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BULGARIEN: Thrakien – im Tal der Könige

Duftende Rosen, imposante Kathedralen und römische Ruinen: In Bulgarien lässt es sich eintauchen in die 8000-jährige Geschichte und die Zeit der Thraker. Kulturell beeindruckend und auch kulinarisch spannend mit ausgezeichnetem Wein, Spanferkel und gebackenen Schweinsohren.
Weitsicht nach Plovdiv: Das hügelige «Rom Bulgariens» wird 2019 europäische Kulturhauptstadt. (Bild: Herbert Huber)

Weitsicht nach Plovdiv: Das hügelige «Rom Bulgariens» wird 2019 europäische Kulturhauptstadt. (Bild: Herbert Huber)

Text und Bilder: Herbert Huber

Sofia ist die aufstrebende Hauptstadt Bulgariens. Der Beitritt zur EU hat viel Geld in die staatlichen Kassen gespült. Der Lebensstandard in Sofia ist relativ hoch, was auch für die Preise in Hotels und Beizen gilt. Beeindruckt hat uns der Residence Club (mit Tenuevorschrift) und einem auf 2-Sterne-Michelin-Niveau präsentierten 5-Gänge-Menu. Die Gastgeber wollten unserer Reisegruppe zeigen, dass hochstehende Kulinarik auch in Sofia zelebriert wird. Hektisches Treiben dann anderntags. Alte quietschende Trams haben Vortritt. Fernab vom Gewühl entdeckten wir Cafés im Schatten hoher Bäume, Schachspieler in Parks, Shisha rauchende Menschen, Museumshallen und die grösste orthodoxe Kirche des Balkans: Die Aleksandar Nevski Kathedrale mit der schönsten Ikonensammlung Bulgariens. So ist Sofia für Städtereisende durchaus einen mehrtägigen Aufenthalt wert.

Unser nächstes Ziel ist Thrakien. Die Thraker waren eine Völkergruppe der Antike. Auf Kopfsteinpflastern erkunden wir Plovdiv, die zweitgrösste Stadt des Landes. Sie gilt als Tor zu Thrakien und «bulgarisches Rom», da sie wie Rom auf Hügeln erbaut wurde. Wer das antike Theater, Grabstätten, und die drittälteste Moschee des Balkans besucht, kann in die über 8000-jährige Geschichte Bulgariens eintauchen. Prächtige Bürgerhäuser zeugen von der bulgarischen Renaissance. Die Via Diagonalis, seit der Antike Kreuzweg zwischen Westeuropa und dem Nahen Osten, verläuft mitten durch die Stadt. Neue Geschäfte liegen neben Ausgrabungen der Antike.
Plovdiv sei die schönste Stadt Thrakiens, schrieb schon der griechische Dichter Lukan im 2. Jahrhundert, damals als Satiriker bekannt – mit Plovdiv meinte er es aber ernst. Zugleich ist Plovdiv eine moderne Universitätsstadt mit fünf Hochschulen und grünen Pärken, die sich herausputzt, um 2019 Kulturhauptstadt Europas zu werden.

Einer der grössten Rosenöl-Exporteure der Welt

Unweit der Stadt Kazanlak erstreckt sich gut 90 Kilometer lang, zwischen dem Balkan und dem Gebirge Sredna, von West nach Ost, das Tal der Rosen. Nun wir waren etwas zu früh, um blühende Rosen zu bewundern. Die beste Saison ist im Juni und Juli. Zur Erntezeit schwärmen die Menschen in Scharen frühmorgens zu den Rosen, wenn die Sonne über den Horizont wandert. Erst in Schürzen gepflückt und dann in Säcken gesammelt, kommen die noch nicht geöffneten Blüten in die Destillationsapparate. Während dreier Stunden werden ihnen bei 120 Grad das Wasser und Öle entzogen. Immer noch gehört Bulgarien zu den grössten Rosenöl-Exporteuren der Welt. Für eineinhalb Tonnen reines Rosenöl braucht es fünf Millionen Kilo Rosenblüten. Preis pro Liter: gegen 5000 Euro.

In der Nähe des Tals der Rosen, etwas südlicher, entdecken wir zahlreiche Grabhügel. Es sind die Grabmäler der thrakischen Könige. Mit zum Teil bestens im Original erhaltenen Malereien und Fresken. Da die Konservierung ein konstantes Raumklima erfordert, und die Körperfeuchtigkeit der Besucher die Bilder über kurz oder lang in Mitleidenschaft zieht, dürfen Touristen nur einzeln und zu einem höheren Preis in die Geschichte hinuntersteigen. Wir bewunderten deshalb Replikate, die nicht weniger beeindruckend sind. Eine Vielzahl des bei den Ausgrabungen gefundenen Goldschmuckes wie Ringe, Kronen, Köpfe und Totenbeigaben sind im Original in den Museen ausgestellt.

