«Blond» ist seit 60 Jahren in Mode – Wieso die Haarfarbe bei Stars und Normalos gleichermassen beliebt ist

Keine andere Haarfarbe sorgt für so viel Gesprächsstoff wie blond. Und Klischees hin oder her – in jeder Frau steckt eine kleine Blondine.

Deborah Gonzalez
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Trends: Eine Ode an die Natürlichkeit

Nach dem Lockdown sind natürliche Blondtöne gefragt.

Nach dem Lockdown sind natürliche Blondtöne gefragt.

Bild: Tamara Bellis

Erdbeer, Honig – oder doch Apricot? Hier geht es nicht etwa um die nächste Mahlzeit, sondern um Haarfarben.

Spätestens seit die Quarantäne vorbei ist und die vielen Blondinen mit ihren gefühlt kilometerlangen dunklen Ansätzen den Weg zum Coiffeur ihres Vertrauens aufgesucht haben, ist blond wieder Thema. Platinblond, weissblond und das ausgefallene Silber, das die vergangenen Jahre angesagt war, gehören diesen Sommer nicht mehr zu den Trends. Denn 2020 gilt die Devise: Hauptsache natürlich. Sollte es zu einem erneuten Lockdown kommen, wäre der geschlossene Salon kein allzu grosses Problem – und ein pechschwarzer Ansatz dann auch nicht mehr so schlimm.

Der natürliche Balayage-Effekt ist gefragt

Kaum ein Sommer vergeht, ohne dass Blond als die Trendfarbe der Saison gilt. Das ändert auch das Coronavirus nicht, aber es verändert einiges: «Es geht vor allem darum, dass die Blondinen nicht vom Coiffeur abhängig sein wollen», heisst es von Seiten der Haarstylisten.

Aus diesem Grund würden sich dunklere Blondtöne anbieten. Honig-, Erdbeer- und Apricotblond sind mit ihrem orange-roten Unterton natürlicher als hellere Töne. Und: Wenn der Ansatz nachwächst, ist der Unterschied zum gefärbten Haar nicht so gross und es sieht natürlicher aus. Das sei dann ein natürliches Balayage, ein Frisurentrend der vergangenen Jahre, bei dem der Ansatz dunkler ist als der Rest der Haare.

Pflegeleicht sollen sie sein, die neuen Blondtrends. Kein ständiges Nachfärben und schon gar kein aufwendiges Waschritual. So ist man trotz Blondierung auf alle Gegebenheiten vorbereitet –und seien sie noch so widrig.

Mythen: Das ist kein Blondinenwitz

Paris Hilton spielt oft die Rolle des «Dummchens» – und ist damit erfolgreich.

Paris Hilton spielt oft die Rolle des «Dummchens» – und ist damit erfolgreich.

Bild: Keystone

«Blondes Have More Fun» hat Rod Stewart schon 1978 gesungen. Dass Blondinen dumm sind, hat wohl jede schon einmal gehört. Und der eine Blondinenwitz, der ach so lustig ist, hat auch jede mindestens zwei Mal gehört – und natürlich nicht darüber gelacht.

Als Blondine kommt man nicht um diese Klischees herum. Dabei ist es egal, ob es sich um eine gefärbte oder echte Blondine handelt. Den Unterschied erkennen die meisten sowieso nicht. Es ist auch wirklich schwierig, nicht einmal Google weiss genau, welche Haarfarbe man als blond bezeichnen kann. Es soll nämlich über 30 verschiedene Töne geben.

Obwohl die Haarfarbe so eine grosse Bandbreite bietet, gibt es doch sehr wenige waschechte Blondinen. Nur etwa zwei Prozent der Weltbevölkerung ist von Natur aus blond. Und nicht einmal sie bleiben für immer blond, denn die Haarfarbe verliert mit Jahren an Kraft. Es kann also gut sein, dass man als Kind weissblondes Haar hatte und als Teenager brünett wird.

Ganz so dumm sind die Blondinen dann doch nicht

Übrigens: Nicht alle Klischees sind falsch: Dass Blondinen aufgrund ihrer Haarfarbe mehr Trinkgeld bekommen, ist richtig. Eine amerikanische Studie der Cornell University hat bei Kellnerinnen nachgefragt. Die Rolle des sogenannten «Dummchens» á la Paris Hilton hilft den Blondinen da tatsächlich weiter. Wer kann, der kann.

Geschichte: Einmal blond, immer blond

Marilyn Monroe ist seit 60 Jahren eine der bekanntesten blonden Ikonen.

Marilyn Monroe ist seit 60 Jahren eine der bekanntesten blonden Ikonen.

Bild: Keystone

Was haben Marilyn Monroe und die Barbiepuppe gemeinsam? Sie gelten als die Ikonen der Blonden. Und ausser ihrem güldenen Haar teilen sie noch etwas: Das Image des dummen Blondchens, das nichts kann, ausser gut auszusehen. Im Falle der Puppe mag das stimmen. Aber bei Monroe war es wohl eher ihre Masche, mit der sie sich einen Namen hat machen können.

Und genauso wie sie gab es und gibt es immer noch etliche Beispiele: Dolly Parton, Pamela Anderson, Paris Hilton – und so weiter. Nicht einmal das bescheidene Image konnte ihrer Liebe zum ewigen Haarebleichen etwas anhaben, denn auch wenn sie alle dem Blond mal fremdgegangen sind, fanden sie immer wieder zurück zum hellen Köpfchen. Einmal blond, immer blond – das Klischee ist geblieben.

Blond und intelligent – eine scharfe Kombination

Trotzdem haben blonde Haare heute nicht mehr die gleiche Bedeutung wie einst. Waren es früher noch vor allem ältere, wohlhabende Damen, die beim Coiffeur immer wieder ihre Mähnen blondieren liessen, um jünger zu wirken, sind es jetzt Frauen jeglichen Schlages.

Schliesslich gibt es genug blonde Frauen, die beweisen, dass die Haarfarbe nichts über die Intelligenz aussagt. Schauspielerin Sharon Stone etwa gehört zu den intelligentesten Schauspielern in Hollywood. Blond hin oder her.