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Burgen, Fehden und Fledermäuse

Hochjuvalt, Ortenstein, Rietberg oder Baldenstein – der Ausflug unseres Autors ist diesmal besonders geschichtsträchtig.
Melchior Rudenz
Der Burgenpfad Domleschg führt auch an Schloss Rietberg vorbei. Hier wohnt Andrea Hämmerle, Biobauer und einstiger SP-Nationalrat. (Bild: Melchior Rudenz)

Der Burgenpfad Domleschg führt auch an Schloss Rietberg vorbei. Hier wohnt Andrea Hämmerle, Biobauer und einstiger SP-Nationalrat. (Bild: Melchior Rudenz)

Wie ein riesiger Obelisk ragt die Ruine der Burg Hochjuvalt in den Himmel. Sie steht nördlich von Rothenbrunnen im bündnerischen Domleschg, auf einer schmalen Felsnase, dort, wo sich der Hinterrhein durch eine Engnis schlängelt. Wir wandern, dem Wegweiser «Burgenpfad Domleschg» folgend, durch Rothenbrunnen in Richtung Süden und sehen links oben schon wieder eine Burg, Innerjuvalt.

Erbaut im Hochmittelalter von den Herren von Juvalt und vom Burgenverein Graubünden restauriert, kann das bewohnbare Gemäuer für private Anlässe gemietet werden. Wir biegen ausserhalb des Dorfes rechts ab. So hoch über uns, dass wir den Kopf zünftig in den Nacken legen müssen, thront das mächtige Schloss Ortenstein. Wahrscheinlich im 13.

Jahrhundert erbaut, wurde die damalige Burg in der Schamserfehde zerstört – wie auch die beiden Juvalt- sowie eine ganze Reihe anderer adliger Herrensitze. Das zu einem grossartigen Schloss wieder aufgebaute Ortenstein ging Ende des 19. Jahrhunderts an die Bündner Adelsfamilie von Tscharner und wird von deren Nachfahren bewohnt. Auf weiterhin schönem, trotz relativer Nähe zur Autostrasse stillem Pfad marschieren wir weiter nach Paspels.

Hier erklettern wir den Hügel der Burgruine Alt Süns, wo Picknicker zwar eine Sauerei hinterlassen haben, was uns aber nicht hindert, die tolle Aussicht auf das obere Domleschg zu geniessen. Hoch oben an der Burg klebt noch ein Aborthäuschen.

Drei Sterne und zwei Schlösser in Fürstenau

Nach dem Abstieg passieren wir den Barockgarten von Schloss Paspels, das mal, wen wundert's, den von Tscharner und hernach den von Salis-Soglio gehörte und kürzlich als Hotel die Pforten schloss.

Wir folgen der Canova-Strasse dorfauswärts. Bei der Scheune von Gut Canova spricht uns eine muntere, sympathische Dame an und lädt uns freundlich ein, die in ihrem Garten stehende Ruine der Burg Neu-Süns zu besuchen. Wir hätten gerne noch ein wenig mit Frau von Planta geplaudert– so heisst sie wahrscheinlich, denn das ist der Name der Besitzerschaft –,doch die Zeit drängt. Bald einmal stehen wir vor dem Eingang zum eleganten Schloss Rietberg.

Im Turmgeschoss logieren offenbar Hunderte Fledermäuse der Gattung Grosses Mausohr, während unten Andrea Hämmerle wohnt, Biobauer und einstiger SP-Nationalrat, Nachfahre eines Rudolf von Planta. Auf Rietberg wurde anlässlich der Bündner Wirren am 25.Februar 1621 Pompejus Planta, Anführer der Katholiken, von Jürg Jenatsch ermordet.

Der gut ausgeschilderte Weg führt uns nach Fürstenau. Hier hat's gleich zwei Schlösser. Schauenstein, wo der 3-Michelin-Sterne-Starkoch Andreas Caminada wirtet, und, etwas dahinter situiert, das prächtige bischöfliche Schloss, einst die Sommerfrische des Oberhirten von Chur. Beide Liegenschaften gehörten mal dem Schlossnarren Heinrich Oswald, vor Blocher Besitzer der Emser Werke.

Wir folgen dem rechten Ufer des Rheins, bevölkert von Hunden, die ihre Herrchen spazieren führen, und sehen im Weiler Albula, Ortsteil von Sils im Domleschg, schon das nächste Schloss keck über die Wipfel des Waldes ragen: Baldenstein. Auch aus dem 13. Jahrhundert, 1877 nach einem Brand wieder aufgebaut. Wir umrunden den Burghügel und wandern im Wald nach Burg Ehrenfels. Um 1600 aufgegeben und als Steinbruch benutzt, wurde Ehrenfels 1933 wieder aufgebaut und dient heute als Jugendherberge.

Vor der Burg stehen Tische und Stühle, aber zu konsumieren gibt es trotzdem nichts: Die Jugi wird nur von Gruppen genutzt und ist im Winterhalbjahr mangels Heizung eh geschlossen. Wir könnten jetzt nach Thusis absteigen, machen aber einen letzten Effort – Ehrensache – und wandern hoch zu Hohen Rätien, Graubündens grösster Burganlage. Auf drei Seiten von senkrecht abfallenden Felswänden geschützt, wurde die Örtlichkeit bereits von den Römern genutzt. Es stehen noch Burgreste aus dem 12. Jahrhundert, das Johannes dem Täufer gewidmete Kirchlein, der Pfaffenturm, wo jeweils der Pfarrer wohnte sowie die Burgbesitzer der Familie Jecklin, die, geadelt vom Habsburger Kaiser Maximilian I., sich in der Folge «von Jecklin von und zu Hohen Rätien» nannte. Wir werfen nochmals einen Blick in die Viamalaschlucht, ehe wir den Abstieg nach Thusis unter die Füsse nehmen.

Kleiner Wegweiser

Route: Rothenbrunnen–Ortenstein–Paspels–Fürstenau–Sils im Domleschg–Hohen Rätien–Thusis Wanderzeit: 51/2 Stunden
Essen/Trinken:Paspels, Fürstenau, Sils
ÖV: Bahn (Rothenbrunnen, Thusis)

Melchior Rudenz

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