Wir fahren weiter Richtung Svilengrad auf holprigen Strassen, vorbei an verlassenen Dörfern. Ab und zu hält eine Schafherde den spärlichen Verkehr auf.

Gutes Klima für den Weinbau

Der Weinbau Bulgariens geht bis ins achte Jahrhundert vor Christus zurück, als Bulgarien zum Reich der Thraker gehörte. Die Römer bevorzugten Weine aus dieser Gegend und im Mittelalter bauten vor allem die Mönche Weine an. Während der türkischen Herrschaft (1396–1878) ging die Weinproduktion aus religiösen Gründen zu Gunsten der Tafeltraube zurück. Nach der Vernichtung eines grossen Teils der Reben durch die Reblaus hielten sich die Winzer beim Wiederaufbau an westeuropäische Vorbilder. Ein Vorzeige-Weingut ist heute Katarzyna. Es liegt im Süden bei Svilengrad und Mezek, nahe der Grenze zu Griechenland. Das Klima für den Weinbau könnte idealer nicht sein: Die Sommer sind heiss und trocken, die Winter mild und regnerisch. Die Angestellten arbeiten von Hand. Tsevetlina Nikolova ist CEO von Katarzyna und Herrin über 700 Hektaren. 200 000 Tonnen Trauben werden von den Zwillingsbrüdern Svilen und Ivan gekeltert. Im Fasskeller erklingt leise klassische Musik. «Die Schwingungen erhöhen die Qualität der Weine», sagt ein Önologe.

Nicht nur Weine haben wir verkostet. Bei Festen kommt Spanferkel auf den Tisch. Bevor gegessen wird, trinkt man einen Rakja. Fröhlich singende und tanzende Menschen bevölkern die Lokale. Armut in Bulgarien? «Das Essen und Trinken kann uns niemand nehmen», sagt ein Gast. «Manchmal feiern wir die Armut sogar ein bisschen.»

Die Vorspeisen kommen zusammen auf den Tisch: Salate, geräucherte Auberginen, gefüllte Peperoni. Dann Hackfleischbällchen sowie Poulet und Rind, auf dem offenen Feuer an Spiessen gebraten. Der Eintopf «Sach» ist perfekt geschmort. Paprikaschoten, Lauch, Petersilie, Zwiebeln und Minze geben den Gerichten Geschmack und Farbe. In einer Landbeiz wagen wir uns an Kuttelsuppe, gebackene Schweinsohren und panierte Schweinszunge. Da war nach dem Essen ausnahmsweise noch ein Rakja gefragt. Vieles mehr gäbe es noch zu entdecken: Zentralbulgarien mit den Nationalpärken, Höhlen und Klöstern. Das Balkangebirge und die Donaulandschaften. Und zum Schluss Badeferien am Schwarzen Meer in Varna oder Burgas. Auf ein nächstes Mal!

Gut zu wissen

Bulgarien ist seit 2007 EU-Mitglied und hat rund 8 Millionen Einwohner.

Währung: Man zahlt in Lew; 100 Franken sind 180 Lew. Preise für Essen und Trinken sind sehr günstig.

Sprache: Das bulgarische Alphabet ist kyrillisch. Verständigungssprache ist Englisch. Viele Bulgaren sprechen Englisch oder Deutsch.

Flüge: Ab Zürich oder Genf. Die Flugzeit beträgt zwei Stunden.

Strassen: Die Autobahn in den Süden (Sofia–Plovdiv–Kasanlak–Svilingrad) ist in gutem Zustand. Vignette erforderlich.

Hotels: Suite Hotel Sofia und Grand Hotel Sofia. Plovdiv: 8 1/2 Art Guest House. Kasanlak: Hotel Palas. Svilingrad: Hotel Parish.

Restaurants: Sofia: Lazy Life & Food mit Shisha-Raucherplätzen. Plovdiv: Stastlivzi Pod Tepeto («Glückseligkeit unter der Mauer»), Dolce Fellini Pasticceria & Gelateria, Porkys. Kazanlak: Magnolia. Svilingrad: Mosta (direkt am Fluss Mariza).

Diese Reportage ist im Rahmen einer Pressereise entstanden. Eingeladen hatten Antonio Mastrogiovanni (Reiseleitung; www.am-import.ch), Plovdiv Tourismus, Katarzyna Estate.


Zeit fürs Kartenspiel im Freien. (Bild: Herbert Huber)

Zeit fürs Kartenspiel im Freien. (Bild: Herbert Huber)

Der Gemüseeintopf «Sach» ist ein typisches bulgarisches Gericht. (Bild: Herbert Huber)

Der Gemüseeintopf «Sach» ist ein typisches bulgarisches Gericht. (Bild: Herbert Huber)

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