Der ideale Stadtflitzer? Jetzt wird der Mini komplett elektrisch

Die Technologie im Kultmodell Mini wird vollständig erneuert. Als Cooper SE will er vor allem Städter überzeugen.

Philipp Aeberli
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Zu Hause in der Stadt: Der Mini bereitet durch agiles Fahrverhalten und spritzige Beschleunigung Vergnügen.

Zu Hause in der Stadt: Der Mini bereitet durch agiles Fahrverhalten und spritzige Beschleunigung Vergnügen. 

Bilder: zvg

Ohne Strom geht es kaum mehr: Wer als Automobilhersteller die strengen Klimaziele einhalten will und auch in Sachen Image gut dastehen möchte, muss seine Modellpalette unter Strom setzen; zumindest mit Hybridantrieben, noch besser gleich mit rein elektrisch angetriebenen Autos.

Plug-in-Hybride bietet die britische BMW-Tochtermarke Mini schon seit 2017 an; in der Schweiz wird inzwischen schon jeder fünfte Mini Countryman als Plug-in-Hybrid verkauft. Global gesehen stehen 5 Prozent aller Mini unter Strom, verrät Pressesprecher Andreas Lampka. Das klingt nach wenig, ist aber im Konkurrenzumfeld schon viel, wie Lampka mit einem Blick auf den VW-Konzern, der nur gerade 1 Prozent seiner Flotte elektrifiziert habe, verdeutlicht.

Rein elektrisch war der kultige Kleinwagen aus England bis anhin aber noch nicht unterwegs, auch wenn sich das für den oft in der Stadt genutzten Flitzer eigentlich anbieten würde. Dieses Manko will und muss Mini nun beheben, anders lässt sich das neu geltende Ziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Flottendurchschnitt nicht erreichen.

Um Aufwand und Kosten im Rahmen zu halten, erbt der elektrische Mini die Antriebskomponenten des BMW i3. Das heisst: Eine E-Maschine mit 135 kW (184 PS) Leistung und 270 Nm Drehmoment sowie ein Lithium-Ionen Akku mit 32,6 kWh Speicherkapazität, wovon 28,9 kWh effektiv genutzt werden können.

Das Cockpit ist bis auf den neuen, digitalen Tacho identisch zum Benzin-Mini.

Das Cockpit ist bis auf den neuen, digitalen Tacho identisch zum Benzin-Mini.

Bilder: zvg

Lücken ausgefüllt

Im Gegensatz zu anderen E-Auto-Neuheiten war der Mini nicht von Beginn weg als E-Auto ausgelegt. Die Ingenieure mussten also die Basis des Mini mit Verbrennungsmotor nutzen und die Batterie integrieren. Folglich liegt der Stromspeicher nicht flach im Unterboden, sondern wurde da verbaut, wo üblicherweise die Komponenten für den Verbrennungsantrieb sitzen: im Getriebetunnel und im Unterboden. Trotzdem hat man es geschafft, den Akku so zu integrieren, dass im Innenraum kein Platz verloren geht. Der Mini ist und bleibt damit kein Raumriese, ist aber als Stadtauto für zwei Personen ausreichend dimensioniert; wer sich durch die schmale Lücke am umgeklappten Vordersitz in den Fond einfädelt, sitzt dort für kurze Strecken ausreichend bequem und geräumig. Der Kofferraum fasst nach wie vor 211 Liter, bei umgeklappter Rückbank lädt man bis zu 711 Liter in den Kleinwagen.

Gerade für die Stadt wirkt der Engländer als E-Auto perfekt motorisiert; 60 km/h erreicht man auf Wunsch in 3,9 Sekunden. Der Fronttriebler bringt sein hohes Drehmoment, das ab der ersten Sekunde sofort zur Verfügung steht, gut auf die Strasse. E-Auto-­typisch beschleunigt er spontan, stark und praktisch geräuschlos. So flitzt man erfreulich wendig und flott durch die City – und wird auch bei der Parkplatz­suche vor keine grossen Herausforderungen gestellt. Obwohl der Mini über die ­Jahre stetig ge­wachsen ist, zählt er mit 3,85 Metern Aussenlänge weiterhin zu den Zwergen auf der Strasse.

Der Ladeanschluss wurde in die vorhandene Tankklappe integriert.

Der Ladeanschluss wurde in die vorhandene Tankklappe integriert.

Bilder: zvg

Auch wenn Mini den ersten Serienstromer der Markengeschichte als Stadtauto positioniert, sind Reichweite und Lademöglichkeiten ein grosses Thema. Im EU-Messzyklus sollen 235 bis 270 Kilometer möglich sein; in der Realität muss man wohl mit knapp 200 Kilometern Reichweite rechnen. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche europäische Fahrdistanz bei nur gut 30 Kilometern am Tag liegt und Fahrten in der Stadt tendenziell noch kürzer ausfallen dürften, ist das absolut ausreichend, zumal der Mini Cooper SE an einer 50-kW-Gleichstromstation binnen 35 Minuten zu 80 Prozent geladen werden kann.

An einer dreiphasigen 11-kW-Wallbox, wie sie auch in öffentlichen Parkgaragen in Städten oft installiert ist, erreicht man 80 Prozent in 2½ Stunden. Für den Pendel- und Einkaufsalltag in der Stadt ist der Mini somit gut gerüstet. Für längere Reisen sollte man etwas mehr Planung in Kauf nehmen, wobei das Auto natürlich per Navi und App unterstützt.

Der perfekte Zweitwagen?

Der Mini Cooper SE steht ab März bei den Händlern und kostet ab 39900 Franken. Damit ist der Kompakte mit E-Antrieb rund 3000 Franken günstiger als ein Mini Cooper S mit 192 PS starkem Benzinmotor, Auto­matik­getriebe und vergleichbarer Ausstat­tung. Hinzu kommen die deutlich tieferen Unterhalts- und Betriebs­kosten.

Natürlich bekommt man für ähnlich viel Geld bereits E-Autos mit mehr Reichweite oder besserem Nutzwert, zum Beispiel einen Renault Zoe (395 km WLTP) oder Nissan Leaf (270 km WLTP mit 40-kWh-Batterie). Doch ist der Mini ja per se kein reines Vernunftsauto. Viel eher geht es den Kunden hier um Design, Stil und Fahrspass. Das verkörpert der Brite als Stromer erst recht; wer eher selten mit dem Auto lange Strecken zurücklegt oder den Mini ohnehin nur als Zweitwagen für Stadt und Umgebung einsetzt, findet im Stromer sogar den besseren Mini. Eine Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz sollte aber vorhanden sein, um möglichst sorgenfrei Strom geben zu können.

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