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AUTOMESSE: Das Model aus Kalifornien im Genick

Die gestern eröffnete IAA in Frankfurt ist die grösste Automobilmesse der Welt. Zu sehen sind viele Visionen für Elektro- und selbstfahrende Autos. Aber auch Fahrzeuge, die schon heute auf die Strasse dürfen, vor allem SUVs.
Thomas Geiger
Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut sich an der IAA den BMW Vision iDynamic an. (Bild: KEY)

Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut sich an der IAA den BMW Vision iDynamic an. (Bild: KEY)

Thomas Geiger

Selten an einer Automobilmesse haben die Aussteller den Blick so bedeutungsschwer nach vorne gelenkt wie in diesem Jahr an der IAA in Frankfurt. Weil die Stimmung nach Dieselskandal und Kartellverdacht miserabel ist, malen Männer wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, VW-Boss Matthias Müller und BMW-Vorstand Harald Krüger beim Heimspiel in Frankfurt wenigstens die Zukunft in schillernden Farben: Designstudien und Technologieträger mit visionärer Strahlkraft sollen beweisen, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Dabei setzen die Platzhirsche vor allem auf zwei Karten: Den Elektroantrieb und das autonome Fahren – und oft wird beides kombiniert. So zeigt Daimler mit dem lenkradlosen Smart Vision EQ, wie sich der Erfinder des Automobils das Robotaxi vorstellt, und lässt dafür eine gläserne Knutschkugel auf die Bühne rollen, die man nur noch benutzen, aber nicht mehr besitzen kann. Audi dagegen wechselt ins andere Extrem, macht den A8 von übermorgen zur Langstrecken-Lounge Aicon.

Alle gegen den Neuling aus Kalifornien

Etwas näher an der Realität sind die Elektroautos mit Lenkrad, die vor allem auf einen Hersteller zielen, der in Frankfurt omnipräsent und trotzdem nicht auf der Messe ist: Tesla. Der elektrische Vormarsch des Neulings aus Kalifornien soll gestoppt werden: Mit dem für 600 Kilometer ausgelegten Vision iDynamic im Format des BMW-4ers, dem Mercedes EQ A mit 400 Kilometern Aktionsradius, dem GLC mit Brennstoffzelle oder den Updates von Audi e-Tron und VW ID Crozz soll dem Model 3 Paroli geboten werden. Daimler-Chef Zetsche verbannt bei Smart sogar zum Ende des Jahrzehnts den Verbrennungsmotor komplett. Zwar werden all diese Konzepte als «seriennah» oder wie der GLC F-Cell sogar schon als Vorserie gehandelt. Doch bis sie dann tatsächlich auf die Strasse kommen, wird es doch noch dauern. Im besten Fall 2019, oft sogar erst 2020, und danach gehen die deutschen Hersteller im grossen Stil ans Netz. Bei den autonomen Visionen ist der Horizont 2030.

Weil die schöne neue Welt noch auf sich warten lässt und der Weg dahin auch finanziert werden muss, zeigen die Hersteller auf der IAA jede Menge neuer Autos, die man bald kaufen kann. Nur sind die halt nicht ganz so unkonventionell wie die visionären Studien. Dafür allerdings haben viele von ihnen eine Eigenschaft, die in Zeiten wie diesen nötiger ist denn je: Die allermeisten Serienpremieren sind SUV.

Viele Geländegänger des VW-Konzerns

Angeführt wird die Flut der Geländewagen vom VW-Konzern: Am unteren Ende der Skala stehen der VW T-Roc sowie der Seat Arona und der ziemlich genau in der Mitte angesiedelte Skoda ­Karoq und am oberen Ende die dritte Auflage des Cayenne, ohne Diesel.

Dazu gibt es von BMW einen neuen X3 und den Ausblick auf den überfälligen X7, die Koreaner wollen mit dem Doppel Hyundai Kona und Kia Stonic die Stadt erobern, Citroen setzt in dieser Liga auf den C3 Aircross, und von Dacia kommt als Kampfansage an alle gebrauchten Kraxler ein neuer Duster, der einmal mehr zum billigsten Geländewagen im Land werden will.

Wenn es denn partout ohne Abenteueroptik sein darf, empfehlen sich in diesem Herbst ebenfalls eher vernünftige Autos – allen voran der neue VW Polo oder die für koreanische Marken überraschend leidenschaftlich gezeichneten Hyundai i30 Fastback und Kia Stinger. Weiter oben wird die Luft dagegen eher dünn. Denn ausser der neuen ­Generation des Audi A8, der mit seinem Staupiloten die grösste ­Brücke zum autonomen Fahren schlägt, gibt es in der Oberklasse allenfalls Modellpflegen und -varianten. So hat Mercedes Coupé und Cabrio der S-Klasse überarbeitet, und BMW lässt einen neuen M5 von der Leine, der seine 600 PS zum ersten Mal mit Allradantrieb auf die Strasse bringt.

Auch Autos zum Träumen

Natürlich ist die IAA auch wieder eine Messe für Träumer. Nicht umsonst zeigt Bentley die neue Generation eines noch feudaleren und flotteren Continental, und Ferrari verspricht den Besserverdienern mit dem neuen Portofino einen noch schöneren Platz an der Sonne. Der Hyundai i30N gilt als GTI-Killer und ein Renault Mégane RS als Kampfansage gegen Golf R und Ford Focus RS. Doch der absolute Überflieger kommt in diesem Jahr aus Stuttgart. Denn pünktlich zum 50. Geburtstag zieht die Mercedes-Schwester AMG auf der IAA das Tuch vom «Project One» und verspricht mit diesem über ­ 1000 PS starken Hypercar zum ersten Mal ein Formel-1-Auto mit Strassenzulassung. Denn unter der ultraflachen Coupéhülle aus Karbon steckt der Antrieb von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton.

Zwar passt so ein Auto nicht ganz so recht zum Aufbruch in eine neue Zeit. Doch der Silberpfeil hat erstens neben einem V6-Benziner noch vier Elektromotoren und fährt immerhin 25 Kilometer ohne Strom. Und zweitens ist auch der Project One nur eine kühne Vision. Denn bis der Wagen für knapp drei Millionen Euro in einer Auflage von 275 Exemplaren gebaut wird, dauert es noch knapp anderthalb Jahre.

Elektrisch: der Audi Q7 e-tron quattro. (Bild: Keystone)

Elektrisch: der Audi Q7 e-tron quattro. (Bild: Keystone)

Die Stadt erobern mit dem Hyundai Kona. (Bild: Keystone)

Die Stadt erobern mit dem Hyundai Kona. (Bild: Keystone)

«Project One» von AMG. (Bild: Keystone)

«Project One» von AMG. (Bild: Keystone)

Mercedes-Maybach (Bild: KeystoneVOGEL (EPA))

Mercedes-Maybach (Bild: KeystoneVOGEL (EPA))

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