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DÄNEMARK: Inselhüpfen in der Ostsee

Die Insel Fünen hat ihre Stille bewahrt – hier und auf den Nachbarinseln kann man sich Zeit ­nehmen, ­«seine» Insel zu finden. Und sehen, wo sich Andersen für seine Märchen inspirieren liess.
Lutz Redecker
Samstagsmarkt in Svendborg, der zweitgrössten Stadt auf der Märcheninsel Fünen. (Bilder: Lutz Redecker)

Samstagsmarkt in Svendborg, der zweitgrössten Stadt auf der Märcheninsel Fünen. (Bilder: Lutz Redecker)

Segelboote ziehen langsam dahin, leuchtend weisse Dreiecke auf dem tiefblauen Wasser der Dänischen Südsee. Vermutlich sind es die Vielfalt der Inselwelt und das milde Klima um Fünen, welche der Region dieses Attribut beschert haben. Noch hängen ein paar Schwaden Morgendunst über dem Sund vor Svendborg, in die sanfte Brise mischt sich der Duft von salzigem Seegras. Doch in den Fensterscheiben der Bootshäuser spiegeln sich erste Sonnenstrahlen und ein Himmel, der auch am Mittelmeer nicht blauer sein könnte. Von Svendborg, dem belebten Hafenstädtchen im Süden von Fünen, bieten sich wunderbare Ausblicke in die dänische Südsee. Es ist das Eingangstor zur dänischen Inselwelt, hier werden immer noch begehrte Segelyachten gebaut und restauriert.

Von hier verkehren Fähren in die herrliche Inselwelt. Etwa nach Ærø. Die kleine Insel, eine 80-minütige Schiffsreise von Fünen entfernt, gilt als besonderes Eiland des Archipels. Sein Hauptort Ærøskøbing ist eine Welt für sich, ein Stückchen Bilderbuch-Dänemark. In diesem Lande Liliputs sind die bunten Fachwerkhäuser der alten gepflasterten Gassen so niedrig, dass man mit ausgestrecktem Arm das Dach berühren kann. Besonders abends, bei mattgelbem Laternenlicht, führt der Blick in diese keineswegs nur museale Gegenwart und lädt zum Träumen ein. Und so kehrt die Ruhe der Nacht in der Regel früh ein – mit einer Ausnahme. In den ersten Julitagen findet in Ærøskøbing das kleinste Jazzfestival Europas statt. Ganz beschaulich und überschaubar. Direkt am Hafen wird die alte Werft mit Strohballen umzäunt, und am Nachmittag beginnen die ersten Sessions. Auf Konzerten in einer alten Dorfschule kommen Fans von Free Jazz auf ihre Kosten.

Doch Fünen ist mehr als ein Ferientraum aus Licht und Farbe unter dem hohen Himmel der Ostsee. Die Region hat viele Schriftsteller inspiriert. So vermutete der Fünen-Fan Siegfried Lenz, dass es gerade die Gelassenheit der Menschen ist – hier mit sich und der Natur im Einklang zu leben –, die einen Unterschied ausmache. Wer den milden dänischen Inselsommer ohne Niederschläge – ein Sommer ja, ein Sommer nein – erlebt hat, fühlt sich immer wieder angezogen.

Und tatsächlich ist es immer wieder die Schönheit und Harmonie, mit der Felder und Naturlandschaften kleine Städte umgeben, mit der sich die Architektur neben die Natur platziert, nicht über sie hinauswächst. Gleichmässig rollen die Wellen an den weissen Strand von Ærøskøbing mit seinen bunten Holzhäuschen am Rande der Dünen. Auf dem Fahrradwanderweg von Bregninge nach Soby bilden Wiesen und Weiden sanft gerundete Kuppen, die rhythmisch kleine Höfe umgeben. Und ständig im Gesichtsfeld: die leuchtenden Kron­felder des Sommers vor dem tiefen Blau des Meeres – überzogen von einem Netz glitzernder Wellen. Auf einer Tagestour quer über Ærø reicht oftmals der Fahrradsattel schon als Hochsitz, um über die Felder bis zum Meer zu schauen. Auf manchen Inseln ist es nur eine grosse Dorfstrasse, die die Insel der Länge nach durchquert.

Die nubischen Ziegen von Avernakø

Während des dänischen Inselsommers kann man sich Zeit nehmen, «seine» Insel zu finden. Einmal in die Ruhe der Region «eingetunt», überfällt viele Reisende ein Gefühl von freier Zeit, sich über die verlassenen Strassen auf den unzähligen Inseln des Archipels auf Entdeckungstour zu begeben. Und Besonderheiten zu entdecken. Den besten Apfelsaft und Cidre gibt es auf Strynø. Hier verlief das Leben noch bis in die 60er-Jahre ganz ohne das Auto. Feine Ziegenkäse und Mützen aus Mohairwolle stellt Gitte Sørensen auf ihrer Farm auf Avernakø her. Gut schläft es sich hier nach opulenten Hausgerichten mit lokalen Zutaten und Rezepten aus Grossmutters Kochbuch.

