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Demenzgefahr vor dem Cheminée

Laut einer grossen schwedischen Studie hat Feuern mit Holz auch sehr ungemütliche Effekte: Es löst nicht nur Atemwegserkrankungen aus, sondern erhöht auch das Risiko für Demenz stark.
Niels Anner, Kopenhagen
Gefährliche Gemütlichkeite: Cheminée-Feuer kann fatale Folgen haben.

Gefährliche Gemütlichkeite: Cheminée-Feuer kann fatale Folgen haben.

Ein Sofa, ein gutes Buch, wohlig warme Füsse – und das knisternde Feuer im Kamin. Cheminées sind zentraler Bestandteil von ­Ferienhäusern; sie sind in Nordeuropa enorm verbreitet. Viele Skandinavier heizen regelmässig mit Holz – weil es ein einfach verfügbarer und günstiger Brennstoff ist. Die Holzfeuerungen ­haben allerdings auch ungemütliche Effekte. Vor Gesundheits­risiken, insbesondere für die Atemwege, haben Studien bereits mehrfach gewarnt. Eine neue schwedische Studie hat nun ein weiteres Problem aufgedeckt: ein erhebliches Demenzrisiko.

Die Forscher der nordschwedischen Universität Umeå haben festgestellt, dass die Personen in Wohngebieten mit grossen Mengen Rauch aus Holzfeuerung ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen aufweisen. In Haushalten mit eigenem Cheminée war die Gefährdung um 70 Prozent erhöht. Auch Personen, deren Nachbarn viel Holz verbrennen, seien einem ­hohen Risiko ausgesetzt, offenbar auch schon, wenn die Feinstaubgrenzwerte eingehalten werden, erklärte Anna Oudin gegenüber schwedischen Medien. Oudin forscht in Umeå in Volksgesundheit und klinischer Medizin.

Sie und ihr Team haben den Zusammenhang dank umfas­sender Gesundheitsdaten zu ­Demenz analysiert. Diese wurden während einer Periode von 15 Jahren in einer Langzeitstudie mit 1800 Demenzkranken in Umeå erhoben – einer Region, in der viel mit Holz geheizt wird. Die Daten verglichen die Forscher mit den Wohnorten der ­Patienten und den dort durch Verkehr und Holzfeuerung verursachten Feinstaubanteilen in der Luft. Dabei lassen sich die Emissionen (unter anderem mit der C14-Methode) fossilen Quellen wie Erdöl und nichtfossilen wie Feuerholz zuordnen.

So schädlich wie Strassenverkehr

Frühere Studien hätten bereits schwerwiegende Gesundheitsschäden durch Holzfeuerung gezeigt, sagt Anna Oudin. Aber erst jetzt sei es dank guter Daten bezüglich Rauch möglich gewesen, die Exponiertheit der Bevölkerung auf einer Karte darzustellen – und damit mit Daten zur Demenz abzugleichen. Dabei bestätigen die Befunde anderer internatio­naler Studien, dass Holzverbrennung gleich gesundheitsschädlich sein kann wie Strassenverkehr. Wer also auf dem Land lebt, aber in einem Gebiet mit vielen Cheminées und Holzheizungen, kann denselben Gesundheitsrisiken ausgesetzt sein wie Personen in einem stark vom Verkehr belasteten Wohnort. Dabei geht es um eine der gefährlichsten Arten der Luftverschmutzung: Feinstaub – ob aus dem Kamin oder Auspuff – kann zu Erkrankungen der Atemwege, zu Bronchitis, Asthma oder Lungenkrebs führen.

Studien aus Dänemark und der Schweiz – ETH Zürich, Universität Bern und Paul Scherrer Institut – haben gezeigt, dass Holzfeuerung bei den Spitzenbelastungen im Winter wesentlich mehr zum gefährlichen Feinstaub beitragen als der Strassenverkehr: Je nach Untersuchung war die Verbrennung von Holz für 65 bis fast 90 Prozent der Feinstaubverschmutzung verantwortlich. Gemildert werden kann das Problem durch moderne Öfen mit hohem Wirkungsgrad oder Filter. Der Bundesrat hat per 1. Juni in der Luftreinhalteverordnung die Feinstaubgrenzwerte für kleinere Holzfeuerungen verschärft. Wer feuert, sollte zudem nur unbehandeltes und trockenes Holz verwenden.

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