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«Die Kirche soll auferstehen statt wiederbelebt werden»

Der Würzburger Autor und Pfarrer Burkhard Hose führt aus, warum es keinen Sinn macht, die alte Kirche zu retten.
Andreas Faessler
Der schöne Schein nach aussen trügt: Die römisch-katholische Kirche steht innerlich vor ihren eigenen Trümmern. Autor Burkhard Hose sieht die Notwendigkeit einer Grunderneuerung. (Bild: Andreas Faessler)

Der schöne Schein nach aussen trügt: Die römisch-katholische Kirche steht innerlich vor ihren eigenen Trümmern. Autor Burkhard Hose sieht die Notwendigkeit einer Grunderneuerung. (Bild: Andreas Faessler)

Spätestens nach Bekanntwerden der jüngsten Serie an Missbrauchsfällen musste sich auch der hohe Klerus eingestehen: Die katholische Kirche hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie steht an ihrem eigenen Grab. Und mitten in dieser sterbenden Institution sitzt der Würzburger Geistliche und Hochschulpriester Burkhard Hose (*1967). Doch hat er weder Mitleid mit seiner Kirche, noch verspürt er Traurigkeit über deren irreparabel desolaten Zustand, über ihr Zerbrechen an den eigenen Antworten.

In seinem vor kurzem veröffentlichten Buch legt der Geistliche ausführlich dar, warum es wenig Sinn macht, diese Kirche noch retten zu wollen. Zu viel ist kaputt gemacht, zu festgefahren die Strukturen, zu weit entfernt hat sich die vom Machtgedanken getriebene Kirche von all dem, was Christsein ausmacht, sagt der Autor.

Eine Kirche, die nicht aus Formeln schöpft

Da gibt es nur einen Ausweg: Es braucht eine neue Vision von Christsein, und das funktioniert nur, wenn Altes zerbricht. «Auferstehung statt Wiederbelebung» ist die Devise des Würzburger Pfarrers, ein kompletter Reset und die bedingungslose Rückbesinnung auf das Evangelium, auf die Botschaft Jesu. Eine Kirche der Auferstehung soll aufhören, Antworten zu geben, sondern muss die Fragen mit den Menschen gemeinsam leben. Nur eine Kirche, die nicht aus Formeln schöpft, sondern mit Empathie waltet, kann glaubwürdig sein. Es fehle den jungen Menschen nicht an Glauben, weiss der Geistliche aus Erfahrung. Sie finden den Weg zu Gott schlicht und ergreifend nicht mehr über die Kirche. Vom beschämenden Schlusslicht zum leuchtenden Vorbild: Der Autor zeichnet eine neue Kirche, die keine Ausgrenzung mehr kennt, Frauen wie Männern gleiche Rechte einräumt, die den Umkehrruf Jesu ernst nimmt, dem Menschen dient. Es braucht Präsenz und Nähe statt Distanz und Abgehobenheit, Selbstkontrolle statt Überwachung, Versöhnung statt Vergeltung, wahrhaftig leben statt die Wahrheit besitzen.

Die jesuanische Kraft in unserer Gegenwart

Seine ausführlichen, schlüssigen Gedanken zu einem neuen, zeitgemässen Christsein ganz im Dienste des Menschen und der Menschlichkeit reichert der Autor an mit persönlichen Begegnungen, mit kleinen, aussagekräftigen Gleichnissen und wertvollen Beobachtungen als praktizierender Geistlicher. Für ihn geht es um weit mehr als nur die Kirche, nämlich um die jesuanische Kraft in unserer Gegenwart, um den Glauben an das Evangelium.

Burkhard Hose, «Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten – Für eine neue Vision von Christsein», 2019, Vier-Tüme-Verlag Münsterschwarzach, 159 Seiten, Fr. 27.90

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