Religion
Petrus Canisius, der kampfeslustige Jesuit

Die Katholische Kirche feiert am 8. Mai den 500. Geburtstag des Jesuiten Petrus Canisius (1521-1597), illustre Schlüsselfigur der Gegenreformation. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Heilige in der Schweiz.

Andreas Faessler
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Büste von Petrus Canisius als Diözesanpatron im Innsbrucker Dom St.Jakob.

Büste von Petrus Canisius als Diözesanpatron im Innsbrucker Dom St.Jakob.

Bild: Andreas Faessler

Schon sein Geburtsdatum sollte ein Omen sein: Am 8. Mai 1521 – exakt an jenem Tag, als über Marin Luther in Worms rückwirkend die Reichsacht verhängt wurde – kam Pieter Kanijs im niederländischen Nimwegen zur Welt. Später Petrus Canisius genannt, ist er als einer der ersten Jesuiten und zugleich eine der wichtigsten Figuren der Gegenreformation in die europäische Geschichte eingegangen.

Im Alter von 22 Jahren trat der Nimwegener Bürgermeistersohn dem neu gegründeten Jesuitenorden als achtes Mitglied– und als erster Deutscher – bei. Nach der Installation mehrerer Jesuitenzentren in Deutschland und fruchtbarer Tätigkeit als ­Leiter der Universität Ingolstadt wurde Canisius 1552 nach Wien berufen, wo er mit der Gründung des ersten Jesuitenkollegs gleichzeitig ein starkes Fundament für die Gegenreformation legte. Canisius erwies sich in Wien als einflussreicher Prediger und Schriftsteller – sein hier verfasster erster Katechismus blieb für lange Zeit eines der erfolgreichsten katholischen Schriftwerke.

Ab 1555 wirkte Petrus Canisius von Augsburg aus hauptsächlich im süddeutschen Raum, 1556 wurde er Ordensprovinzial. Er war hochbejubelt von seinen Anhängern, hingegen tief verachtet von vielen Protestanten, obschon sich Canisius Letzteren gegenüber stets bewusst respektvoll äusserte. 1562 nahm Canisius am Konzil von Trient teil und instruierte anschliessend kirchliche Entscheidungsträger im Norden über die Beschlüsse. Als Vertrauter und Berater des Kaiserhauses, katholischer Fürstenhöfe und der Gesandten des Heiligen Stuhls gewann Canisius immer mehr Einfluss, sodass er zur wichtigsten Leitfigur der Gegenreformation wurde. Als solche legte er eine ausserordentliche Kampfeslust an den Tag. Er schrieb förmlich gegen die Reformation an und verfasste weitere Katechismen, um den katho­lischen Glauben zu festigen.

Allerdings liegt über Cani­sius’ Verdiensten auch Schatten: Er befürwortete die Hexenverfolgung bedingungslos und heizte die Stimmung durch seine Predigten an. Historiker sehen ihn gar als Wegbereiter für eine weitere grausame Welle des Hexenwahns in Europa.

Wirken und Tod in der Schweiz

Nach einem Zerwürfnis mit seinem Nachfolger als Provinzial im Jahre 1580 wurde Petrus Canisius nach Freiburg im Üechtland versetzt. Hier gründete er das Jesuitenkolleg St.Michael, aus welchem später die Universität hervorgegangen ist. Als Cansius’ Gesundheit ab 1590 nachliess, zog er sich allmählich aus dem öffentlichen Leben zurück. Er starb am 21. Dezember 1597 in Freiburg. Er ist in einer an die Jesuitenkirche angebauten Grabkapelle bestattet.

Petrus Canisius, der «Zweite Apostel Deutschlands» – nach Bonifatius –, ist im Jahre 1925 von Papst Pius XI. heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer ernannt worden.

Ein biografisches Porträt

Anlässlich des 500. Geburtstages von Petrus Canisius hat der Autor Mathias Moosbrugger (*1982), Theologe und Assistent am Institut für Bibelwissenschaft und Historische Theologie an der Universität Innsbruck, ein Buch über den illustren Jesuiten herausgegeben. Es soll keine Biografie im herkömmlichen Sinne sein, wie Moosbrugger betont. Vielmehr will er sich Canisius annähern, ihn sichtbar machen, indem er ihn in die Spannungsfelder seines Wirkens einzuordnen versucht. Er beleuchtet den kämpferischen Kirchenlehrer, seine einflussreiche ­Rolle als Verfasser zentraler kirchlicher Schriften sowie ­seine Stellung als prägendsten Jesuiten im damaligen Heiligen Römischen Reich deutscher nation. Moosbrugger legt das Augenmerk jedoch genauso auf Canisius’ weniger ruhmvollen Leistungen, vor allem auf dem Gebiet der Hexenverfolgung.

Mathias Moosbrugger, Petrus Canisius – Wanderer zwischen den Welten, Tyrolia-Verlag, 288 Seiten, ab Fr. 31.90.