Der 10-Sekunden-Test mit der Schnauze

Finnland startet das bisher grösste Projekt mit Hunden als Corona-Tester am Flughafen. Im Labor ist ihre Erfolgsquote hoch.

Niels Anner, Kopenhagen
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Hunde erschnüffeln auf dem Flughafen in Helsinki nach an Covid-29 erkrankten Personen

Hunde erschnüffeln auf dem Flughafen in Helsinki nach an Covid-29 erkrankten Personen

Versuche mit Hunden, die das Coronavirus in Proben riechen können, gibt es in Deutschland, den USA, Grossbritannien oder Frankreich. Finnland hat nun – nach Dubai – als zweites Land den Schritt aus dem Labor heraus gemacht und setzt Kössi, ET und Miina ein.

Im laut der Uni Helsinki bisher umfassendsten Versuch der Welt erschnüffeln speziell trainierte Hunde am Flughafen der finnischen Hauptstadt, ob Passagiere Träger des Coronavirus sind. 16 Hunde verschiedener Rassen sind bisher in den Testlauf involviert, der in den nächsten Monaten weitere Erkenntnisse über die Methode liefern soll. Dabei wird sich auch zeigen, ob die Trefferquote der Hunde bei verschiedenen Personentypen in unterschiedlichen Krankheitsstadien genau so hoch ist wie im Labor.

Hunde erkennen Corona vor den PCR-Tests

Die finnischen Hunde haben bisher mit Urin von an Corona Erkrankten trainiert und dabei nahezu hundertprozentig die infizierten Proben gefunden – in wenigen Sekunden, erklärte Anna Hielm-Björkman, Veterinärprofessorin an der Uni Helsinki. Erstaunlicherweise könnten die Hunde Fälle entdecken, bevor man diese in den gängigen PCR-Tests erkenne.

Hielm-Björkman arbeitete bisher mit Hunden, die Krebs oder Diabetes erschnuppern könnten; sie weiss daher um deren enormen Geruchssinn. Wie sie allerdings Corona wirklich erkennen, ist nicht sicher. Die bisherige Forschung deutet darauf hin, dass das Virus den menschlichen Geruch, zum Beispiel im Schweiss, verändert – darauf reagieren wohl die Hunde. Deshalb ist am Flughafen auch kein Kontakt zwischen Tier und Mensch nötig – und kein Hals- oder Nasenabstrich: Die Passagiere – die freiwillig teilnehmen – reiben bloss eine Serviette an ihrem Hals. Diese wird in ein Gefäss gelegt und den Hunden in einem separaten Raum in einem Blindtest vorgelegt.

Schlagen die Hunde an, wird die Person zu einem herkömmlicher Coronatest gebeten. Hielm-Björkman hat deshalb keine Bedenken bezüglich eines erhöhten Ansteckungsrisikos, wie es Schweizer Experten im Juni in CH Media befürchtet hatten. Hunden hätten zudem im Gegensatz zu Nerzen oder Katzen nicht nötigen Rezeptoren, um sich leicht anzustecken.

Nur wenige Tage um den Corona-Geruch zu lernen

Ein anderer Kritikpunkt an der Methode ist der beschränkte Einsatz. Die finnischen Forscher haben allerdings festgestellt, dass talentierte Hunde den Corona-Geruch innerhalb weniger Tage lernen können. Dennoch braucht es natürlich grossen Aufwand und eine grosse Anzahl Hunde, um Tausende Passagiere testen zu können; sie müssten auch in Schichten arbeiten können, um sich auszuruhen. Auf der anderen Seite liefert die Schnupper-Methode sofort ein Resultat, die Wartezeit auf den Labortest und die Quarantäne kann entfallen, sofern die Personen nicht positiv sind. Zudem koste ein Hund inklusive Personal deutlich weniger als Hunderte Labortests, sagt Anna Hielm-Björkman. Sie hat bereits zahlreiche Anfragen für weitere Einsätze erhalten: Von Spitälern, Kulturveranstaltern oder Altersheimen.