Botschafter für ein geplagtes Land auf Besuch in der Schweiz

Die Lage für die Bevölkerung Burkina Fasos verschlechtert sich. Friede weicht dem Terror. Auf Einladung von Kirche in Not berichtet ein Geistlicher aus dem afrikanischen Staat über die besorgniserregenden Entwicklungen.

Andreas Faessler
Drucken
Teilen
Abbé André Ouedraogo, ehemaliger Regens des Priesterseminars Notre Dame de Nazareth, Burkina Faso.

Abbé André Ouedraogo, ehemaliger Regens des Priesterseminars Notre Dame de Nazareth, Burkina Faso.

Bild: PD/Kirche in Not

Burkina Faso – das ehemalige Obervolta – ist von religiöser Vielfalt geprägt. Das bitterarme, mehrheitlich muslimische Land galt bis noch vor wenigen Jahren als ein Vorzeigebeispiel für ein respektvolles interreligiöses und interkulturelles Miteinander. Die Kirche – rund 20Prozent der Bevölkerung sind katholisch – ist stark engagiert in Burkina Faso. Sie pflegt Kranke, steht für das in dieser Region stark beschnittene Recht der Frauen ein, kümmert sich aktiv um die Einschulung der Kinder und fördert den christlich-muslimischen Dialog.

Mittlerweile hat sich die Lage im Land diesbezüglich stark zum Negativen verändert, wie das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not mit Schweizer Sitz in Luzern weiss. Terroristisch motivierte Anschläge haben sich demnach in den vergangenen vier Jahren im westafrikanischen Staat gehäuft. Von diesen dramatischen Entwicklungen betroffen ist gemäss Kirche in Not auch die christliche Minderheit in Burkina Faso. Katholische Gläubige und Priester haben bei Anschlägen ihr Leben verloren, wie dem Hilfswerk bekannt ist. Die Gewalt unter Kontrolle zu kriegen, sei aktuell die grösste Herausforderung für die Regierung Burkina Fasos, doch bislang habe sie keine Strategie gefunden, dem Problem Herr zu werden. Die schwer gezeichnete Bevölkerung vertraut angesichts der zunehmend aussichtslosen Lage vor allem auf ihren Glauben.

Kirche in Not ist auch in Burkina Faso karitativ aktiv und pflegt enge Beziehungen zur dortigen katholischen Kirche. 2018 hat das Hilfswerk sie mit 800000 Franken unterstützt. Die Festigung der katholischen Kirche und die Evangelisierung sind auch in Burkina Faso eines von mehreren aktuellen/laufenden Projekten des Hilfswerkes. Dies soll in erster Linie durch die modernen Medien geschehen, wie es der Hilfswerkgründer Pater Werenfried van Straaten seit Anbeginn vorgesehen hatte. Denn nur so könne die Kirche an Orten dieser Welt mit grossen Distanzen und Priestermangel zu den Menschen nach Hause kommen. So ist es eine von mehreren Missionen des Hilfswerkes im westafrikanischen Land, diözesane Radiosender zu fördern, von denen es in Burkina Faso zehn gibt. Vor allem im Norden, wo Unruhen und menschliches Leid besonders ausgeprägt sind, brauche es das Radio, um das Volk zu erreichen und ihm Mut zu machen, so schreibt Kirche in Not.

Wiederholt Gast in der Schweiz

Um in unseren Breitengraden auf karitative Aktivitäten wie diese und andere aufmerksam zu machen, pflegt Kirche in Not enge Kontakte zu Vertretern aus solchen Regionen. Im Falle von Burkina Faso ist dies Abbé André Réléouindé Ouedraogo, ehemaliger Regens des Priesterseminars Notre Dame de Nazareth im Bistum Ouahigouya im Norden des Landes. Der 48-jährige Priester hat seine Weihe 1998 empfangen.

Zum wiederholten Male war Abbé Oudragono vergangene Woche auf Einladung aus Luzern in unterschiedlichen Pfarreien der Schweiz zu Gast, darunter auch in Hasle LU, Küssnacht am Rigi SZ und Cham ZG. Der Abbé hielt Gottesdienst und informierte die Gemeinschaft anschliessend über sein Heimatland und dessen schwierige Lage.

Bestürzung über die Situation vor Ort

An allen zehn Stationen kamen die Interessierten zahlreich, wie Lucia Wicki-Rensch, Informationsbeauftragte bei Kirche in Not, Auskunft gibt. «Man hat das Gefühl, dass die Menschen dankbar sind, dass nach dem Lockdown nun wieder gemeinsam in der Kirche gefeiert werden kann, und sie zeigten sich dankbar für die Anwesenheit des Geistlichen aus Afrika.» Das bescheidene Auftreten des Abbés und dessen frohes Wesen seien bei den Besucherinnen und Besuchern sehr gut angekommen, so Lucia Wicki-Rensch weiter. Weniger Freude, sondern Bestürzung haben die Schilderungen des Geistlichen hervorgerufen, als er die Situation in Burika Faso schilderte. Seien früher – so der Abbé – die Armut und der fehlende Regen die grösste Bedrohung für die Bevölkerung des afrikanischen Landes gewesen, so sei es nun die Gefahr von Terrorismus, welche die Menschen in die Flucht schlage. Und nachdem das Land bis vor kurzem ein gutes Beispiel für friedliches Zusammenleben gewesen sei, so scheine sich das Blatt nun zu wenden. Und genau da setzt die karitative Tätigkeit von Kirche in Not in Burkina Faso an.

Hinweis
www.kirche-in-not.ch