AUSTRALIEN: Gefährlicher Kontinent

Englisch lernen und die australische Ostküste erkundigen – das ist in Down Under nicht ganz leicht. Das Land hat so viel Schönes und Überraschendes zu bieten, dass die Schule den Kürzeren ziehen könnte.

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Fütterung der Raubtiere – die Hartleys-Krokodilfarm ist nur eine von vielen Sehenswürdigkeiten rund um Port Douglas. (Bild: Luca Wolf)

Fütterung der Raubtiere – die Hartleys-Krokodilfarm ist nur eine von vielen Sehenswürdigkeiten rund um Port Douglas. (Bild: Luca Wolf)

Text und Bilder Luca Wolf

Australien ist gefährlich, heisst es oft. Das ist korrekt. Allerdings nicht wegen der beachtlichen Anzahl tödlich-giftiger Tierarten. Mit genügend Aufmerksamkeit sind diese in der Regel kein Problem. Gefährlich ist der riesige Kontinent mit seinen bloss 24 Millionen Einwohnern viel mehr, weil man sich ruck, zuck in ihn verliebt. Die Gründe dafür sind: ausgesprochen nette Einwohner, unglaublich schöne und vielseitige Landschaften und ein angenehm warmes bis heisses Klima. Gefährlich ist Australien deshalb auch, wenn man, so wie ich, noch Englisch lernen will – das Ablenkungspotenzial ist gewaltig.

Ein Unterwasser-Wunderland

Ich habe mich für die mit bloss zwölf Studenten wohl kleinste Englischschule Australiens entschieden (Kasten), gebucht bei Boa Lingua. Diese liegt in Port Douglas. Das schmucke Nest mit seinen rund 4000 Einwohnern liegt eine Stunde nördlich von Cairns oben an der Ostküste Australiens. Hauptsächlich von Cairns und Port Douglas aus werden jährlich gut zwei Millionen Touristen zum fantastischen Great Barrier Reef transportiert. Auf einer Länge von fast 2300 Kilometern bildet das Unesco-Weltnaturerbe mit seinen 360 Steinkorallenarten die grösste von Lebewesen geschaffene Struktur auf der Erde.

Es ist ein wahres Unterwasser-Wunderland. Trotz des enormen Besucheransturms scheint es bislang nicht allzu heftig darunter gelitten zu haben. Mit Schnorchel oder Tauchausrüstung lässt sich eine andere, absurd schöne Welt entdecken: Korallen in allen möglichen und unmöglichen Formen und Farben, Fische mit herrlichen Mustern. Und mit etwas Glück und genügend Respekt lassen sich Wasserschildkröten ein paar Minuten lang eskortieren. Auch kleinere und ungefährliche Haie sind gelegentlich anzutreffen.

Im Regenwald

Von Port Douglas aus ist es ein Katzensprung zu weiteren Sehenswürdigkeiten. Etwa zum eindrücklichen Daintree Forest, dem ältesten Regenwald der Welt mit seinen 70 endemischen Tier- und 700 endemischen Pflanzenarten. Oder zum ehemaligen Dschungel-Hippie-Bergdorf Kuranda, das per knarzigen Oldtimerzug oder moderne Gondelseilbahn erreichbar ist. Oder zur Hartleys-Krokodilfarm, wo auch Krokodilfleisch serviert wird (einige schwören darauf).

Fazit nach einem Monat Port Douglas: grossartig! Viel gesehen, gestaunt. Und immerhin ein bisschen Englisch gelernt.

Strände wie im Bilderbuch

Meinen zweiten Monat in Australien widme ich nur noch dem Reisen. Ziel: die Ostküste runter bis nach Melbourne. Was man dabei als Erstes gar nicht verpassen darf, sind die Whitsunday Islands. Diese Bilderbuch-Inselgruppe liegt gut 600 Kilometer unterhalb von Cairns im Bundesstaat Queensland. Täglich legen Dutzende Segelschiffe vom quirligen Hauptort Airlie Beach ab, um Touristen motorenlärmfrei von Insel zu Insel zu fahren – 74 gibts insgesamt. Dabei führt kein Weg am Whithaven-Beach vorbei. Er gilt als schönster Strand Australiens und – zumindest wenn man Australier fragt – sogar der Welt. Tatsächlich fühlt man sich am langgezogenen und unglaublich weissen Strand ein bisschen wie im Paradies.

Mit Tempo 80 auf der Sandinsel

Nächster Halt ist Fraser Island. Auf dieser grössten Sandinsel der Welt – 124 Kilometer lang, bis zu 25 Kilometer breit – gibts in erster Linie viel Sand. Und ein paar wunderschöne Süsswasserseen sowie die lieb aussehenden, aber durchaus gefährlichen Dingo-Wildhunde. Obwohl Fraser Island ein Unesco-Naturschutzgebiet ist, fahren hier alle mit Jeeps rum. Und zwar sowohl quer durch die Wälder als auch entlang des Strandes. 80 Stundenkilometer sind hier erlaubt, obwohl es keine Strassen gibt. Als Tourist darf jeder, der sich traut, selber ans Steuer. Etwas peinlich wirds für denjenigen, der den Wagen in den Sand setzt.

