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BRASILIEN: Ein neuer Look für Rio

In Rio de Janeiro bereitet man sich eifrig auf die Olympischen Spiele im August vor. Zwielichtige und verfallene Quartiere werden aufgewertet. Die Copacabana verliert ihr Sex-Image und wirkt aufgeräumter.
Touristenmagnet: der Cristo Redentor, die monumentale Christusstatue im Süden von Rio. (Bild: Angela Allemann)

Touristenmagnet: der Cristo Redentor, die monumentale Christusstatue im Süden von Rio. (Bild: Angela Allemann)

Text und Bilder Angela Allemann

Schon jetzt sieht man, dass es nicht mehr lange dauert bis zu den Olympischen Spielen. Auch an den berühmten Stränden von Copacabana und Ipanema wird gebuddelt und gebaut. Neue Restaurants direkt am Wasser müssen her, der eine oder andere Event ist geplant.

Derweil machen die Cariocas, die Einwohner von Rio, was sie immer tun; dribbeln im Sand beim Fussballspiel, stürzen sich in die schäumende Brandung des Atlantiks oder halten sich beim Joggen auf der Avenida Atlântica fit. Sandburgen bauen ist kurz vor den Spielen zum Volkssport geworden, so scheint es. «Welcome to Rio 2016» ist da zu lesen, auch sind gut geformte Sandpopos unter diesem Motto zu be­staunen. Ihre Erbauer liegen ermattet daneben, Tag und Nacht, einen kleinen Blechtopf fürs Trinkgeld neben sich. Ca­riocas legten eben schon immer mehr Gelassenheit als unsereins an den Tag. «Gott ist Brasilianer», sind die Bewohner von Rio überzeugt. Er wirds schon richten.

Und das hat er bis jetzt ja auch, mehr oder weniger jedenfalls. Die WM 2014 ist mit Anstand über die Bühne gegangen. Es war zwar nicht alles fertig geworden. Doch zu den Olympischen Sommerspielen diesen August will man aufholen, so hiess es. Etwa 17 Milliarden Franken hat Rio seinerzeit für Infrastruktur und Wettkampfstätten für den weltgrössten Sportanlass budgetiert. Ob es reicht, ist ungewiss. Die damals frenetische Begeisterung für die beiden Grossanlässe ist milder bis weitreichender Skepsis gewichen. Das Volk ging gar auf die Strasse.

Denn knapp ein halbes Jahr vor Austragung der Sommerspiele gibts immer noch gröbere Probleme. Mit dem stark verschmutzten Wasser der berühmten Guanabara-Bucht etwa sowie der Lagoa do Rodrigo de Freitas in Ipanema, wo Wassersportwettbewerbe ausgetragen werden sollen. Ob das Wasser sauber wird und ob die Stadt ihre neue Hafenanlage rechtzeitig bekommt, ist ungewiss, wenn auch versprochen.

Der Barra-Olympiapark draussen in Barra da Tijuca, zig Kilometer vom Zentrum entfernt, reckt indes schon jetzt seine fast fertigen Bauten in den knallblauen Himmel. Doch Sorge bereitet das mögliche Verkehrschaos, wenn die Metrolinie 4 von Ipanema nach Barra nicht rechtzeitig fertig würde. Wer einmal in Rios ächzenden Bussen gesessen und sich am Drehkreuz die Knochen angeschlagen hat, wünscht sich sehnlichst die Metro herbei.

Viele Slums, wenig Kriminelle

Der einst zwiespältige Ruf der Stadt, in der ein Drittel der Bevölkerung in rund 1000 Favelas, in Slums, lebt, ist hingegen besser geworden. Die Stadt verzeichnet die tiefste Mordrate seit einem Vierteljahrhundert. Milliarden hat man im Kampf gegen die Kriminalität ausgegeben. Das hat sich offenbar gelohnt. Der Kommunikationschef der Olympischen Sommerspiele verspricht denn auch, dass Rio während der Spiele die sicherste Stadt der Welt sein werde. 85 000 Sicherheitskräfte sollen im August im Einsatz sein.

