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Diese Designerinnen machen Schweizer Bademode

Schweizer Bademode ist auf dem Markt noch die Ausnahme. Vier junge inländische Labels möchten das ändern. Sie setzen auf nachhaltige Produktion und eine eigene modische Handschrift.
Laura Widmer
Verspielte Designs von Madame Pierre. (Bild: Lorenz Walter)

Verspielte Designs von Madame Pierre. (Bild: Lorenz Walter)

Die Anforderungen an Badekleider und Bikinis sind hoch: Sie müssen sitzen und die weiblichen Rundungen vorteilhaft betonen, dürfen in der Sonne nicht bleichen oder ausleiern, und müssen auch das wiederholte Bad im Chlor des Swimmingpools aushalten. Ach, und schön aussehen sollten sie natürlich ebenfalls. Dieses Jahr besonders in:

  • Hohe Beinausschnitte im Stil der 1980er-Jahre
  • Grafische Muster, ob farbig oder schwarz-weiss
  • Mehrfach gekreuzte Träger
  • Cutouts

Einige junge Labels versuchen sich nun an Bademode designed in Switzerland und setzen dabei auf fair produzierte oder recycelte Modelle, verspielte Formen oder starke Farben.

Bekanntester Vertreter für Schweizer Bademode war lange die Marke Lahco. Das Bademodelabel setzte immer auf Retro-Chic. Im vergangenen Jahr ging die Marke in Konkurs und wurde kürzlich vom Balgacher Textilunternehmen Rohner gekauft.

Stoffe aus Italien und der Schweiz

Die Bademode und Unterwäsche von Sabrina Peters Label Madame Pierre wird vom ersten bis zum letzten Handgriff in Rapperswil hergestellt. Sie ist mit ihrem Geschäftsmodell eine Ausnahme. In der Schweiz wird kaum Bademode produziert. Ein Grund dafür ist die fehlende Infrastruktur. Wenn immer möglich, verwendet sie für ihre Lingerie Stoffe aus der Schweiz, gerne auch St. Galler Spitze. Bei der Bademode arbeitet sie mit italienischen Stoffen: «Diese sind qualitativ die besten.» Auch Stoffdrucke werden in ihrem Atelier entworfen und in Deutschland umgesetzt. «In der Schweiz gibt es leider keine Firma, die das Inkjet-Druckverfahren in dieser Art durchführt.»

Die Bademode von Volans wird in Kroatien produziert. (Bild: PierLuigi Macor)
Nathalie Schweizer entwirft ihre Bademode in Zürich.
Die Modelle des Labels Pura können gewendet werden.
Die Bademode des Labels Madame Pierre werden in Rapperswil hergestellt. (Bild: Lorenz Walter)
8 Bilder

Bademode aus der Schweiz

Bei der Auswahl der Muster setzt die 28-Jährige nicht auf kurzweilige Trends: «Meine Kundinnen sollen die Modelle länger als eine Saison tragen können.» Den gerade angesagten Kaktusprint etwa findet man auf den Bikinis von Madame Pierre nicht, stattdessen in der neuen Kollektion etwa zarte Blumenmuster. Die Handanfertigung hat ihren Preis: Ein Bikiniset kostet rund 380 Franken.

Über 40 Jahre Erfahrung

Bademode für sportliche Frauen in einem ähnlichem Preissegment macht Nathalie Schweizer. Sie entwirft in Zürich unter ihrem eigenen Namen Bademode. Die gelernte Damenschneiderin konzentriert sich seit sieben Jahren auf Bademode. Ihre Modelle sollen dank guter Schnitte bequem sein, dazu farbig und elegant. Sie lässt ihre Entwürfe in Italien schneidern. «In der Schweiz habe ich leider keine Firma gefunden, die für die dehnbare Verarbeitung von Bademode ausgerüstet ist», sagt sie.

