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Gedenktag: Der Schutzherr des Arbeitervolkes

Für die Katholiken gilt der 19. März als Hochfest des heiligen Josef. 1955 hat Papst Pius XII. den 1. Mai zu einem weiteren Gedenktag für den Zimmermann aus Nazaret ausgerufen. So was gibt es innerhalb der Kirche nur zweimal.

Andreas Faessler
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Der hl. Josef mit Winkel und stilisiertem Wanderstock. Statue an der Fassade der Pfarrkirche St.Josef im Zürcher Stadtkreis 5. Einst ein klassischer Arbeiterbezirk.

Der hl. Josef mit Winkel und stilisiertem Wanderstock. Statue an der Fassade der Pfarrkirche St.Josef im Zürcher Stadtkreis 5. Einst ein klassischer Arbeiterbezirk.

Bild: Andreas Faessler (29. April 2020)

Der Josefstag, umgangssprachlich auch als «Seppitag» bezeichnet, ist vor allem in den katholischen Kantonen von Bedeutung. Jährlich am 19. März feiert die Kirche das offizielle, «gebotene» Hochfest Josefs, Ziehvater Jesu. Dieses Datum geht vermutlich auf Papst Sixtus IV. (1414-1484) zurück, welcher für den Heiligen einen kirchlichen Festtag bestimmt hat, nachdem dessen Verehrung innerhalb der Kirche immer populärer geworden war. Papst Pius IX. (1792-1878) ernannte den hl. Josef im Jahr 1870 zum Patron der gesamten katholischen Kirche.

Bemerkenswert ist, dass die Bibel auffallend spärlich über den Mann an vorderster Front der Heiligen Sippe berichtet; Josef frönt geradezu ein Schattendasein, über ihn ist angesichts seiner tragenden Rolle im Leben Jesu schmerzlich wenig bekannt.

Kirchliche Antwort auf die Arbeiterbewegung

Was sich dem allgemeinen Bewusstsein wohl entziehen dürfte, ist die Tatsache, dass der 1. Mai ebenfalls ein «Josefstag» ist – sinnigerweise. Denn der Mann aus Nazaret war ein fleissiger Zimmermann, weshalb er häufig mit Schreinerwerkzeugen wie etwa Winkelmass, Säge oder Hobel sowie blühendem Wanderstab dargestellt wird. Josef war ein Arbeiter. Papst Pius XII. (1876-1958) sah sich im Jahr 1955 veranlasst, den 1. Mai – den «Tag der Arbeit» – ebenfalls zum Gedenktag an Josef von Nazaret auszurufen. Somit kommt Josef innerhalb der katholischen Kirche insofern eine Sonderstellung zuteil, als er neben Johannes dem Täufer der einzige Heilige mit zwei Gedenktagen ist. Pius XII. führte dieses Gedenken an «Josef den Arbeiter» ein als kirchliche Antwort auf die seit Ende des 19. Jahrhunderts jährlich am 1. Mai gefeierte Arbeiterbewegung. Und gleichsam als Zeichen gegen böse Behauptungen, die Kirche würde dem Kapitalismus näher stehen als den Arbeitenden.

Den Weg für Josef von Nazaret, zum kirchlichen Patron der Arbeiterbewegung zu werden, hatte bereits Papst Leo XIII. (1810-1903) geebnet, welcher in seinen Schriften die Bedeutung Josefs für das einfache, in bescheidenen Verhältnissen lebende Arbeitervolk erstmals explizit hervorhebt und die Würde der menschlichen Arbeit betont.

Kirchen für das arbeitende Volk

Das Patrozinium des hl. Josef als Ziehvater Jesu ist weit verbreitet – Josefskirchen und -kapellen finden sich zuhauf. Nach der Einführung dieses zweiten, nicht gebotenen (ohne Messpflicht) Gedenktages für den Mann aus Nazaret durch Pius XII. sind vor allem in Deutschland und Österreich mehrere Kirchen entstanden, die explizit Josef dem Arbeiter geweiht sind. Diese Pfarr- und Filialkirchen sind oft in Quartieren zu finden, wo das Arbeitervolk einen überdurchschnittlich hohen Anteil ausmacht.