Dennoch halten wir unsere Siebensachen fest, als wir in der halboffenen gelben Bonde in luftiger Höhe den Arcos da Lapa überqueren, das ehema­lige Aquädukt aus dem Jahr 1728, das die Stadt einst mit Wasser versorgte. Seit einem Unfall vor vier Jahren ist erst wieder ein kurzes Stück in Betrieb. Doch angekommen am Largo dos Guimaraes, entfährt den Passagieren ein begeistertes «Ooohh», denn die Aussicht auf die Stadt, den Hafen und die gesamte Guanabara-Bucht ist überwältigend. Ruhige Gassen mit schönen Villen in verwunschenen Gärten, bunten Fenstermalereien und schmiedeeisernen Toren ziehen sich die Hügel hoch, naive Malereien zieren viele Mauern, neue schicke Hotels und Restaurants bringen internationales, ja sogar luxuriöses Flair in das ehe­malige Künstlerquartier Santa Teresa, das seit Jahrzehnten verfallen war. Was für eine Oase mit viel frischem Wind in der sonst so lauten, brodelnden Stadt!

Mysteriöser Tod auf der Treppe

Auch das angrenzende Lapa, einst zwielichtiges Rotlichtviertel am Fuss von Santa Teresa, wird von der neuen Entwicklung aufgewertet. Künstler geben mit bemalten Häuserfronten der Gegend ihr besonderes Gesicht.

Eine der beliebtesten Attraktionen in Lapa ist die Escaderia Selarón des argentinischen Künstlers gleichen Namens. Selarón hat in jahrelanger Kleinarbeit eine alte, verlotterte Treppe mit Tausenden von Kacheln aus aller Welt verschönert. Jeder schickte ihm die eine oder andere Kachel aus der Heimat zu, auch Schweizer. Die Treppe war sein Leben, bis Selarón vor zwei Jahren auf ebendieser Treppe tot aufgefunden wurde, auf mysteriöse Weise verstorben.

Nachts erwacht Lapa zu imposantem Leben in magischem Licht mit viel Bling-Bling. Die schön restaurierten historischen Häuser beherbergen jede Menge Tanzbars und Cafés; sie sind in den letzten Jahren bei der an brasilianischer Musik interessierten Jugend und Gästen zur beliebtesten Ausgehadresse der Stadt geworden.

Kein Wunder, besuchen zwei Millionen ausländische und fünf Millionen brasilianische Touristen jährlich Rio. Klar, Zuckerhut und Christusstatue auf dem Corcovado müssen sein, um sich einen Blick über die wunderbare Lage der Stadt zu verschaffen. Aber nur bei schönem Wetter und früh am Tag, bevor die Selfie-knipsenden Horden kommen. Und auch der Parque Nacional da Tijuca, der herrliche Tropenwald inmitten der Stadt, sowie der Botanische Garten lassen staunen, wie grün Rio ist.

Wie einst Marlene Dietrich

Und dann die Strände im quirligen Copacabana und eleganteren Ipanema, die das Image der Stadt wie nichts anderes prägen. Im traditionsreichsten Hotel der Stadt, dem Copacabana Palace, muss man am Pool einen Kaffee getrunken haben, um zu verstehen, warum Showgrössen wie Marlene Dietrich, Ava Gardner und andere Hollywoodstars schon damals hier abstiegen und begeistert waren. Nobler gehts nicht.

Lange Jahre hatte Copacabana ein sehr frivoles Sex-Image. Seitdem die Riesendisco Help und andere einschlägige Treffpunkte geschlossen wurden, ist es hier ruhiger und aufgeräumter geworden. Die ewige Anmache der halbseidenen Girls bleibt aus, die Horden bettelnder Kinder hängen nicht mehr an den Zäunen der Bistros; die neuen Strandkioske haben die alten, morschen Holzbaracken abgelöst und bieten heute sehr viel mehr Kulinarisches an als nur Kokosnusswasser, Bier und Caipirinhas.

