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BALKAN: Die schöne Unbekannte wandelt sich

Albanien ist als Reisedestination noch weitgehend unbekannt. Umso mehr gibt es zu entdecken: die «Riviera», unberührte Berglandschaften, Altstädte zum Flanieren und antike Ausgrabungsstätten.
Altstadt von Gjirokastra – bedeutendes Beispiel städtischen Gesellschaftslebens auf dem Balkan in der osmanischen Zeit. (Bild: Silvia Bucher)

Altstadt von Gjirokastra – bedeutendes Beispiel städtischen Gesellschaftslebens auf dem Balkan in der osmanischen Zeit. (Bild: Silvia Bucher)

Barbara Inglin (Text) und Silvia Bucher (Bilder)

Das Land ist im Aufbruch. Da wird eine neue Schnellstrasse gebaut, dort qualmen noch die Kamine einer Stahlfabrik aus kommunistischer Zeit. In der Hauptstadt Tirana stöckeln die jungen Frauen in kurzen Röcken auf hohen Absätzen in die Nachtclubs, auf dem Land arbeiten die Bäuerinnen in traditioneller Kleidung und mit einfachsten Mitteln auf den Feldern. Alte Mercedes und Eselgespanne kreuzen auf den staubigen Strassen, Hirten treiben ihre Schafe voran, Bauern bieten an den Kreuzungen ihr Gemüse feil. Eine funktionierende Abfallentsorgung ist erst im Aufbau. Hotelkomplexe und Hochhäuser spriessen aus dem Boden, daneben bröckeln die Plattenbauten vor sich hin. Gruppen von älteren Männern bevölkern die öffentlichen Plätze und schauen dem Laufe der Zeit zu, die Jungen polieren ihre Karossen in den allgegenwärtigen Autowaschanlagen auf Hochglanz. Reiseführer und Strassenkarten veralten schneller, als sie nachgedruckt werden.

25 Jahre nach dem Sturz des diktatorischen Hoxha-Regimes, welches das Land komplett isolierte, erlebt man Albanien derzeit mitten im Wandel.

Antikes Butrint auf der Halbinsel

Wir beginnen unsere Rundreise im Süden des Landes, an der «albanischen Riviera». Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb, Touristen aus Albanien und den Nachbarländern haben die Küste längst für ihre Ferien entdeckt.

Während der Diktatur sind die Albaner hier übers Meer geflüchtet, erzählt der Taxifahrer und zeigt auf die an dieser Stelle nur wenige Kilometer entfernte griechische Insel Korfu. Wir haben den Weg anders herum gemacht: Da es aus der Schweiz keine Direktflüge nach Albanien gibt, bietet sich in den Sommermonaten ein Flug nach Korfu an, von wo mehrmals täglich Fähren für die rund einstündige Überfahrt ins albanische Saranda ablegen.

Das touristische Zentrum der Region lässt man am besten schnell hinter sich. Der Bauboom in und um die Stadt ist unübersichtlich. Lange Sandstrände und versteckte Badebuchten findet man entlang der ganzen «Riviera» bis hinauf zum kurvenreichen Llogorapass. Gleich hinter dem Strand steigen die Flanken der Küstenkette jeweils steil in die Höhe.

Lohnenswert ist ein Ausflug ins nur wenige Kilometer südlich von Saranda gelegene Butrint. Griechen, Römer und Osmanen haben in der antiken Stadt ihre Spuren hinterlassen. Die Ausgrabungen liegen malerisch auf einer bewaldeten Halbinsel und stehen unter dem Schutz der Unesco.

