«In Bewegung auf das Ziel hin, das Gott uns gesetzt hat»

In Luzern hält Weihbischof Marian Eleganti einen Vortrag, dies im Rahmen des Herbstanlasses der Pro Ecclesia Zentralschweiz. Das Thema ist brisant.

Interview: Haymo Empl
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Weihbischof Marian Eleganti (64).

Weihbischof Marian Eleganti (64).

Bild: PD

Im Zentrum der Veranstaltung vom Samstag, 30. November, in der Hofkirche Luzern steht das anlässlich der interreligiösen Konferenz in Abu Dhabi von Papst Franziskus und Al-­Azhar-Grossimam Ahmed al-­Tayyeb unterzeichnete «Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt».

Was bedeutet diese «Erklärung von Abu Dhabi» kurz zusammengefasst?

Marian Eleganti: Es geht dem Papst um die friedliche Koexistenz aller Menschen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Es gibt auch kritische Stimmen, so zum Beispiel, dass in dieser Erklärung Gott Allah gleichgesetzt wird, dass es im Islam keine Religionsfreiheit gebe, dass es in arabischen Ländern schlecht um die Menschenwürde stehe und der Papst dies bei seinem Besuch kaum kritisiert habe. Was meinen Sie dazu?

Das ist in der Tat eine unverzeihliche Schwäche dieser In­itiative. Ich vermisse in diesem Zusammenhang die Wahrhaftigkeit, die Auseinandersetzung mit den Fakten.

Warum nimmt man nicht die positiven Aspekte der Erklärung und arbeitet mit diesen?

Der zitierte Satz wird leider durch die Geschichte widerlegt. Es wird hier auch unterstellt, dass alle Religionen dasselbe wollen. Der Islam aber kennt keine Feindesliebe und keine wirkliche Gleichheit aller Menschen. In den Gründungsdokumenten des Islam gibt es viele Aufforderungen zur Gewalt, und auch der Hass auf die Feinde des Islam erscheint als Tugend, während Jesus Petrus geboten hat, das Schwert in die Scheide zu stecken und die Feinde zu lieben, für sie zu beten und seine Wange hinzuhalten. Positiv zu würdigen sind in der Erklärung die Ablehnung von Krieg aus religiösen Motiven, die Aufforderung zu Toleranz, Dialog und Zusammenarbeit, der Schutz der Gottesdienststätten, die Verdammung des Terrorismus, der Schutz der Schwachen und Armen, Flüchtlinge, Minderheiten etc. und die positive Bedeutung der Familie. Die Erklärung hat jedoch grosse Schwachstellen. Da Gott nicht ein in sich selbst widersprüchliches Wesen ist, kann er auch nicht die Pluralität der Religionen wollen, wie die Erklärung behauptet. Gerade der Islam ist eine erklärtermassen antichristliche Religion, die genau das leugnet, was das Wesen des Christentums ausmacht: die Gottessohnschaft Jesu Christi und die damit verbundene Trinität Gottes. Da beide Religionen behaupten, eine Selbstoffenbarung Gottes zu sein, würde sich Gott selbst widersprechen. Wir glauben eben nicht das Gleiche. Die Erklärung ist eine grosse Klitterung dieser Widersprüche.

Was würden Sie denn ganz konkret vorschlagen, um den Frieden unter den Weltreligionen zu fördern?

Die Abu-Dhabi-Erklärung ist eine Übereinkunft zwischen dem Papst und einem massgeblichen Vertreter des Islam. Letztere bezweifeln die Allgemeingültigkeit der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte» (AEMR 1948) und setzen sie unter Scharia-Vorbehalt. Damit bleibt die allgemeine Menschenrechtserklärung faktisch wirkungslos und verliert ihre Allgemeingültigkeit und Universalität im muslimischen Raum. Statt schöne Lyrik zu unterschreiben, wäre es besser, vom Grossimam die Unterschrift unter die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zu verlangen und Muslime auf den Schutz dieser Rechte zu verpflichten, z.B. Religionsfreiheit ohne Wenn und Aber, das heisst mit Recht auf Konversion ohne Todesdrohungen. Das Konzil spricht vom pilgernden Volk Gottes. Wir sind also immer in Bewegung auf das Ziel hin, das Gott uns gesetzt hat. Das weiss auch Pro Ecclesia. Veränderung kann nicht bedeuten, unterwegs die eigene Identität und den Schatz des Glaubens zu verlieren.

Stehen Sie als Weihbischof denn für Veränderung?

Veränderung ist zunächst eine Leerformel, die immer gut klingt. Die Frage ist doch: Veränderung zum Besseren oder zum Schlechteren?

Als Geistlicher werden Sie durchaus mit weltlichen Fragen konfrontiert. Was sagen Sie jemandem, der nicht an Gott glaubt?

Wenn er intellektuell redlich und ein Liebhaber der Wahrheit ist, könnte er mindestens beten: Lieber Gott, wenn es Dich gibt, erleuchte mich! Mal sehen, was dann passiert.

Was sagen Sie jemandem, der nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt?

Er solle so leben, als ob es ein Leben nach dem Tode gäbe. Ich wünsche niemandem ein «böses Erwachen».

Hinweis
Herbstanlass der Pro Ecclesia Zentralschweiz morgen Samstag von 11 bis 15 Uhr in der Hofkirche Luzern. Zelebrant und Referent: S.E. Weihbischof Dr. Marian Eleganti. Der Anlass ist kostenlos. Das Programm gibt es unter www.proecclesia.ch