Fragen & Antworten

Das Schulkind hustet – was nun?

Mit dem Herbst kommen die Erkältungen, gerade bei Kindern. Was heisst das in Coronazeiten? Antworten auf die elf drängendsten Fragen.

Niklaus Salzmann
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Mit allein einem Pfnüsel ohne Husten und Fieber darf das Kind noch zur Schule.

Mit allein einem Pfnüsel ohne Husten und Fieber darf das Kind noch zur Schule.

Bild: Getty Images

Kinder sind im Herbst und Winter ständig erkältet. Sie sind anfällig auf Infekte, weil ihr Immunsystem viele Erreger noch nicht kennt. Sie erwischen öfter die echte Grippe oder auch nur leichte Erkältungen. Was in früheren Jahren nichts als Schnupfen, Husten, Fieber gewesen ist, stellt die Eltern nun vor die grosse Frage: Corona oder nicht? Eine Orientierungshilfe.

Wie macht sich Covid-19 bei Kindern bemerkbar?

Bei Kindern verläuft eine Infektion mit dem neuen Coronavirus in der Regel mild. Oft entwickeln Kinder gar keine Symptome. Das Virus kann aber auch Husten, Halsschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen, Durchfall, Erbrechen oder Kopfschmerzen hervorrufen. Von einer Erkältung oder Grippe ist Covid-19 anhand der Symptome damit kaum zu unterscheiden. Zu einer Behandlung im Spital kommt es gemäss einer neuen Studie aus den USA bei Kindern gleich oft wie bei einer Grippe.

Wann muss ein Kind zuhause bleiben?

Kinder mit verdächtigen Symptomen sollten nicht zur Schule gehen. Genaueres ist in den Schutzkonzepten der Schulen festgelegt. Im Kanton Luzern muss beispielsweise zu Hause bleiben, wer Fieber, Halsschmerzen, Husten, Kurzatmigkeit oder ein Fehlen des Geruchs- oder Geschmackssinns aufweist. Bei einem leichten Schnupfen ohne Husten kann das Kind hingegen den Unterricht besuchen. Basel-Stadt schreibt sogar ausdrücklich: «Ein einfacher Schnupfen ist kein Covid-19 Verdachtssymptom.» In den Kantonen Aargau und St. Gallen sind auch Muskelschmerzen als Verdachtssymptome aufgeführt.

Wann muss das Kind einen Coronatest machen?

Einen Hinweis, ob ein Test sinnvoll ist, gibt der Onlinecheck auf check.bag-coronavirus.ch. Kinder unter 12 Jahren müssen gemäss Bund jedoch nicht in allen Fällen getestet werden, der Entscheid liegt bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt in Absprache mit den Eltern. Fachleute aus Virologie und Epidemiologie sprechen sich aber dafür aus, Kinder vermehrt zu testen.

Darf die Lehrperson ein Kind mit Symptomen nach Hause schicken?

Ja. Einzelne Kinder, die verdächtige Symptome haben, können von der Lehrerin oder dem Lehrer vom Unterricht ausgeschlossen werden. Die Regeln dazu sind in den Schutzkonzepten der Schulen festgelegt.

Wer entscheidet über Klassenschliessungen?

Schliessungen oder Quarantänemassnahmen für Klassen oder ganze Schulen werden nicht von der Schulleitung, sondern von der kantonalen Gesundheitsbehörde angeordnet.

Verbreiten Kinder das Virus überhaupt weiter?

Zwar gehen Fachleute davon aus, dass Kinder weniger zur Verbreitung der Coronaviren beitragen als Erwachsene, aber auch sie können ansteckend sein. Sie sollten deshalb auch bei leichten Symptomen den Kontakt zu Risikopersonen meiden. Wie gross die Rolle der Kinder bei der Epidemie ist, bleibt aber eine grosse Frage, zu der sich die Fachwelt bislang nicht einig ist.

Kommt die Maskenpflicht für Kinder in der obligatorischen Schule?

Derzeit gibt es nur auf Stufe Gymnasium/Berufsschule Maskenpflicht für Schüler, und auch hier sind die Regelungen kantonal unterschiedlich. Die Widerstände der Lehrerschaft gegen ein Obligatorium für jüngere Schüler sind gross. An der Oberstufe wäre eine Maskenpflicht als letzte Massnahme denkbar, um eine Schulschliessung zu verhindern. Die Genfer Virologin Isabella Eckerle sagte gegenüber der NZZ am Sonntag, Masken wären sogar an den Primarschulen sinnvoll. Dass auf dieser Stufe eine Pflicht kommt, ist jedoch unwahrscheinlich – Kinder bis zwölf sind bislang auch vom Maskentragen im öffentlichen Verkehr und in Läden ausgenommen.

Müssen die Eltern eine Maske tragen, wenn sie ein Kind zur Schule bringen?

Im Schulhaus und auf dem gesamten Schulareal gilt auch in diesem Punkt das Schutzkonzept der Schule. Solange die Eltern das Schulhaus nicht betreten und den Abstand von 1,5 Metern zu anderen Personen als dem eigenen Kind einhalten, ist in der Regel keine Maske nötig.

Betrifft die Quarantänepflicht für Einreisende auch Kinder?

Ja. Wer Ferien in einem Risikogebiet macht, etwa in Spanien, Albanien oder den USA, darf danach während zehn Tagen nicht zur Schule gehen. Die aktuelle Liste der Risikogebiete findet sich auf der Website des Bundesamts für Gesundheit.

Was hat Corona mit der Grippeimpfung zu tun?

Die Grippeimpfung schützt nicht vor dem neuen Coronavirus. Trotzdem empfiehlt der Bund, Kinder gegen Grippe zu impfen. Unter den praktizierenden Ärztinnen und Ärzten herrscht in dieser Frage aber keine Einigkeit. Tendenziell wird die Impfung heuer eher empfohlen als in früheren Jahren. Weil sich die Symptome von Grippe und Covid ähneln, kann sie den Kindern unangenehme Tests und falsche Verdachte ersparen. Zudem werden Angehörige aus Risikogruppen – etwa Grosseltern – geschützt. Gleichzeitig wird das Gesundheitssystem entlastet, wenn Grippewellen gebremst werden. So bleiben in Praxen, Spitälern und Labors mehr Kapazitäten für Covid-19.

Wie können Kinder noch geschützt werden?

Eine gute Handhygiene schützt nicht nur vor den neuen Coronaviren, sondern auch vor anderen Infekten und damit vor falschen Verdachtsmomenten. Papiertaschentücher sollen nur einmal verwendet und danach direkt im Abfall entsorgt werden.