Rettet den Schweizer Weltrekordhalter: Der stärkste Projektor der Welt soll wieder im alten Glanz erstrahlen

Das Solothurner Technikmuseum Enter will den weltweit stärksten Lichtprojektor, den «Spitlight P.300.S» restaurieren und wieder strassentauglich machen. Ab dem 24. Juni läuft das Crowdfunding dafür an.

Gülpinar Günes
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Der Lichtprojektor «Spitlight» wird im Busdepot der BSU in Zuchwil im Kanton Solothurn wieder auf Vordermann gebracht.

Der Lichtprojektor «Spitlight» wird im Busdepot der BSU in Zuchwil im Kanton Solothurn wieder auf Vordermann gebracht.

Bild: Hanspeter Bärtschi

Ist es eine Rakete? Ein U-Boot? Oder etwa doch ein Teleskop? Seit letztem September sorgte ein raketenartiges Gefährt auf dem Parkplatz des Technikmuseums Enter südlich des Hauptbahnhofs für grosse Augen. Es handelte sich dabei um den «Spitlight P.300.S»: Den weltweit stärksten Lichtprojektor. Er zündet bis zu sechs Kilometer weit, ist zehn Mal stärker als heute gängige Lichtprojektoren und wurde zwischen 1955-56 vom Tessiner Ingenieur Gianni Andreoli gebaut. Seinen ersten Einsatz fand der augenfällige Projektor an den Winter-Olympiaden 1956 in Italien, wo er die Resultate an die Dolomitenwände projizierte. Nun ist er in Solothurn. Aber wie ist das geschichtsträchtige Objekt auf dem Parkplatz des Museums gelandet?

Hier lässt sich die Ausrichtung des Projektors steuern.

Hier lässt sich die Ausrichtung des Projektors steuern.

Bild: Hanspeter Bärtschi

Er wäre auf dem Schrotthaufen gelandet

«Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort», sagt Museumsleiterin Violetta Vitacca. Der «Spitlight» wäre ansonsten wohl auf einem Schrotthaufen gelandet. Nachdem sein Schöpfer Andreoli verstarb, verschenkte nämlich seine Witwe den Projektor an das Technorama in Winterthur, wo er restauriert und wieder eingesetzte wurde. Anschliessend kam er in die Hände eines privaten Vereins, der ihn restaurieren wollte, wie Vitacca erzählt. Von dieser habe das Museum Enter letztes Jahr ein völlig davon unabhängiges Objekt gekauft, als sie der Verein auf das in die Jahre gekommene Schmuckstück aufmerksam gemacht hat. «Für uns war klar, dass wir ihn nehmen wollen. Der Spitlight gehört in die Schweiz und musste gerettet werden», sagt Vitacca begeistert. Hätte das Museum nicht gleich zugegriffen, wäre der Projektor mangels Mittel, ihn zu restaurieren, wohl verschrottet worden.

Der Einsatz des «Spitlight» an den Winterolympiaden 1956.

Der Einsatz des «Spitlight» an den Winterolympiaden 1956.

Bild: ZVG

Nun will das Museum Enter in einer ersten Etappe die Restaurierung des 14 Tonnen schweren Projektors selber in die Hand nehmen, bevor der Rost sich weiter in seine Eingeweide frisst. Einerseits stehen diverse kosmetische Arbeiten an der Carrosserie, die von der Carrosserie Hess in Bellach übernommen werden, sowie sicherheitstechnische Reparaturen am 170 PS starken Lastzug an, der den Projektor trägt. Diese nimmt die BSU in der Halle in Zuchwil in Angriff, wo sich der Projektor momentan befindet. Das Ziel sei es, das Gefährt wieder strassentauglich zu machen, wie Vitacca sagt. Andererseits stehen aber auch technische Reparaturen am Projektor selber an. «Wir sind am evaluieren, wie weit wir die alte Technik wieder in Betrieb nehmen können.» Denkbar sei auch parallel dazu mit der neuen Technik Lösungen zu finden. «Es ist uns wichtig, die alte Technik zu erhalten. Aber im Fokus steht im Moment die Verkehrstauglichkeit», fügt sie hinzu. Ziel sei es, bis Ende Jahr zur Strassenverkehrskontrolle gehen zu können. In einer zweiten Etappe werde dann der Generator in Angriff genommen, der heute noch auf dem Parkplatz des Museums zu sehen ist.

Das Holzgerüst des Projektors.

Das Holzgerüst des Projektors.

Bild: ZVG

Das Museum rechnet für die erste Etappe mit einer Investition zwischen 90’000 und 100’000 Franken für den Oldtimer. 60’000 Franken habe ein privater Sponsor bereits übernommen, womit die BSU bereits mit den ersten Arbeiten am Fahrwerk starten können. Für die verbleibenden rund 30’000 Franken startet das Museum am 24. Juni, um 12 Uhr, ein Crowdfunding auf «wemakeit». «Der Spitlight ist eine Bereicherung sowohl für das Museum als auch für die Stadt», sagt Vitacca. «Und weil er dermassen viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, wollten wir den Leuten die Möglichkeit geben, ein Teil davon zu werden.» Spender können sich unter anderem auf einer Sponsorentafel auf dem Projektor verewigen oder eine Fahrt im «Spitlight» ergattern.

Der Zeitzeuge soll öffentlich zugänglich sein

Die Musemsleiterin Violetta Vitaca.

Die Musemsleiterin Violetta Vitaca.

Bild: ZVG

In Zukunft soll der Projektor einen Ehrenplatz im geplanten Neubau erhalten und öffentlich zugänglich sein. «Er wird einerseits der Eye-Catcher des Museums. Und andererseits werden wir damit ausfahren können», sagt Vitacca. Das Museum werde beizeiten ein Konzept erarbeiten, wie man den «Spitlight» für auswärtige Anlässe und allenfalls auch für Projektionen mieten kann. «Wir waren bereits mit den Solothurner Filmtagen in Kontakt und wissen, dass Anita Hugi Interesse daran hätte.» Auch das Verkehrshaus habe sich schon gemeldet. Denn der «Spitlight» ist nicht nur wegen seines futuristischen Aussehens so einzigartig und wertvoll, wie Vitacca weiss. «Er ist während der Hochkultur der Schweizer Ingenieurskunst entstanden.» Im «Spitlight» befinde sich eine sogenannte Eidophor-Technologie, eine
Erfindung der ETH, die bereits im NASA-Kontrollzentrum zum Einsatz gekommen sei. Und ausserdem stecke sehr viel Handwerkskunst rund um den Projektor. «Er ist ein wichtiger Zeuge unserer Zeitgeschichte», sagt die Museumsleiterin. Daher sei er im Museum Enter wohl aufgehoben.

Weitere Infos unter: www.enter.ch/spitlight