Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BALEAREN: Menorca: Mallorcas schöne Schwester

Menorca muss man sich erwandern. Man trifft dabei auf traumhafte Buchten und geschützte Naturgebiete, die Heimat bieten für seltene Vogelarten. Dazu locken guter Käse und Gin.
Text und Bilder: Lioba Schneemann
Auf einer Kajak-Tour lässt sich die Südküste der Insel mit ihren Meereshöhlen, Steilklippen und unberührten Sandstränden entdecken.

Auf einer Kajak-Tour lässt sich die Südküste der Insel mit ihren Meereshöhlen, Steilklippen und unberührten Sandstränden entdecken.

Text und Bilder: Lioba Schneemann

Wer Menorca salopp die «kleine Schwester» Mallorcas nennt, tut der Insel unrecht. Sowieso sollte man nicht ver­gleichen. «Die ganze Schönheit von Menorca und die Vielseitigkeit ist nicht auf den ersten Blick erkennbar», sagt Ralf Freiheit, versierter Wanderleiter und Menorca-Kenner. Er nennt es «bescheidene Zurückhaltung», und dass die Insel ein bisschen widerwillig etwas von ihren Geheimnissen preisgebe. Der Wahl-­Menorquiner weiss, wovon der spricht. Mitte der 80er-Jahre blieb er hier «irgendwie hängen», so die Wortwahl, und so kam es, dass er seit 25 Jahren als ­Reiseführer vor allem deutschsprachige Touristen durch die abwechslungsreichen Landschaften des spanischen Eilandes begleitet. «Natürlich sind wir vor­wiegend zu Fuss unterwegs. Menorcas Schätze kann man so am besten und schön ‹a poc a poc› erobern», stellt er mit einem breiten Lachen fest.

Langsamkeit entdecken

Slow. Ein Wort, das zur Insel und den Menschen passt. Denn in Menorca ­scheinen die Uhren langsamer zu gehen. Wozu auch hetzen? Nur der Wind scheint ein rasantes Tempo zu bevorzugen. Tramontana nennt man ihn und er fegt gemäss offizieller Statistik an rund 180 Tagen im Jahr von Norden her über sanfte Hügel und durch lichte Wälder. Eigentlich weht es von allen Himmelsrichtungen her die meiste Zeit des Jahres über, mal mehr, mal weniger stark. Stumme Zeugen des Windes sind viele Pflanzen, die sichAABB22buchstäblich vor dem Wind ducken müssen.

Entschleunigend für den Menschen wirkt sicherlich die Tatsache, dass es nur eine grosse Strasse gibt, die von der Westküste nach Südosten führt. Sie verbindet die sehenswerte ehemalige Hauptstadt Ciutadella mit der Stadt ­Mahón, wo sich nicht nur der kleine Flughafen befindet, sondern eine gemütliche hübsche Altstadt sowie der grösste Naturhafen des Mittelmeeres. Man durchquert dabei eine landwirtschaftlich geprägte und mit Steinmauern bestückte hügelige Landschaft, die häufig von ­wilden Olivenbäumen, Steineichen- und Pinienwäldern oder hier und da von Feuchtgebieten unterbrochen wird. «Die Landstrasse teilt die Insel sozusagen in zwei Teile, die sich durch die Geologie und Geografie deutlich unterscheiden», erklärt Ralf Freiheit. Das Terrain im Norden, ebenfalls nach dem Wind Tramuntana genannt, weist sanftere Hügel auf, während der Süden – wen wundert es?AABB22– nach dem hier herrschenden Südwind Migjorn genannt, aus einer flachen Kalksteinebene besteht. Beeindruckend sind die vielen Steilküsten sowie die lang­gezogenen Schluchten, die an oft ein­samen Stränden oder ökologisch wertvollen Feuchtgebieten enden. Und dazu lockt das immerzu glasklare Meer, das zum Baden, Schnorcheln, Kajakfahren oder Segeln einlädt.

