus ­gewohnte Ex-Schauspielerin («Suits») dürfte die seitenlange Berichterstattung der Sonntags- und Montagszeitungen einen Eindruck bestätigt haben, von dem ein Insider berichtete. Markles erstes Gespräch mit Tom Bradby, einem Freund des Königshauses und Anchorman der Nachrichtensendung «News at Ten», habe sich, so beschrieb es der TV-Journalist in der «Sunday Times», vor allem um die enorme Medienaufmerksamkeit gedreht. «Die konnte sie sich gar nicht erklären.»

Um zu überleben, müsse die Monarchie neutral bleiben

Nachdenkliche Geister haben rund um das strahlende Fest zu Recht auf das immer wieder gespannte Verhältnis zwischen dem Königshaus und den Medien hingewiesen. Einen Vorgeschmack auf mögliche künftige Konflikte lieferte das rechtskonservative Millionenblatt «Daily Mail»: Um zu überleben, müsse die Monarchie absolut neutral bleiben.

Womöglich ändert Markle ihr Verhalten und nimmt den Medien gegenüber eine ähnlich misstrauische Haltung ein wie ihr zweiter Ehemann. Umgekehrt wird die US-Amerikanerin aus der Ehe eines Weissen und einer Schwarzen auch das Königshaus verändern. Sehr genau registrierten die Medien übers Wochenende die neue Website der Herzogin von Sussex. «Ich bin stolz darauf, Frau und Feministin zu sein» – dieser bereits häufig zitierte Satz stelle eine Premiere dar, lobten die Macher der BBC-Sendung «Frauenstunde»: Es sei die erste Erwähnung von Feminismus in der öffentlichen Darstellung einer Monarchie, der seit 66 Jahren eine Frau vorsteht.

Dabei sei es ja keineswegs nur so, dass Markle durch die Heirat in die britische Königsfamilie einen sozialen Aufstieg erfahren habe, argumentiert Margo Jefferson, US-Autorin von Negroland: «Die Verbesserung gilt für Harry genauso.» Der Prinz habe «in alle Möglichkeiten der Postmoderne eingeheiratet», indem er eine selbstbewusste, finanziell unabhängige Frau wählte.

Viele schwarze und braune Briten, darunter der Unterhausabgeordnete David Lammy, berichteten von ihrer Freude an den multikulturellen Elementen des Gottesdienstes: dem Gospelchor, der schwarzen Prälatin beim Gebet, dem schwarzen Cellisten. Wie Lammy warnten aber auch andere davor, zu viel in eine Melange unterschiedlicher Traditionen zu interpretieren.

Überzogene Erwartungen und Hoffnungen

Ein Fortschritt im multikulturellen Miteinander sei nicht an der Existenz von Partnerschaften unterschiedlicher Ethnien ablesbar, argumentiert beispielsweise Professor Kehinde Andrews von der City-Universität in Birmingham. Die Royal Wedding wertet er als Ablenkung von besseren Wegen, die Gleichheit der Rassen herzustellen. «Meghan Markle ist eine schöne Frau, aber keine Dunkelhäutige mit Afro-Look. Sie sieht aus wie Pippa Middleton und kleidet sich wie Diana. Wegen ihr verändert sich das Königshaus nicht.»

Auf dem neuen Herzogspaar liegen viele, teils gewiss überzogene Erwartungen und Hoffnungen, so viel steht fest. Die Zukunft, prophezeit TV-Journalist Bradby, werde für Harry und Meghan «einen schwierigen Balanceakt» darstellen.

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