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Vor 50 Jahren erfunden: Mit Cha-Cha-Cha auf dem Monoski im Schnee

Vor 50 Jahren erfand der später berühmt gewordene Schweizer Fotograf Hannes Schmid den Monoski. Durchgesetzt hat er sich aber nicht. Es ist eine jener Erfindungen, die das Alpengaudi immer wieder neu perfektionieren sollen – heute mit Schneevelos.
Diana Hagmann-Bula
Leicht verändert fand man noch in den 1980er-Jahren einzelne Monoski auf den Skipisten. Die Bindung war nun im Gegensatz zu Schmids Erfindung direkt auf dem Ski. (Bild: Jean-Claude Deutsch/Getty (Val d’Isere, 1987))

Leicht verändert fand man noch in den 1980er-Jahren einzelne Monoski auf den Skipisten. Die Bindung war nun im Gegensatz zu Schmids Erfindung direkt auf dem Ski. (Bild: Jean-Claude Deutsch/Getty (Val d’Isere, 1987))

Wie elegant er den Hang hinunterwedelt! Ein bisschen so, als würde er mit viel Hüfteinsatz Cha-Cha-Cha tanzen. Mit zusammengebundenen Beinen. Es ist das Jahr 1969, Hannes Schmid präsentiert dem Fernsehpublikum gerade stolz seine neue Entwicklung. Enthusiastisch erklärt er, wie er den herkömmlichen Ski so verbreitert hat, dass zwei erhöhte Bindungen in Fahrtrichtung nebeneinander passen. Sicherer sei der Monoski, da man nicht verkanten könne, urteilt der Journalist des Schwarz-Weiss-Beitrags. Und schneller sei der Monoski, weil man nicht auf die Parallelführung achten müsse. Am Ende heisst es: «Der Monoski könnte vielleicht den alpinen Skisport revolutionieren.» Die Prognose war falsch.

Hannes Schmid

Hannes Schmid

Als Skilehrer im Toggenburg

«In wilder Kindheit» habe er den Monoski gebaut, sagt Hannes Schmid heute. Damals gab er als 23-Jähriger im Toggenburg beinamputierten Jugendlichen Skistunden. «Sie waren alle auf nur einem Ski unterwegs und haben nie Kantenfehler gemacht wie die anderen Skifahrer. Das hat mich fasziniert.» Schmid begann zu tüfteln, liess seine Erfindung patentieren, seine Familie gründete für den Vertrieb eigens eine Firma. Doch es blieb beim im Fernsehen vorgestellten Prototypen: «Ich flüchtete nach Südafrika, weil ich doch nicht Sporthändler werden wollte. Dort habe ich zur Kamera gefunden.» Heute gehört der 72-Jährige zu den erfolgreichsten Schweizer Fotokünstlern. Der Monoski fand dennoch auf die Piste. Hersteller wie Atomic, Blizzard oder Rossignol führten in den 1980er-Jahren entsprechende Modelle im Sortiment. Doch der Boom währte kurz. Auf der Piste drehte sich plötzlich alles um einen anderen Star: das Snowboard.

Eventwahnsinn in den Bergen

Zum Pistenglück bräuchte es eigentlich nicht viel: guter Schnee, ein Paar Ski, gerne etwas Sonne. Doch die Hersteller haben die menschliche Neigung zum Alpengaudi erkannt. Und versuchen alle paar Jahre mit einem neuen Trend noch mehr Geld zu verdienen. Die Piste, so scheint es, wird immer mehr zum Spielplatz für Erwachsene. An manchen Orten fühlt man sich unterdessen eher wie in einem wuseligen Club Med als in einem beschaulichen Bergdorf.

Minilatten und Snowblades

Der Winter, er macht Erwachsene wieder zu Kindern. Kaum schneit es, fangen wir Flocken mit der Zunge. Und wälzen uns hemmungslos im Schnee, um Engelchen zu formen. In diesem kindlichen Übermut kann es durchaus passieren, dass man sich (leicht und vorfreudig) zu Spontankäufen von mässig sinnvollem Pistenzubehör verleiten lässt. Ertappt? Waren Sie in den 90er-Jahren vielleicht auch Mitglied der Big-Foot-Gemeinde? Skigelangweilte brausten damals in Neonanzügen auf Minilatten, kaum länger als Skischuhe, die Hügel hinunter. Heute sind Big Foots aus den meisten Sportgeschäften wieder verschwunden. «Die hatten wir vor 100 Jahren», heisst es etwa bei Laax Rental mit ironischem Unterton. Zu gefährlich seien die Kurzski gewesen, um sich langfristig bei der breiten Masse durchzusetzen. Abenteuerlustigen werden heute die etwas längeren Snowblades ans Herz gelegt: «Sie eignen sich für akrobatische Einlagen sowie für coole Tricks und Jumps», heisst es etwa auf der Webseite von Intersport.

Donut statt Snowboard

Auch der gute alte Davoser Schlitten hat Konkurrenz bekommen. Und zwar von den Snowtubes. Die Gummiringe gibt es in allen erdenklichen Farben. Und auch als Donut oder Cheeseburger. Adelboden etwa widmet dem etwas anderen Schlittelplausch einen ganzen Park mit verschiedenen Kanälen, mal langsam, mal schnell. Aber nur mit Helm. Das Alpengaudizubehör ist umfassend. Mit dem Snowbike, einem dreikufigen Gefährt mit erhöhtem Sitz, sollen auch Nichtskifahrer die Abfahrt meistern.

Ist der Monoski retro genug?

Der Snowscooter ist ein Kickboard für den Schnee. Die Crossblades werden als «eine Weltneuheit» gepriesen. Sie sollen dank eingebauter Wendeplatte die perfekten Schneeschuhe sein: Mit dem Hochleistungssteigfell geht es rauf, mit dem Skibelag mit Stahlkanten wieder runter. Das Snowskate – ein Brett ohne Bindung – entpuppt sich als das richtige Pistengefährt für Freigeister mit hoher Frustrationstoleranz: draufsteigen, dann jegliches Geschick zusammennehmen und versuchen, drauf stehen zu bleiben. Sei es nur bis zur ersten holprigen Delle im Hang.

All diese Spassmacher mögen kurzfristig mehr Ausgelassenheit in die Berge bringen. Doch dann schmilzt die Begeisterung für sie meist dahin wie Schnee an der Sonne. Im schlechtesten Fall verstauben sie kaum benützt in der Garage, im besten Fall wird Jahre nach der Lancierung über ein Comeback spekuliert. Wie im Fall des Monoskis. «Ist Monoskifahren wieder cool?», fragt sich eine Journalistin der britischen Tageszeitung «The Telegraph» nach einem Selbstversuch in den französischen Alpen. Es könnte dem Monoski also ergehen wie dem Telemark. Bärtige Männer und Frauen mit Hochdutt haben diesen Retroski(stil) gerade auserkoren, um sich damit auf der Piste abzuheben. Sie plagen sich nun wieder im Ausfallschritt den Berg hinunter.

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