An der Küste kann man, ausser an einem Abschnitt südlich von Mahón, nicht entlangfahren. An zahlreiche Buchten gelangt man nur zu Fuss oder mit dem Velo, manche sind nur mit einem Boot erreichbar. Ein wahrer Glücksfall für Menorca, betont Ralf Freiheit: «Ihr grösstes Gut ist die weitgehend ursprünglich erhaltene Natur- und Kulturlandschaft. Und die Menorquiner haben glücklicherweise früh genug dafür gesorgt, dass dieses Erbe erhalten bleibt. Seit dem Jahr 1991 sind 46 Prozent der Inseloberfläche unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt und somit vor Bauboom und Spekulation geschützt. Meeresschutzgebiete im Norden beziehen auch Ökosysteme unter Wasser mit ein. Ebenso ist Menorca seit dem Jahr 1993 ein Unesco-Biosphärenreservat. Im Zentrum steht dabei das grosse Feuchtgebiet im Naturpark S’Albufera des Grau nördlich von Mahón, das ideale Bedingungen zur Vogelbeobachtung bietet. Es empfiehlt sich der Besuch am frühen Morgen oder in der Abenddämmerung. Der 5000 Hektar grosse Naturpark ist eine flache Küstenlagune, die Lebensraum für Wasserpflanzen, Fischarten und einer grossen Anzahl von Wasservögeln wie etwa Fischadler, Balearen-Sturm­taucher, Blässhuhn und vielen Enten­arten bietet. Zum ornithologischen Schatz Menorcas gehören grosse Kolonien von Mittelmeermöwe und Korallenmöwe sowie einer Unterart der Krähenscharbe, die zur Familie der Kormorane gehört. Dünen, Seegraswiesen und küstennahe Inselgruppen sowie temporäre Feuchtgebiete tragen zur Vielfalt dieses Gebietes bei. Aufgrund der Dürre, des Windes und des Salzes ist das Gebiet ein Paradies für diverse endemische Tiere und Pflanzen. Eine typische Pflanze und Symbol der menorquinischen Vegetation, und auch kaum zu übersehen, sind die Soccarells, polsterartig wachsende niedrige Sträucher mit stark verdornten Zweigen.

Paradiesischer Küstenweg

Dass Menorca ein Kuh- und damit auch ein Käseparadies ist und sich dieser kaum hinter Schweizer Käse verstecken muss, überrascht dann doch. «Queso de Mahón-Menorca» heisst der bekann­teste Käse mit Butter- und Nussaromen, der in quadratischer Form mit abgerundeten Kanten verkauft wird. Es ist das ­älteste Produkt der Balearen mit geschützter Ursprungs­bezeichnung. Im 18.AABB22Jahrhundert war er das begehrteste Handelsgut der Insel und führte zur Einführung des Berufs des Käsereifers. Ein ebenso bekanntes Produkt ist GinAABB22– ein Erbe der einstigen englischen Herrschaft. Der Wacholder wird nach wie vor eingeführt, da sich der menorquinische nicht eignet. Die Engländer sind auch heute noch sehr präsent, bilden sie doch neben den Spaniern die häufigste Touristengruppe. Am besten erkundet man die Insel weitgehend zu Fuss und, wie die meisten Destinationen des Südens, in der Vor- oder Nachsaison. Wanders­leute und Biker trifft man vor allem auf dem historischen Weg «Cami (Accent) de ­Cavalls». Er diente einst Patrouillen­reitern zur Kontrolle der Küstenregion, um die Insel vor Piratenangriffen zu warnen. Dank des Engagements der Menorquiner ist der 185 Kilometer lange Weg seit 2010 wieder vollständig begehbar. Auf gut gekennzeichneten 20 Etappen kann man ihn unter die Füsse nehmen. Wer glaubt, der Weg sei aufgrund fehlender Berge auf Menorca flach, irrt sich. Auf einer Tagesetappe kann man gut und gerne mal 400 Höhenmeter, mit einem Mountainbike bei längeren Etappen leicht über 1000 Höhenmeter bewältigen. Vor allem in der Nebensaison lässt Menorca fast keine Wünsche offen. Dann findet man Stille, Vielfalt und Schönheit auf engstem Raum vor.

Diese Individualreise wurde durch Menorca Tourismus finanziert.

Der alte Steinbruch Lithica bei Ciutadella ist beeindruckend. (Bild: Lioba Schneemann)

Der alte Steinbruch Lithica bei Ciutadella ist beeindruckend. (Bild: Lioba Schneemann)

Die Altstadt von Mahón ist einen Besuch wert. (Bild: Lioba Schneemann)

Die Altstadt von Mahón ist einen Besuch wert. (Bild: Lioba Schneemann)

Die Inselhauptstadt Mahón liegt am zweitgrössten Naturhafen der Welt. (Bild: Lioba Schneemann)

Die Inselhauptstadt Mahón liegt am zweitgrössten Naturhafen der Welt. (Bild: Lioba Schneemann)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.