Auch Mira Blazevic lässt im Ausland nähen. Die Bademode ihres Labels Volans entwirft die 67-Jährige im Atelier in Zürich Altstetten an der Schneiderpuppe. Volans verkauft klassisch-elegante Bademode in einer reduzierten Farbpalette. Mira Blazevic lernte ihr Handwerk bei der Firma Calida und war über 40 Jahre lang bei Lahco als Schneiderin tätig. Mira Blazevic arbeitet bei Volans mit ihrer Tochter zusammen, die sie im Marketing und der Administration unterstützt.Sie sagt:

«Es wäre toll gewesen, in der Schweiz zu produzieren. Finanziell hätte das für unser Label aber nicht funktioniert.»

Hergestellt werden die Modelle von einem Familienunternehmen in Kroatien mit rund 50 Mitarbeitern. «Dort ist das Know-how im textilen Bereich gross», sagt Mira Blazevic. In der Schweiz gebe es nicht mehr genug Fachkräfte für das Nähen von Bademode.

Image als Hochpreisland

Die Bezeichnung Swiss Made hat in den vergangenen Jahren im Handel an Bedeutung gewonnen. Bei Volants ist es Alleinstellungsmerkmal und Teil der Marke, dass die Modelle der Marke in der Schweiz designt und in Europa hergestellt werden. Die Vermarktung als Produkt aus der Schweiz ist aber nicht für alle Labels von Vorteil. Wer seine Modelle ins Ausland verkauft, kämpft mit dem Image der Schweiz als Hochpreisland. Laut Sara Zbinden, deren Label Pura neben der Schweiz unter anderem in Deutschland und Österreich verkauft wird, werden Kundinnen davon eher abgeschreckt. Die 25-Jährige sagt:

«Das Etikett Schweiz bedeutet häufig auch einen höheren Preis»

Die Modelle von Pura sind schlicht, ohne Einlagen oder Bügel, und können gewendet werden. Ausserdem werden ausschliesslich recycelte Materialien verwendet. Sara Zbinden will, dass ihr Label erschwinglich bleibt: «Meine Kundinnen sind meistens junge Frauen zwischen 20 und 35 Jahren, die Wert auf eine nachhaltige Produktion legen.» Sie zahlen bei Pura rund 80 Franken für ein Oberteil. Die studierte Betriebswirtschafterin geht bei der Vermarkung mit der Zeit. Sie nutzt intensiv soziale Medien wie Instagram und geht Kooperationen mit Bloggern ein, die zu ihrer Zielgruppe passen. Darunter ist auch Madeleine Alizadeh, die in Österreich einen erfolgreichen Blog führt und zusammen mit Pura eine eigene Mini-Kollektion entworfen hat.

Die Märkte in der Schweiz und den deutschsprachigen Nachbarländern unterscheiden sich laut Zbinden nicht stark voneinander. Die Szene derer, die sich für nachhaltige Mode interessieren, sei aber in Deutschland grösser als hierzulande. «In der Schweiz hätten viele die finanziellen Mittel, um Produkte aus nachhaltiger Produktion zu kaufen.» Sara Zbinden sagt, dass eine inländische Produktion preislich möglich wäre: «Die Kosten sind bei einer fairen Produktion immer hoch, ob in der Schweiz oder in Italien.»

Verkauf übers Internet und im Geschäft

Alle vier Labels sind noch relativ neu auf dem Markt, Volans gibt es erst seit Sommer 2017. Beim Vertrieb setzen die vier Labels auf den Onlinehandel. Nathalie Schweizer verkauft ein ausgesuchtes Sortiment auch in Boutiquen in Basel, Luzern oder Zürich, Volans ist in grossen Globusfilialen vertreten.

Die Stückzahlen der vorgestellten Labels sind klein und die Auswahl an Grössen ist für Frauen mit grosser Oberweite nicht ideal. In der Konstruktion sind diese Modelle aufwendiger als die kleinen Grössen. Noch ist Bademode aus der Schweiz die Ausnahme auf dem Markt. Dank innovativer einheimischer Designerinnen ändert sich das hoffentlich bald.

Webshops der Labels unter: www.volans.ch, www.madamepierre.ch, www.nathalieschweizer.ch, www.puraclothing.com

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