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Skifahren über Müllbergen: Das Wintermärchen von Kopenhagen wird Realität

In Kopenhagen soll auf einer Kehrichtverbrennungsanlage das Skifahren der Dänen revolutioniert ­werden. Die Schweiz spielt beim höchsten künstlichen Skiberg der Welt eine wichtige Rolle.
Niels Anner, Kopenhagen

Nächste Woche werden erstmals einige tausend Skifahrer über die Piste im Kopenhagener Indus­triehafen brettern. Mit 85 Metern Höhe wird «Copenhill», so heisst die neue Anlage, nicht nur ein neues Wahrzeichen und der höchste öffentliche Punkt der Hauptstadt, sondern laut den Betreibern auch der höchste künstliche Outdoor-Skiberg der Welt. Es sind dänische Winterferien – aber die Verhältnisse unterscheiden sich deutlich von den Alpen. Schnee liegt keiner, gefahren wird auf dem Copenhill auf harten, mit Silikon überzogenen Plastikborsten. Diese bieten laut Skilehrern und Freeridern, die sie getestet haben, ein Fahren «wie auf einer harten Schneepiste».

Auf 450 Metern gibt es eine schwarze, rote und blaue Piste, einen Freestyle- und Kinderbereich. Im Unterschied zu Skihallen fährt man in Kopenhagen also nicht auf Kunstschnee, dafür das ganze Jahr über an der frischen Luft und bei spezieller urbaner Aussicht, die sich über Gasdepots und alte Werfthallen erstreckt – und noch weiter reicht über die ganze Stadt sowie über den Öresund bis nach Schweden.

Wanderwege und Bergbeiz

Unter der Piste wird Abfall verbrannt, 70 Tonnen pro Stunde. Täglich liefern 300 Lastwagen und Schiffe Müll an, aus dem in einer hochmodernen Kehrichtanlage Strom erzeugt und Fernwärme gewonnen wird. Die vom Büro des dänischen Stararchitekten Bjarke Ingels entworfene Anlage löste in den letzten Jahren mehrfach politischen Knatsch aus, kämpfte mit finanziellen und technischen Problemen. Doch sie wurde fertig – und die Stadt freut sich nun auf die Oberfläche, die dem Outdoorsport gewidmet ist – nicht nur dem Skifahren. Neben der Piste führen Wanderwege sowie ein Lift hinauf zu einer Aussichtsplattform und zum «Bergrestaurant», an der Seite hängt senkrecht die längste Kletterwand der Welt. Ebenfalls zum Komplex gehört eine Skivermietung und eine Bar.

Der Zugang zur Berglandschaft ist gratis, Skipässe kosten 23 Franken pro Stunde, mit einer Art Halbtax 10 Franken, eine Jahreskarte 380 Franken. Das Konzept sei sowohl für Touristen wie für Einheimische gemacht, sagt Christian Ingels, CEO von Copenhill. «Gerade auch Familien oder Schulklassen sollen hier Ski fahren können.» Der Cousin des Architekten Bjarke Ingels ist mit seiner Firma für die «rekreativen Aktivitäten» der Anlage verantwortlich. Der ganze Berg wird im April fertig, und dann auch grün überwachsen sein, mit Fichten und Wiesen entlang der Wanderwege. Im Moment sind noch Bauarbeiter daran, den oberen Teil der Piste zu verlegen. Bereits fertig sind die unteren 300 Pistenmeter, auf denen die Anlage in der kommenden Woche eröffnet wird.

Enger Bezug zur Schweiz

Der Copenhill ist der Grund, war­um Christian Ingels aus der Schweiz zurück nach Kopenhagen zog. Er war in Zürich für den dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk tätig, wohnte mit seiner Familie zwei Jahre in Herrliberg ZH. «Die Kinder lernten Schweizerdeutsch in der Schule, so weit habe ich es leider nie gebracht», erzählt Ingels. Wohl aber hat er das Skifahren intensiv gepflegt. Dieses lernte er schon als Kind in der Schweiz: Seine Eltern, eine Engländerin und ein Däne, hatten sich in Lausanne kennen gelernt und waren immer wieder in der Romandie in den Ferien. Von Herrliberg aus war Ingels später fast jedes Wochenende in den Bergen. Diese Nähe zu Pisten, sagt er, sei etwas, das die Dänen aus geografischen Gründen gar nicht kennen. Copenhill soll deshalb das dänische Skifahren revolutionieren, es «zu einem alltäglichen Sport machen, den man auch an einem Sonntag oder Abend für einige Stunden betreiben kann».

Christian Ingels Affinität zur Schweiz soll zudem mehr Dänen in das Alpenland führen. Vertreter von Schweiz Tourismus haben bereits 2017 auf dem Copenhill die Schweizer Flagge gehisst und unter Journalisten Werbung gemacht. Und Ingels hat mit Lenzerheide-Arosa eine erste Partnerschaft aufgebaut, wirbt mit Copenhill für die Bündner Region, gibt Rabatte auf Skipässe. In Zukunft, sagt er, «möchte ich solche Kooperationen auch mit anderen Skigebieten aufbauen».

Blick auf die Anlage. Bild: Niels Anner

Blick auf die Anlage. Bild: Niels Anner

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