Spuren des Diktators

Nach einer guten Fahrstunde ins Landesinnere erreichen wir die Stadt Gjirokastra, die man auf einer Albanien-Rundreise auf keinen Fall verpassen sollte. Diktator Enver Hoxha (1908–1985) hatte seinen Geburtsort zur «Museumsstadt» ernannt, weshalb die osmanische Altstadt anders als an vielen anderen Orten relativ gut erhalten ist. Silbrig-graue Schieferplatten bedecken die Häuser, gemusterte Kopfsteinpflaster zieren die steilen Gassen, über allem thront mächtig die Festung der Stadt. Tagsüber wimmelt es in der Basarstrasse von Touristen, am Abend hat man die Gässchen für sich.

Über Tirana reisen wir weiter in den Norden des Landes. An Sehenswürdigkeiten hat die Hauptstadt wenig zu bieten. Eindrücklich ist aber, wie hier noch stärker als im Rest des Landes Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen.

Auf dem Hauptplatz der Stadt thront der Nationalheld Skanderbeg (1405–1468) hoch zu Ross, rundherum braust lautstark der Verkehr auf den von den Kommunisten grosszügig angelegten Alleen. Aus der Moschee in der Ecke des Platzes ruft der Muezzin zum Gebet. Im Kulturpalast daneben besuchen wir für umgerechnet gerade einmal fünf Franken eine erstklassige Ballettaufführung. Baukräne und moderne Hochhäuser aus Stahl und Glas ragen in den Himmel. Das in der kommunistischen Ära völlig abgeriegelte Luxus-Quartier Blloku gilt heute als Partymeile, das ehemalige Enver-Hoxha-Museum dient als Kulisse für Popkonzerte.

Auf dem Velo, ohne Bremsen

Ruhiger als in der Hauptstadt geht es im Norden zu und her. In der Stadt Shkodra sind Jung und Alt mit dem Velo unterwegs – für Erkundungen in der näheren Umgebung tut man es den Einheimischen am besten gleich. Der Hotelbesitzer kann uns zwar nur zwei Velos ohne Bremsen anbieten. Doch bei dem gemächlichen Fahrtempo hier spiele das keine Rolle, meint er – und behält Recht. Mit dem Velo bequem zu erreichen ist unter anderem die Burgruine Rozofa. Von deren Zinnen aus hat man einen herrlichen Blick auf die Flusslandschaften, welche die Stadt umgeben. Auch ein Badeausflug zum Skutarisee steht auf dem Programm.

Das Zentrum der Stadt bietet einige schmucke Gassen zum Flanieren. Viele Stadtviertel, inklusive Moscheen und Kirchen, wurden von den Kommunisten aber leider zerstört.

Hinauf in die albanischen Alpen

Für Naturliebhaber unverzichtbar ist ein Ausflug in die nördlich von Shkodra gelegenen albanischen Alpen mit ihren hochalpinen, kargen Berglandschaften. In den Nationalparks gibt es markierte Wanderwege. Wer nicht mit dem Minibus anfahren will, braucht hier unbedingt einen Vierradantrieb. Besonders eindrücklich ist auch eine Bootsfahrt auf dem Koman-Stausee, der sich wie ein Fjord zwischen den Bergen schlängelt. Die Felswände steigen zu beiden Seiten steil in die Höhe, das Wasser ist von einem einzigartigen tiefen Blau.

Hilfe aus dem Familienclan

Auch wenn die touristische Infrastruktur vielerorts erst im Aufbau ist, Albanien ist einfach zu bereisen. Hotels und Restaurants finden sich fast überall. Eine gewisse Spontanität, Offenheit und genügend Zeit sollte man allerdings mitbringen. Obwohl das Land mit 28 748 Quadratkilometern zu den kleinsten Europas gehört, kommt man gerade in bergigen Gebieten nur langsam voran. Eine Tourist Information, die ihren Namen verdient, oder organisierte Tagesausflüge sucht man meist vergebens. Das mit privaten und öffentlichen Anbietern eigentlich gut ausgebaute Busnetz ist für Ausländer schwierig zu durchschauen.

Ein Problem ist dies in der Praxis aber nicht. Der Hotelbesitzer hilft auf Anfrage jeweils gerne weiter und bietet gleich ein Mitglied aus dem gut vernetzten Familienclan auf, welches einen zuverlässig zum gewünschten Busterminal oder Ausflugsziel bringt.

