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«Christen kannst du trauen»

Der Kapuziner Paul Hinder ist seit 2003 Bischof von Arabien, einem der grössten Bistümer der Welt. Während seines Heimaturlaubes im Kapuzinerkloster Schwyz berichtete er über sein Wirken in Nahost.
Interview: Beat Baumgartner
Paul Hinder ist seit 15 Jahren Bischof von Arabien.

Paul Hinder ist seit 15 Jahren Bischof von Arabien.

Bischof Paul, seit 150 Jahren stellen die Kapuziner die Bischöfe für den arabischen Raum. Warum dies?

Ganz am Anfang waren es Mitglieder des Missionsordens der Serviten, die erfolglos versuchten, in Arabien einen Neuanfang zu setzen. Ihnen folgten die Kapuziner. Das hat einerseits mit dem italienischen Kapuziner und Kardinal Guglielmo Massaia zu tun: Er missionierte in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Äthiopien, auf der andern Seite des Roten Meeres am Horn von Afrika, über 30 Jahre. Dann liegt die arabische Halbinsel auf dem Weg nach Indien, wo es schon immer starke Kapuzinermissionen gab. Denken Sie nur an unseren Kapuzinerbischof Anastasius Hartmann, von 1846 bis 1866 Bischof von Patna. So wurde 1888 das apostolische Vikariat von Arabien errichtet. Die letzten 100 Jahre amteten als Bischöfe von Arabien immer Kapuziner aus der Toscana. Mein direkter Vorgänger war der vor kurzem verstorbene Italiener Bernardo Gremoli, er war 29 Jahre Bischof dort.

Sie sind seit 15 Jahren Bischof von Arabien, seit 2011 als Apostolischer Vikar zuständig für das südliche Arabien mit den Staaten Vereinigte Ara­bische Emirate VAE, Oman und Jemen. Arabien – das tönt für uns immer noch nach «Märchen aus 1000 und eine Nacht», doch die Realität sieht heute wohl anders aus, oder?

Es sind zwei Welten. Auf der einen Seite der schon lange anhaltende Aufbruch in diesen Ländern aufgrund des Erdölbooms, verbunden mit zahlreichen politischen Umwälzungen. Das hat zu mehreren Millionenstädten wie etwa Dubai, Abu Dhabi, Doha in Katar, Maskat in Oman oder Riad in Saudi Arabien geführt. Hier wird ein Lebensstandard westlichen Stils gepflegt. Und andererseits sind diese Gesellschaften noch immer stark traditionell, triba­lisch-islamisch geprägt. Familienbande sind hier enorm wichtig. Eine einheimische Elite hält, oft zahlenmässig in der Minderheit, als Einzige die politische Macht in den Händen, je nach Staat mit mehr oder weniger demokratischen Elementen garniert.

Wie lebten Sie sich als «Kultur-­Fremder» dort ein?

Es war eine grosse Herausfor­derung. Die arabische Halbinsel war mir sehr fremd. Ich sprach zwar mehrere Sprachen fliessend, Englisch aber nur holprig. Und ich musste innerhalb eines Monats auf Englisch als Arbeitssprache umstellen. Vor Weihnachten 2003 wurde mir eröffnet, ich sei der Nachfolger von Bernardo Gremoli. Am 25. Januar 2004 landete ich in Dubai, und fünf Tage später wurde ich in Abu Dhabi geweiht. Die ersten 14 Monate war ich Weihbischof, danach erfolgte die Ernennung zum Apostolischen Vikar von Arabien.

Wie gut kennen Sie den Islam und den Koran?

Seitdem ich Bischof bin, habe ich relativ viel über den Islam aus verschieden Quellen erfahren. Ich bin aber kein Islamspezialist. Ich habe bis jetzt noch nie Zeit und Courage gehabt, den ganzen Koran zu studieren. Aber ich schaue hin und wieder einzelne Suren nach. Ich habe es auch nicht mehr geschafft, das schwierige Arabisch zu lernen. Doch für meine Arbeit, die Diskussion mit meinen Mitarbeitenden, brauche ich es nicht. Darum bin ich primär auf englischsprachige Literatur angewiesen.

Ist man als Christ in den muslimischen Staaten Arabiens integriert, akzeptiert oder nur geduldet?

Ich sage mal: respektiert, manchmal sogar akzeptiert. Mir fällt immer wieder auf, dass Christen als besonders vertrauenswürdig gelten und darum für gewisse Auf­gaben bevorzugt werden. So sind Christen in nicht wenigen Fällen die Finanzverwalter von Emiren oder Scheichen. Es geht hier nicht nur um das fachliche Wissen, sondern man schätzt besonders die Zuverlässigkeit und Integrität der Christen. Vor Jahren erzählte mir in Bahrain ein Botschafter, sein Vater habe ihm gesagt: «Christen sind Menschen, denen du trauen kannst.» Und ich erwiderte scherzhaft: «Hoffentlich stimmt es.»

Hat sich Ihr Glaube während Ihrer Arbeit in Arabien verändert?

Verändert nicht, aber vertieft, vor allem durch den Kontakt mit meinen Gläubigen und meinen Mitarbeitenden. Für mich ist es eine echte Herausforderung, kulturell anders geprägte Katholizismen gelten und sich davon in Frage stellen zu lassen. Ich habe das II. Vatikanische Konzil und den Öffnungsprozess intensiv miterlebt. Wir waren lange der Meinung, was wir leben und glauben, sei die einzig richtige Form von Katholizismus. Das birgt die Gefahr, einer eigenen Art des Dogmatismus zu verfallen. Darum war die Erfahrung einer multikulturellen Kirche in Arabien für mich ein Augenöffner. Auch wie die Gläubigen dort genau auf mich und meinen Lebenswandel schauen. Die Erfahrung hat mich demütig gemacht, dass ich als Bischof für sie Stärkung und Unterstützung bin. Etwa wenn Gläubige zu mir sagten: «Sie sind für mich wichtig als Halt. Danke, dass Sie mit uns auf dem Weg sind.»

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