Surferparadies Byron Bay

Weiter gehts nach Brisbane, der mit rund 2,3 Millionen Einwohnern drittgrössten Stadt Australiens. Brisbanes Herz schlägt am idyllischen Brisbane River. Eine Flussfahrt mit einer der vielen Fähren ermöglicht einen interessanten Blick sowohl auf die beachtliche Hochhaus-Skyline als auch auf die vielen subtropischen Gärten. Spass macht auch eine Begehung der Story Bridge – wobei sie im Vergleich zur grossartigen Sydney Harbour Bridge eher wie ein Mauerblümchen wirkt. Wer nicht viel Zeit hat, kann Brisbane auch ganz auslassen.

Viele Australien-Reisende ziehen nach Brisbane schnurstracks weiter Richtung Süden nach Byron Bay im Bundesstaat New South Wales. Dieses 5000-Seelen-Dorf hat sich in den letzten Jahren zum Surferparadies gemausert. Auch stehen die vielen Strände links und rechts von Byron Bay im Ruf, zu den schöneren der Ostküste zu gehören. Das zieht dementsprechend viele Menschen an. Und weil ich nun schon fast sechs Wochen an unzähligen Stränden verbracht habe, will ich mich für die restlichen zwei Wochen ins Stadtleben stürzen.

Auf die Sydney Harbour Bridge

Nächste Zwischenstation: Sydney. Die mit 4,2 Millionen Einwohnern grösste Stadt Australiens ist eine Wucht. Der riesige Hafen gehört zu Recht zu den schönsten der Welt, das verrückte Opernhaus verschlägt einem den Atem, die vielen teils riesigen Parkanlagen verführen zum Nichtstun. Sehr eindrücklich ist auch die geführte Tour auf die 135 Meter hohe Sydney Harbour Bridge. Empfehlenswert ist auch hier eine Fahrt mit der Hafenfähre.

Etwa zur Ortschaft Manly, dem beliebtesten Ziel für Tagesausflüge. Hier lässt sich vortrefflich todesmutigen Surfern zusehen, wie sie von riesigen Wellen über das Wasser getrieben werden.

Entlang der Klippen

Zu meinen persönlichen Highlights zählt der Manly Scenic Walkway, ein Wanderweg hinauf zu den gewaltigen Klippen. Die stupende Aussicht, das Tosen des Wassers, der Wind in den Haaren … Allein in und rund um Sydney kann man locker ein paar hundert Fotos machen, so viel Schönes, Neues und Ungewöhnliches gibt es hier zu sehen.

Melbourne: Eine Stadt, die rockt

Melbourne – etwa 3800 Kilometer von meinem Ausgangspunkt Port Douglas entfernt. Letzter Halt vor meiner Rückkehr. Die 4-Millionen-Stadt hat zwar nicht so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten wie Sydney, dafür ist sie erdiger und rockt. Überall auf den Strassen spielen Musiker, die Anzahl an kleinen kreativen Bars ist unüberschaubar, und die vielen Graffiti an den Hauswänden zeugen von Melbourne als musikalischem Zentrum der Indierock-Szene. Unbestrittenes Highlight ausserhalb von Melbourne und Pflichtbesuch jedes Australien-Reisenden ist die Great Ocean Road.

Blick auf die «Zwölf Apostel»

Dieser Autotrip führt vorbei an Stränden, Kalksteinklippen, Wäldern, Milchfarmen und kleinen Dörfern. In der Nähe von Princetown schliesslich heissts: aussteigen, Kamera zücken und staunen, staunen, staunen. Denn dort bietet sich der beste Ausblick auf die Twelve Apostels. Das sind gewaltig hohe, aber schmale Felssäulen direkt vor den Klippen. Wer hier etwa vor Sonnenuntergang steht, wird diesen atemberaubenden Anblick vermutlich nie mehr vergessen.

Fazit nach zwei Monaten Australien: Das Land ist wirklich gefährlich, denn das mit dem Verlieben stimmt.

Reisen und Sprachaufenthalt

Die Grösse: Australien ist mit seinen 7,7 Millionen Quadratkilometern Fläche rund 183-mal grösser als die Schweiz, hat aber nur dreimal mehr Einwohner. Hauptstadt ist nicht etwa Sydney, sondern Canberra.

Das Klima: Von November bis März herrscht im Süden Australiens und in Neuseeland gutes Reisewetter. Im Norden Australiens dagegen regnet es häufig, und in den Wüstengebieten ist es sehr heiss. Diese Regionen bereist man besser von April bis September.

Englisch lernen:Sprachschulen gibt es in Australien viele. Die im Text erwähnte kleine Schule in Port Douglas kann via Boa Lingua gebucht werden.

Bild: Karte oas

Bild: Karte oas

Graffiti an den Hauswänden in Melbournes Gassen. (Bild: Luca Wolf)

Graffiti an den Hauswänden in Melbournes Gassen. (Bild: Luca Wolf)

Eines der Fotosujets in Sydney: die Oper vor der Harbour Bridge. (Bild: Luca Wolf)

Eines der Fotosujets in Sydney: die Oper vor der Harbour Bridge. (Bild: Luca Wolf)

Boote bringen die Touristen ans Great Barrier Reef. (Bild: Luca Wolf)

Boote bringen die Touristen ans Great Barrier Reef. (Bild: Luca Wolf)

Wer Glück hat, trifft beim Tauchgang auf eine Meeresschildkröte. (Bild: Luca Wolf)

Wer Glück hat, trifft beim Tauchgang auf eine Meeresschildkröte. (Bild: Luca Wolf)