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Bei Paul Cézanne in Aix-en-Provence

Aix war einst die Hauptstadt der Provence und profitiert bis heute von der Glanzzeit seiner Geschichte. Gut erhaltene Bausubstanz und die Spuren seines berühmten Malers Paul Cézanne lohnen eine Reise. Hier kann man Cézannes Atelier, seinen Lieblingsaussichtspunkt und weitere Orte besuchen, die für seine Kunst zentral waren.
Text und Bilder: Peter Granwehr
Markt auf der Place Richelme: ein bunter Spiegel der kulinarischen Vielfalt.Markt auf der Place Richelme: ein bunter Spiegel der kulinarischen Vielfalt.
Flügelaltar in der Kathedrale mit Roi René links und seiner zweiten Gattin Jeanne rechts.Flügelaltar in der Kathedrale mit Roi René links und seiner zweiten Gattin Jeanne rechts.
Beim Steinbruch Bibémus malte Cézanne in einem kleinen Haus im Wald.Beim Steinbruch Bibémus malte Cézanne in einem kleinen Haus im Wald.
In diesem Atélier arbeitete der «Vater der modernen Kunst» in seinen letzten Jahren.In diesem Atélier arbeitete der «Vater der modernen Kunst» in seinen letzten Jahren.
Lourmarin vom Schloss aus betrachtet: Es zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs und zog berühmte Künstler an.Lourmarin vom Schloss aus betrachtet: Es zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs und zog berühmte Künstler an.
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Bei Paul Cézanne in Aix-en-Provence

Väterlich-streng steht er da auf dem Brunnen am östlichen Ende des Cours Mirabeau, dem von Platanen beschatteten Prachtsboulevard von Aix: Der «gute König René» aus der Glanzzeit der Stadt gegen Ende des 15. Jahrhunderts. In der linken Hand eine Muskatellertraube, die er – ebenso wie die Seidenraupenzucht – in der Provence eingeführt haben soll. Und noch etwas: Um seiner zweiten Frau Jeanne de Laval ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern, beauftragte René einen Konditor, ein aussergewöhnliches Konfekt zu erfinden. Entstanden sind die Calissons in Form eines Weberschiffchens aus Mandeln, kandierten Melonen und Orangen – seit 1990 geschütztes Kulturerbe der Stadt. Die Geschichte dahinter findet sich in der Kathedrale Saint-Sauveur in Form eines wertvollen Flügel­altars, auf dem René und Jeanne 1476 in leuchtenden Farben dargestellt wurden.

Barockes Nobelviertel

Das Denkmal für René ist ein guter Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden. Der Cours Mirabeau wurde 1651 anstelle der alten Stadtmauer angelegt. Er trennt die mittelalterliche Stadt mit ihren verwinkelten Gassen im Norden vom noblen Quartier Mazarin im Süden, in dem die Strassen schnurgerade verlaufen und sich im rechten Winkel mit den Querstrassen schneiden. Entsprechend finden sich auf der einen Seite des Cours Mirabeau vornehme Stadtpalais aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Dahinter, im Zentrum des Quartiers, liegt die Place des Quatre Dauphins, geschmückt von einem runden Brunnen mit vier Delfinskulpturen. Unweit davon befindet sich einer der prächtigsten Paläste von Aix: Das Hôtel de Caumont Centre d’Art mit einem eleganten Eingangshof und auf der hinteren Seite mit einem zweistufigen französischen Garten. Im Innern können sechs Räume mit historischer Einrichtung aus dem 18. Jahrhundert besichtigt werden; der Hauptteil des Gebäudes ist als Museum eingerichtet, in dem jährlich zwei Gemäldeausstellungen stattfinden.

Am östlichen Ende des Quartier Mazarin steht die gotische Kirche Saint Jean-de-Malte, daneben die Priorei des Johanniter- oder Malteserordens. Darin befindet sich das Musée Granet, eines der ältesten Museen Frankreichs mit einer archäologischen und einer weiteren bedeutenden Gemäldesammlung. Verbunden damit ist die Sammlung des Schweizers Jean Planque in der nahen ehemaligen Chapelle des Pénitents Blancs.

Altstadt mit Charme

Zurück auf dem Cours Mirabeau passiert man auf der rechten Seite das 1792 eröffnete Café Les Deux Garçons, in dem Paul Cézanne oder Emile Zola verkehrten. Durch die Passage Agard gelangt man zum Palais de Justice und von dort ins Herz der Altstadt zwischen der Place Richelme und der Place des Cardeurs. Auf dem erstgenannten Platz findet jeden Tag ein Gemüsemarkt statt – ein bunter Spiegel der kulinarischen Vielfalt der Provence: Gemüse und Früchte, Oliven (um Aix leben 2000 Olivenbauern), Eier, Käse und Wurstwaren, Knoblauchzöpfe, Seife und aromatische Kräuter.

Nicht zu vergessen der Wein, besonders der Rosé.

Im Norden des Platzes steht die einstige Kornhalle, deren Giebel auf der Vorderseite von zwei barocken allegorischen Reliefs geschmückt wird: der weiblichen Durance und der männlichen Rhône. Diese erkennt man von der Place de l’Hôtel de Ville aus, auf welcher der Blumenmarkt abgehalten wird. Neben dem Kornhaus und dem Rathaus mit Barockfassade wird der Platz vom Uhrturm umgeben. Durch dessen Tor gelangt man zur Place des Cardeurs im italienischen Stil mit Café- und Restaurantterrassen.

