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Bewusster Konsum: Fleisch aus Pflanzen

Weltweit wird immer mehr Fleisch gegessen. Das belastet die Umwelt. Fleischalternativen liegen deshalb im Trend. Doch wie gefragt sind Laborfleisch, Mikroalgen oder Plant-Based-Meat wirklich?
Angela Bernetta
Sehen aus wie Würstchen und Burger, bestehen aber aus pflanzlichen Proteinen: Forscher arbeiten am Fleisch der Zukunft. (Bild: PD)

Sehen aus wie Würstchen und Burger, bestehen aber aus pflanzlichen Proteinen: Forscher arbeiten am Fleisch der Zukunft. (Bild: PD)

«Wir brauchen kein Fleisch, um gesund zu leben», sagt Alexander Mathys, Leiter des Labors für nachhaltige Lebensmittelverarbeitung an der ETH Zürich. Gleichwohl wird weltweit so viel Fleisch produziert und gegessen wie nie zuvor. Knapp 30 Kilogramm pro Kopf jährlich gelten als gesundheitlich unbedenklich.

Schweizerinnen und Schweizer haben im vergangenen Jahr durchschnittlich 50 Kilogramm Schaf-, Schweine-, Rindfleisch und Geflügel verzehrt. Das sei zwar weniger als das Jahr davor, vermeldet Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft. Doch einer aktuellen Umfrage zufolge ist die Nachfrage insbesondere nach Fleisch aus der Schweiz ungebrochen.

Ähnlich präsentiert sich die Lage in anderen Industrieländern. Und in Schwellenländern wird mehr und mehr Fleisch gegessen, da sich eine wachsende Mittelschicht Steaks und Co. leisten kann.

Fleischproduktion wächst auf 470 Millionen Tonnen jährlich

Schätzungen zufolge wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf knapp 10 Milliarden Menschen anwachsen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen geht davon aus, dass sich dann die Nachfrage nach Fleisch insbesondere in Schwellenländern nahezu verdreifachen wird. Und damit einher ginge die Produktion von etwa 470 Millionen Tonnen Fleisch jährlich, was fast doppelt so viel wie heute ist.

Doch die Welt wird nicht grösser, der wachsende Fleischkonsum braucht Tiere, diese brauchen Futter und der Futteranbau Agrarland. «Heute werden vier Fünftel des weltweit verfügbaren Agrarlands für Futtermittel genutzt», hält der aktuelle Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung fest.

Tierische Produkte decken aber lediglich etwa ein Fünftel des Kalorienbedarfs der Menschen ab. Doch Nutztierhaltung und die damit einhergehende Futtermittelproduktion belasten Luft, Böden und Gewässer und beanspruchen viel Energie, Fläche und andere Ressourcen.

Insektenlarven als Tierfutter

Um die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern, werden proteinhaltige Fleischalternativen und ebensolches Tierfutter erforscht. So befasst sich ein laufendes Projekt der ETH Zürich und der Wasserforschungsanstalt Eawag in Dübendorf mit Bioabfällen, die an Larven der schwarzen Waffenfliegen verfüttert werden.

«Die Insekten reduzieren Bioabfall innert Tagen um mehr als die Hälfte, verwerten das Futter sehr schnell und wachsen entsprechend», sagt Alexander Mathys, der das Projekt leitet.

«Auch geben diese Larven so genährt eine gute Proteinquelle für Nutztiere ab.»

Und könnten in naher Zukunft Tierfutter wie Soja oder Fischmehl ersetzen. «Herstellungs- und Verarbeitungsmethoden müssen noch verbessert werden», räumt Mathys ein.

Mikroalgen mit so wohlklingenden Namen wie Chlorella und Spirulina sind eine weitere vielversprechende und ressourcenschonende Alternative, die den steigenden Proteinbedarf dereinst fleischlos decken könnte. In Asien haben Algen als Nahrungsmittel eine lange Tradition. Zu Recht, denn bis zu 70 Prozent der Algentrockenmasse bestehen aus wertvollen Proteinen. Darüber hinaus enthalten Mikroalgen mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Vitamine und weitere bioaktive Verbindungen, die sowohl für Lebensmittel als auch für Futtermittel genutzt werden können, wie Studien belegen.

«Und sie brauchen kaum Platz für die Kultivierung», sagt Alexander Mathys, der die Algenproduktion erforscht. Man kann Mikroalgen auf Hausdächern oder in Lagerhallen in grossen Behältnissen züchten, was deren Anbau auch in Städten möglich macht. «Eine effiziente Aufzucht bedingt allerdings gleichmässige Temperaturen und Sonnenlicht», sagt Mathys. Und das ist in unseren Breitengraden nicht immer möglich, wenngleich man diese Bedingungen im Labor mittels LED-Lampen generieren kann. «Die weitere Entwicklung bietet noch viel Raum für Verbesserungen.»

Viel versprechendes «Plant-Based-Meat»

Für Schlagzeilen sorgte kürzlich die Coop-Tochter Bell, da sie sich am niederländischen Start-up Mosa Meat beteiligt, das Rindfleisch im Reagenzglas züchtet. Das Unternehmen will 2021 bezahlbares In-vitro-Fleisch auf den Markt bringen. Unklar ist, ob Konsumentinnen und Konsumenten das Laborfleisch überhaupt essen wollen. Verschiedene Studien aus Europa und den USA kamen zum Schluss, dass lediglich 20 bis 50 Prozent der Verbraucher dazu bereit wären. Für Alexander Mathys ist In-Vitro-Fleisch lediglich einer von vielen Lösungsansätzen, dessen Potenzial sich noch zeigen muss.

«Die derzeit spannendste Fleischalternative ist für mich sogenanntes Plant-Based-Meat, das aus rein pflanzlichen Proteinen hergestellt wird», sagt Christine Schäfer, Food-Forscherin am Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon. «Plant-Based-Meat ist sicher das erfolgsversprechendste Fleischersatzprodukt», sagt auch Mathys. «Gefolgt von Insekten als Nahrungsmittel für Mensch und Tier, Mikroalgen und In-Vitro-Fleisch.»

Letztlich entscheide aber die Nachhaltigkeit über Erfolg oder Misserfolg eines Produkts. «Nachhaltigkeit schliesst auch soziale und ökonomische Aspekte mit ein», sagt er. Die müsse man aber erst noch berechnen lernen. Und dann gelte es, die Konsumierenden vom neuen Produkt zu überzeugen.

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