Auf Langeland belohnt der Weg von Rudkøbing nach Tranekaer mit dem Schlossgarten von Egeløkke mit vielen hundertjährigen Bäumen. Heute präsentiert sich hier ein Landart-Projekt – nebenan in den ehemaligen Pferdeställen wird Feines gekocht. Schloss Egeskov in Mittelfünen mit seinen verzweigten Gartenanlagen – im 16. Jahrhundert auf Hunderten von Eichenpfählen in einem See errichtet – gilt als schönste Wasserburg in ganz Nordeuropa. Ein Schloss wie aus dem Märchen. Oder, wie der einst in Odense lebende Hans Christian Andersen schrieb – mit «so vielen Fenstern wie Tage im Jahr, so vielen Türen wie Wochen, so vielen Kaminen wie Monaten und so vielen Türmen wie Jahreszeiten...».

Bunte Beeren, Honig und Kräuter am Wegesrand

Es ist eine stille Region, in der Touristen lieber das Auto stehen lassen und aufs Velo umsteigen. Stockrosen, Kornblumen, Malven, Klatschmohn und Margeritenfelder säumen alte Strassen im Norden von Langeland. Verlassene Alleen führen hügelauf und hügelab – es gibt Hügel, die mit drei tiefen Luftzügen auf dem Bike schon erreicht sind – vorbei an kleinen Dörfern mit schneeweiss getünchten Kirchen. Einst waren es ihre hohen Türme, die den Fischern und Seefahrern als Orientierungspunkte dienten, heute sind es mächtige Kornspeicher. Hinter vielen Hecken schimmert ein wackliger Tisch oder eine altes Regal, auf denen die Inselbauern den Vorbeikommenden anbieten, was die Jahreszeit liefert: Beeren, neue Kartoffeln, Lauch und junge Karotten. Eier, Honig, Kräuter. Daneben eine verrostete Dose, in die der Kunde bezahlt.

Von versunkenen Landschaften

Die Insel Langeland ist eine Domäne für Biker. Sie ist mit der Fähre oder mit dem Velo über die Sundbrücke zu erreichen. Unvergesslich die weissen Kreidefelsen, die im Süden der Insel in den Himmel leuchten. Wellen und Meeresbrandung haben in Jahrtausenden bizarre Skulpturen aus dem Kalk gewaschen, und so ist jede Wanderung ein Abenteuer für die Sinne. Regen, Meer und Stürme haben die weichen und hellen Felsen der Küstenlinien modelliert. Immer wieder schaffen Stürme am Dovns Klint auf Südlangeland neue Abbruchkanten.

Svendborg hat eine grosse Dichte an Weltumseglern. Einst durch den Handel bedingt, heute aus Freude an der Sache. Es gibt legendäre Werften hier wie die Ring Andersen, deren Lastensegler inzwischen liebevoll restauriert werden, zu sehen am Sejlskibstroen Steg. Lebhaft vermittelt diese Geschichte das Schifffahrtsmuseum von Marstal. Denn die Faszination Segeln springt hier gelegentlich auch auf Nichtsegler über. Etwa auf dem prächtigen Dreimast-Schoner Fylla. 1922 für den Grönlandverkehr gebaut, verkehrt er nun im Inselarchipel mit kleinen Gruppen. Auch als Lehrschiff für Segelkurse. Beim Segelsetzen zählt dann jede Hand.

Über die raffinierte Navigation in den Gewässern und die Manöver in kurzen Hafenbecken ist auf so einem Törn nur zu staunen. Margit Haarstrup, Tochter eines Maschinisten, der von Svendborg aus um die Welt kam, ist immer noch begeistert von der Navigation und der Seefahrt. Mit achtzig zieht es sie oft auf ihr kleines Segelboot in der Bucht von Lindelse auf Langeland. Oder nach Troense auf der Insel Tasinge südlich von Fünen. Von hier kommt der grosse Reeder Johann Maersk und hier lebten viele Segelschiffkapitäne in schmucken Reet-gedeckten Kapitänshäuschen mit Fahnenmasten. Stolz flattert in diesen Gärten der rot-weisse Danebrog im Abendwind.

Lutz Redecker

Treffen der Traditionssegler im Hafen von Svendborg. (Bild: Lutz Redecker)

Treffen der Traditionssegler im Hafen von Svendborg. (Bild: Lutz Redecker)

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