Vom Uhrturm aus sind es nur ein paar Schritte zur Kathedrale an der Place de l’Université – der wichtigste Sakralbau der Stadt. Ihr Bau erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte, weshalb sie verschiedene Baustile aufweist. Ins Auge springt zuerst die spätgotische Fassade, doch beim Betreten der Kirche dominiert die Romanik, und auf der rechten Seite befindet sich ein achteckiges Baptisterium aus frühchristlicher Zeit.

Hinter der Kathedrale steht der Palast des Erzbischofs, in dem Wandteppiche aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestellt sind und in dessen Innenhof seit 1948 das Festival von Aix stattfindet. Konzerte finden auch im Innenhof des gegenüberliegenden Hôtel Maynier d’Oppède statt, dessen erster Besitzer aber auch für ein dunkles Kapitel steht.

Cézanne – «Nichts gibt einem mehr»

Aix erinnert sich lieber an seinen berühmtesten Sohn: An den Maler Paul Cézanne, der von Pablo Picasso als «Vater der modernen Kunst» charakterisiert wurde. Cézanne hat seiner Heimatstadt das grösste Kompliment gemacht mit dem Ausspruch: «Wenn man dort geboren ist, ist es vorbei – nichts gibt einem mehr». Aix bedankt sich mit einem vielfältigen Angebot zum Thema Cézanne: Zum einen mit einem zweistündigen markierten Fussweg durch die Stadt vom Geburtshaus bis zum Grab, der alle Orte einbezieht, die er frequentiert hat. Zum andern mit vier Objekten, die mit Cézannes Arbeit zu tun haben: Sein Atelier, in dem er von 1902 bis zu seinem Tod 1906 fast täglich arbeitete, sein Lieblingsaussichtspunkt, von dem aus er 28- mal den Berg Sainte-Victoire festhielt, den verlassenen Steinbruch Bibémus, wo er ein kleines Haus im Wald mietete und ab 1895 einige seiner berühmtesten Bilder malte. Die Führung dort ist absolut empfehlenswert – bei schönem Wetter, weil dann die Farben leuchten, die sich in seinen Bildern wiederfinden: das Blau des Himmels, das Grün der Bäume und das Ocker des Gesteins. Im Musée Granet sind zehn Ölbilder von Cézanne.

Aix als ehemalige Hauptstadt der Provence hat entsprechend viele Bezüge zum Umland. Einer führt uns in den Luberon, einer Bergkette aus Kalkstein nördlich der Durance. Das unwegsame Gebiet war im Spätmittelalter ein Rückzugsort für die wegen ihres Glaubens verfolgten Waldenser, doch das half ihnen 1545 wenig: Das Parlement in Aix (der oberste Gerichtshof) unter seinem Präsidenten Jean Maynier, Baron von Oppède, beschloss die Vernichtung der Waldenser, worauf 19 Dörfer im Luberon zerstört und 3000 Menschen umgebracht wurden. In Oppède-le-Vieux stehen die Ruinen der 1731 von einem Erdbeben zerstörten Burg des Barons, hoch oben an einen Felsen geklebt, darunter eine sehenswerte romanische Kirche. Entlang des Fusswegs dorthin trifft man Häuser aus der frühen Neuzeit an, die in den letzten 50 Jahren wieder bewohnbar gemacht wurden.

Betroffen vom Massaker war auch Lourmarin, das heute zur Kategorie der schönsten Dörfer Frankreichs gehört, ebenso Gordes. Beide besitzen ein Renaissanceschloss und sind einen Besuch wert; Berühmtheiten wie der Maler Marc Chagall, Philosoph Albert Camus und Dichter Henri Bosco hatten sich dort niedergelassen. Den Luberon entdeckt haben in jüngster Zeit auch Investoren aus dem Raum Paris, um Weingüter aufzukaufen, zu erweitern und zu modernisieren. Zugänglich sind zum Beispiel die Domaine des Peyre in Robion oder die Domaine de Fontenille in Lauris. Typisch für das Gebiet sind auch alte Landgüter inmitten der Landschaft, die in Hotelbetriebe umgewandelt wurden, wie etwa die Bastide de Voulonne in Cabrières-d‘Avignon.

Schlafen im Landgut

Anreise: Ab Zürich per TGV mit Umsteigen in Mulhouse in sechs Stunden nach Aix-en-Provence. Von dort per Miet­wagen in einer knappen Stunde in den Luberon.
Unterkunft: Hotel Nègre Coste in Aix-en-Provence an bester Lage am Prachts­boulevard Cours Mirabeau. Im Luberon empfiehlt sich eine Unterkunft auf einem Landgut ausserhalb der Siedlungen, etwa in der Bastide de Voulonne in Cabrières-d’Avignon: www.bastide-voulonne.com
Ausstellungen: In Aix-en-Provence im Caumont Centre d’Art (www.caumont-centredart.com), im Musée Granet (www.museegranet-aixenprovence.fr) und im Château la Coste (www.chateau-la-coste.com).
Allgemeine Infos: www.aixenprovencetourisme.com, www.luberoncoeurdeprovence.com

Die Reise wurde unterstützt von Atout France.

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