Im Mietauto von der «Riviera» bis in die Alpen

Bild: Karte: oas

Bild: Karte: oas

Anreise:Aus der Schweiz gibt es keine Direktflüge nach Albanien. In den Sommermonaten empfiehlt sich ein Flug nach Korfu, von wo es tägliche Fährverbindungen nach Albanien (Saranda) gibt. Wer mit dem Auto oder der Bahn anreist, fährt über den Balkan oder nach Italien, wo es unter anderem von Ancona, Triest und Bari Fährverbindungen nach Albanien gibt. Die Anreise mit der Bahn auf dem Landweg ist allerdings kompliziert. Das ohnehin spärliche Eisenbahnnetz Albaniens ist nicht mit den angrenzenden Ländern verbunden.

Einreisebestimmung: Es ist kein Visum erforderlich. Pass oder ID müssen mindestens noch ein halbes Jahr gültig sein.

Beste Reisezeit: In Albanien herrscht Mittelmeerklima. Die ideale Reisezeit dauert von Mai bis Oktober. Die Temperaturen liegen dann meist über 20 Grad, und es regnet wenig. Im Juli und August steigen die Temperaturen an der Küste auf über 30 Grad, und es herrscht Hochbetrieb, weil viele Auslandalbaner die Ferien in der Heimat verbringen. Etwas frischer und weniger hektisch geht es im Landesinnern und im Gebirge zu und her.

Verkehrsmittel: In den meisten grösseren Städten können Autos gemietet werden. Die Qualität der Strassen kann stark variieren, für Fahrten ins Gebirge ist unbedingt ein Vierradantrieb notwendig. Das Busnetz ist gut ausgebaut. Die veralteten Züge verkehren nur noch auf wenigen Strecken und in sehr gemütlichem Tempo – nur etwas für eingefleischte Bahnfans.

Währung: Albanische Lek (1 Franken entspricht ca. 128 Lek).

Sprache: Albanisch, vor allem die Jüngeren sprechen meist auch Englisch oder Italienisch.

Religion: Zur Zeit des Kommunismus bis 1990 war jegliche Religionsausübung verboten. Heute sind rund 60 Prozent der Bevölkerung Moslems, gegen 20 Prozent gehören einer christlichen Glaubensrichtung an. Die Toleranz unter den Glaubensgemeinschaften ist gross.

Berge erheben sich direkt aus dem Meer – an der albanischen Küste in der Grenzregion zu Montenegro. (Bild: Silvia Bucher)

Berge erheben sich direkt aus dem Meer – an der albanischen Küste in der Grenzregion zu Montenegro. (Bild: Silvia Bucher)

Tirana mit dem Skanderbeg-Platz, dem wichtigsten Platz der Hauptstadt. An der Fassade des Nationalmuseums prangt das grosse Shqiptarët-Mosaik. (Bild: Silvia Bucher)

Tirana mit dem Skanderbeg-Platz, dem wichtigsten Platz der Hauptstadt. An der Fassade des Nationalmuseums prangt das grosse Shqiptarët-Mosaik. (Bild: Silvia Bucher)

Dhërmi, eines der charmanten Bergdörfer an der «Riviera», nahe der Grenze zu Griechenland. (Bild: Silvia Bucher)

Dhërmi, eines der charmanten Bergdörfer an der «Riviera», nahe der Grenze zu Griechenland. (Bild: Silvia Bucher)

Altstadt von Gjirokastra – bedeutendes Beispiel städtischen Gesellschaftslebens auf dem Balkan in der osmanischen Zeit. (Bild: Karte: oas)

Altstadt von Gjirokastra – bedeutendes Beispiel städtischen Gesellschaftslebens auf dem Balkan in der osmanischen Zeit. (Bild: Karte: oas)

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