Morgens kommen Yoga-Freaks

Mehr Chic, mehr Charme in Copacabana dank Olympia. Und das Leben am Strand beginnt trotz Bauaktivitäten immer noch in aller Herrgottsfrühe. Bei Sonnenaufgang kommen die Yoga-Freaks, später die Schwimmer, Surfer und Fussballspieler. Und am Wochenende sind sie alle da. Ganz Rio spaziert dann über das imposante grafische Mosaikdesign der verkehrsfreien Strandpromenade, vom brasilianischen Künstler Roberto Burle Marx kreiert. Da ist man den lebensfrohen Cariocas wieder nahe und mischt mit Begeisterung mit.

Samba tanzen und Favelas besuchen

Bild: Karte oas

Bild: Karte oas

Anreise: Edelweiss fliegt ab 22. April zweimal wöchentlich von Zürich direkt nach Rio de Janeiro, die portugiesische TAP täglich von Zürich über Lissabon nach Rio, die Swiss/TAM täglich von Zürich über São Paulo nach Rio.
www.flyedelweiss.com, www.flytap.com,
www.swiss.com

Unterkunft: Hotel Windsor Atlântica, 30-stöckiges 5-Sterne-Haus an der Copacabana mit Blick über die Bucht, Avenida Atlântica 1020, Villa Laurinda, Santos Lobo 98, Santa Teresa. Schönes Bed & Breakfast des Luzerner Künstlers Walter Riedweg, Landhaus im Luxusstil, gutes Restaurant und Spa. Rua Almirante Alexandrino 660, Santa Teresa.

Restaurants: Casa Feijoada, wo das Nationalgericht der Brasilianer aufgetischt wird: viel Fleisch, Reis, Bohnen und Federkohl. Rua Prudente de Moraes 10 B, Ipanema. Sehr lecker ist das Olympe vom Spitzenkoch Claude Troisgros, Rua Costodio Serrao 62, Botafogo. Das Restaurant Aprazivel in Santa Teresa serviert brasilianische Leckerbissen in tropischer Umgebung.

Musik und Samba:Nach dem Karneval ist vor dem Karneval. Im Herbst üben die Sambaschulen bereits wieder für ihre Auftritte beim Karneval 2017. Samba hören und tanzen kann man im Emporium 100, Samba live Rua Lavradio 100, Lapa. Oder im 3-stöckigen Rio Scenarium, Rua Lavradio 20, Lapa.

Favelas: Wenn 30 Prozent in Armutsvierteln, in Favelas, hausen, schadet es nicht, einen Blick hinter die Glitzerfassade zu werfen. Allerdings nie allein. Ein guter Guide ist Marcelo Armstrong, der durch die Favelas Rocinha und Vila Canoas führt und einen Teil seines Honorars in Favela-Projekte steckt.
www.favelatour.com.br

Olympische Spiele:Globetrotter ist offizielle Verkaufsstelle für Tickets.
www.globetrotter.ch, www.rio2016.com

Generelle Infos: www.rcvb.com.br

Copacabana, der bekannteste Strand Rio de Janeiros, ist dank Olympia aufgeräumter geworden. Noch immer umgibt ihn ein Mythos von unbeschwertem Leben, von Sonne, Sand und Meer. (Bild: Angela Allemann)

Copacabana, der bekannteste Strand Rio de Janeiros, ist dank Olympia aufgeräumter geworden. Noch immer umgibt ihn ein Mythos von unbeschwertem Leben, von Sonne, Sand und Meer. (Bild: Angela Allemann)

Künstler Jorge Selarón hat eine Treppe mit Hunderten von Fliesen zu einem Kunstwerk gestaltet. (Bild: Angela Allemann)

Künstler Jorge Selarón hat eine Treppe mit Hunderten von Fliesen zu einem Kunstwerk gestaltet. (Bild: Angela Allemann)

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